„Timeframed“ – „Bare“ von Lukas Valente, Tanz: Ballett Zürich und Junior Ballett

Schweizer Choreografie an der Spitze

tanznetz Kritiker*innenumfrage: Choreografien 2025/26

Gewonnen hat „Bare“ von Lucas Valente für das Ballett Zürich, noch vor „Nurejew“ von Kirill Serebrennikov und Yuri Possokhov beim Staatsballett Berlin.

Welche waren die herausragenden Choreografien in dieser Spielzeit?

Die Gewinner*innen

Erster Platz: „Bare“ von Lucas Valente, Ballett Zürich

Im vierteiligen Abend „Timeframed“ beim Ballett Zürich lösten Sie beim Publikum Begeisterung aus. Sie hatten immerhin neben Größen wie Forsythe und van Manen zu bestehen und frischten sogar den Abend auf. So geht zeitgenössisches Ballett! (Regina Christen)

Lucas Valente und seine Choreografie „Bare“ beim Zürcher Ballett. 24 Tänzer*innen in Rocker-Aufmachung, halsbrecherische Soli, statt „richtiger“ Musik ein Sounddesign (Atem, Sprachfetzen etc.), von den Tanzenden selber erzeugt. (Marlies Strech)

Ein energiegeladenes, intensives, stellenweise fast hypnotisch wirkendes Werk für eine mehr als 20-köpfige Besetzung. Der Klang wird von den Tänzer*innen selbst erzeugt und mit subtilem, soghaftem Sounddesign verwoben. „Bare“ schlägt in den Bann, ist reduziert, dicht und ein physisches Erlebnis. (Leslie Krumwiede)

Zweiter Platz: „Nurejew“ von Kirill Serebrennikov & Yuri Possokhov beim Staatsballett Berlin

„Nurejew“ von Yuri Possokhov in der Inszenierung von Kirill Serebrennikov ist eine Hommage an Rudolf Nurejew, bei der die Grenzen zwischen Ballett und Schauspiel verschwimmen. Das in Russland verbotene Stück berauschte an der Deutschen Oper aufgrund seiner Opulenz die Sinne, das Berliner Staatsballett betörte. (Florian Welle).

Die Favorit*innen

(Aufzählung in alphabetischer Reihenfolge der Stücktitel)

„Äther“ von Aleix Martínez, Hamburg Ballett 
Martinez' programmatisch absolut innovative Arbeit denkt den urromantischen Märchenstoff „La Sylphide“ in Bournonvilles historisch überlieferter Fassung im Hier und Jetzt weiter. In seiner düsteren, mit zahlreichen Querverweisen gespickten, emotional-bewegenden zeitgenössischen Fortschreibung wird James in die Hölle des eigenen Gewissens geschickt. (Vesna Mlakar)

„Bolero“ von Shahar Binyamini bei Dance First in Fürstenfeldbruck
Was für ein großartiges Win-Win-Konzept, die Choreografie seiner House of Dance-Company in vielen Städten durch Tanzstudierende vor Ort zu ergänzen, wie in München durch die Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München oder in Vancouver durch Tänzer*innen der Arts Umbrella School. So wird das Stück richtig groß, die Studierenden machen eine Erfahrung fürs Leben, und das Publikum spürt diesen ganz besonderen Esprit, der von der Bühne überspringt. (Nina Hümpel)

„Choreographing Story“, Chen Wu-kang und Pichet Klunchun beim Kunstfest Weimar und der Tanztriennale Hamburg
„Choreographing Story” von Chen Wu-kang und Pichet Klunchun ist eine große tänzerische Expedition in die Welt des „Ramayana“ und die Tanzwelten Südostasiens. Eine tänzerische Perle, die Konventionen sprengt, ignoriert und zugleich sehr ernst nimmt. (Torben Ibs)

„Die Unsichtbaren“, John Neumeier, Bundesjugendballett Hamburg
Nicht mehr neu, bestätigt das Wiedersehen: Es ist ein weises Alters- und ein Meisterwerk und eines der wichtigsten jüngeren Stücke. Es behandelt Zeitgeschichte, doch es berührt unsere Gegenwart und Zukunft – und zwar „unsere“ als Gesellschaft, nicht nur als identitätskirre Individuen. Selten und gut! (Horst Vollmer)

Glockenperformance, Florentina Holzinger, Venedig
Das Ganze ist historisch politisch, kritisch und ungewöhnlich. Gesehen habe ich den Vorläufer schon in der Jahrhunderthalle und nun tourt es zu recht europaweit bis zur Biennale nach Venedig in die Ausstellung „SEAWORLD VENICE“. (Ursula Kaufmann)

„Gravity“ von Rafaële Giovanola, tanzmainz
Spektakuläres „Abarbeiten“ an der Schwerkraft – und ein Ensemble, das dabei begeistert in die Vollen geht. (Isabelle von Neumann-Cosel)

„Kontakthof – Echoes of '78“, Pina Bausch & Meryl Tankard, Tanztheater Wuppertal 
Meryl Tankard hat für und mit ihren Kolleg*innen eine berührende Version von Kontakthof geschaffen, die noch lange in einem nachhallt. Gerade im Tanzbereich ist es immer wieder toll, „ältere“ Tänzer*innen auf der Bühne zu sehen, da sie mit ganz anderen Nuancierungen arbeiten. (Paul Delavos)

„MOTION CRUSH: Are you ready?“, Foteini Papadopoulou / Lukas Tobiassen, ensemble Crush, Berlin
Die Choreografie unterläuft die Konventionen der Aufführung, indem sie die Vorbereitung selbst ins Zentrum des Geschehens rückt. Das Publikum wartet mit wachsender Freude auf ein Ereignis, das sich scheinbar immer weiter hinauszögert. Das Stück spielt mit den Codes der Bühne und den Erwartungen der Zuschauer*innen: Die Choreografie entfaltet sich mit bemerkenswerter konzeptioneller Präzision, ohne sich jemals vollständig preiszugeben. Gerade in dieser Spannung zwischen Erscheinung und Entzug liegt ihre Intelligenz und ihre besondere Eigenständigkeit. (Aline Braun)

„Remachine“ von Jefta van Dinther bei der Tanzwerkstatt Europa, München
Zurück auf der Bühne ist „Remachine“ die logische Konsequenz van Dinthers Mammut-Arbeiten „AUSLAND“ und „Unearth“. Eine rastlose Drehscheibe, kreaturhaft-mechanische Bewegungssprache und durchdringender Live-Gesang entwickeln eine Dringlichkeit, die jedes Zeitgefühl verfliegen lässt. (Peter Sampel)

„Schwanensee. Rotbarts Geschichte“, Goyo Montero, Staatsballett Hannover
Mit seiner Version von „Schwanensee“ stellt er eine Randfigur in den Mittelpunkt, über die bisher kaum jemand nachgedacht hat: den bösen Zauberer Rotbart. Damit wirft er die zeitlose Frage nach dem Ursprung des Bösen auf und hebt den Klassiker auf ein neues Niveau, ohne ihm seine Magie zu nehmen. (Annette Bopp)

 

Die weiteren Nominierten

„Become Ocean“ LEE/VAKULYA, Hessisches Staatsballett

„BREL“, Anne Teresa De Keersmaeker / Solal Mariotte, Rosas

„Clap and Slap“ von und mit Agnietė Lisičkinaitė und Igor Shugaleev

„Delay the Sadness“, Sharon Eyal

„Drift“, Bodytalk, Teatr Rzobark

„Echos“, Frank Fannar Pedersen und Javier Rodríguez Cobos, Tanzkompanie St. Gallen

„Ephémère“, Anne Jung, Ballett Basel

„Frida“, Annabelle Lopez Ochoa

„Go Figure“, Sharon Fridman, Sharon Fridman Company

„Heatwave“, Justin Peck, Wiener Staatsballett

„In the Brain“, Hofesh Shechter, Shechter II 

„Lagom“, Cheng-Yang Peng

„Langes Wochenende“, Elsa Artmann / SANFTE ARBEIT

„Lilac“, Richard Siegal, Nürnberg Ballet of Difference

„Maldonne“, Leïla Ka

„Mirage“, Damien Jalet/ Kohei Nawa, Ballet du Grand Théâtre de Genève

„NÔT“, Marlene Monteiro Freitas

„Orbit“, Andonis Foniadakis

„Parts and Pieces“, Kinsun Chan, Ballett der Semperoper Dresden

„Post Orientalist Express“, Eun-Me Ahn

„Requiem“, Peter Chu, Staatstheater Augsburg

„Stripping Bolero“, Rykena/Jüngst

„The Going On”, Kevin O’Day, EinTanzhaus Mannheim

„umuku“, Dorothée Munyaneza

„Voluntaries“ und „Sacre“, Glen Tetley, Stuttgarter Ballett

„Zurück zu Ali“, Jenny Beyer

 

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