„Blinded by Delight“, Regie: Oliver Hoppmann

2 Happy Hours

Grand Show „Blinded by Delight“ im Friedrichstadt-Palast Berlin

Dass hier nicht gekleckert wird, sondern geklotzt, ist bekannt. Die aktuelle Show ist auf jeden Fall nichts für Skeptiker des Eskapismus.

Berlin, 03/07/2026

Ein Roulettetisch. Oder vielleicht doch lieber eine Torte? Wer Ideen für das nächste Halloween-Kostüm sucht, ist bei den Entwürfen von Jeremy Scott bestens bedient. Für die aktuelle Show „Blinded by Delight“ im Friedrichstadt-Palast Berlin hat er aus den Vollen geschöpft. Was denkbar ist, ist machbar. Das gilt offenbar auch für die Bühneneffekte. Feuer? Heute nur noch simple Projektion und deshalb ungefährlich. Leuchtende Drohnen? Könnte man meinen. Dabei sind es nur kleine, auf und ab fahrbare Scheinwerfer. 

Die Augen gehen einem über bei diesem Kessel Buntes. Der Bühnenboden öffnet und schließt sich aller paar Sekunden, um mal eine Kontorsionistin aus dem Boden zu zaubern oder gleich eine ganze Gruppe Tänzer*innen. Live Musik, live Gesang (meistens auf Deutsch), eine BMX Crew und eine Artistentruppe auf Teeterboards (vulgo: Wippen). Hier ist keine Zeit, etwas ausgiebig zu bewundern. Eine Szene schließt an die nächste an. 

Lose zusammengehalten wird alles durch eine simple Erzählung, in der eine Frau namens Luci das Träumen verlernt. Ihr Traum (und drei personifizierte Glückshormone) wollen ihr das Lachen und die Freude am Leben zurückbringen. Und die Tänzer*innen tun dafür, was sie nur können. Mal als aus dem Schnürboden baumelnder Kronleuchter, mal mit Anklang an Schwanensee (nicht auf Spitze) in weißen Tutus, die hier Pusteblumen stilisieren. Oder sie kommen gleich als Cocktails auf die Bühne getrippelt. Die passende Liedzeile: „Heute Tiger, morgen Kater!“ Wenn das mal nichts ist. 

Hier wird der Moment gefeiert, die Freude am Spaß und die selbsterlaubte Sorglosigkeit. Wer traut sich das denn heute noch? 

Das heißt natürlich auch, dass die verschiedenen choreografischen Ansätze auf reine Show ausgerichtet sind. Und als solche funktionieren sie wunderbar. Bis man sich in einer Szene verwundert die Augen reibt, weil man glauben könnte, Sharon Eyal hätte kurz reingeschaut und ihre Visitenkarte dagelassen. Auf Zehenspitzen, ganz geschmeidig, kommen die Tänzer*innen auf der Bühne zusammen, spreizen die Beine und rollen ihre Schultern abwechseln nach vorn. Unverkennbar, die Batsheva-Schmiede. Dabei war es nicht sie, sondern ihr Landsmann Shahar Binyamini, der diese Szene choreografiert hat. Und sie unterscheidet sich in jedem Fall deutlich von den restlichen Bewegungsansätzen, die von mehreren Choreografen stammen, unter anderem von Mario Schröder und dem ehemaligen Solisten des DFF-Fernsehballetts Maik Damboldt. Alle liefern solide Arbeit, aber Binyaminis Szene hat im Vergleich ganz klar die stärkste individuelle Handschrift.

Vollends gesättigt ist man am Ende, wenn die Konfettikanonen zum großen Finale jede Menge Glitzerschnipsel haben regnen lassen. Bleiben da keine Wünsche mehr übrig? Eigentlich doch. Wie könnte eine Show aussehen, die sich nicht auf der alten Heteronormativität ausruht? Man wird ja noch träumen dürfen ...

 

Kommentare

Noch keine Beiträge

Ähnliche Artikel

basierend auf den Schlüsselwörtern