Under Pressure
Tanz im August with „Sounding Light“, „The Choreography of Water“ and „CLAP/SLAP“
Scheherezade hat ja nicht nur den Cliffhanger erfunden. Ihre Geschichten in den Geschichten sind verzahnt, komplex und in ihrer Detailfülle wie ein eigenes Universum, das kein Ende kennt.
Genau so flirren die erzählerischen Details in „13 Tongues“ durch das Publikum hindurch. Eine simple Handglocke gibt am Anfang den Rhythmus vor, in dem die Reihe der 13 Tänzer*innen in schlichtem Schwarz vorsichtig die Bühne erkunden. Ein Blitz, und ein Wirrwarr lauter Rufe bricht sich Bahn. Elegant und geschmeidig, gleichzeitig federleicht und auffällig präzise skizzieren sie einzeln und in Gruppen immer neue Szenen, Momente, Anekdoten. Dicht, sehr dicht entstehen dabei Welten, die in ihrer Abstraktheit ein Stück weit fremd bleiben, aber in keinem Moment befremdlich wirken.
Vom ersten Moment an werden die Zuschauer*in eingesogen in eine Sprache der Körper, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann. Es bleibt bis zum Ende unklar, was genau diese grandiosen Tänzer*innen erzählen. Das ist aber irrelevant, denn jeder Moment ist voller Spannung. Damit zeigt sich wieder: Es kommt nicht so sehr darauf an, was man tut; das Wie ist das Entscheidende. Die Soundscapes reichen dabei von in Blecheimer tröpfelndem Wasser bis zu rockigen Tönen, die Bewegungen von Anlehnungen an Kampfkünste mit asiatischem Flair bis zu Zeitgenössischem, das Kulturkreise überschreitet.
Der Raum wird zum Irgendwo
Irgendwann brechen unvermittelt, aus dem Nichts, Neonfarben in die Kostüme ein, verstärkt durch Schwarzlicht. Die Stimmung ändert sich grundlegend, unklar ist allerdings, ob auch die Bewegungen jetzt anders ansetzen oder ob es nur eine Frage der Wirkung ist. Das Schwarzlicht reflektiert an den weißen Seitenwänden des Saals. Aus dem Augenwinkel wirkt es, als käme durch offene Fensteröffnungen Licht von außen. Der Raum verändert sich komplett. Es ist nicht mehr der Große Saal im Festspielhaus Hellerau. Es ist ein Irgendwo, durch das eine Tänzerin zu fliegen scheint. Ein riesiger Koi schwimmt durch den Raum, und ein leeres Kleid tanzt ganz allein für sich.
Diese Geschichten sind ohne Ränder, ohne Brüche oder Übergänge. Das lässt einen Rauschzustand entstehen, in dem man sich einfach treiben lassen möchte. Und das kann man getrost tun, denn die Dramaturgie führt das Publikum ohne jede Reibung so sanft wie sicher an der Hand, bis zu einem Schluss, an dem nicht ganz klar ist, ob man jetzt eigentlich randvoll ist oder einfach nur leer. Das ist viel, sehr viel. Psychedelische Muster rasen zum Abschluss über die Bühne, und es bleibt ein Rauschen in den Ohren zurück. Da wird klar, wie die Kompanie zu ihrem Namen gekommen sein könnte: Man fühlt sich nach der Vorstellung wie auf Wolken.
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