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Berlin

ANZEIGE ERSTATTET

Die nächste Runde in der Causa Staatliche Ballettschule Berlin



Wegen Vernachlässigung der Fürsorgepflicht und Kindswohlgefährdung haben Eltern von Schüler*innen eine Anzeige gegen Senatorin Scheeres erstattet.


  • Gegen Senatorin Scheeres wurde Anzeige erstattet. Foto © SenBJF/Reto Klar

In einem offenen Brief, der der tanznetz-Redaktion vorliegt, erklären ein Dutzend Eltern von Schüler*innen der Staatlichen Ballettschule Berlin, dass sie Anzeige gegen die Senatorin Scheeres erstattet haben. Der Brief ist unter anderem an den Regierenden Bürgermeister Berlin, das Abgeordnetenhaus und die Schulaufsicht gerichtet. Sie seien "wirklich verzweifelt und hilflos" in Bezug auf die täglich stattfindende und nach ihrem Verständnis nicht erst genommene Kindswohlgefährdung, heißt es darin.

Die Vorwürfe, die hierfür angebracht werden und durch Protokolle, Audioaufnahmen und Zeugenaussagen belegt sind (teils bereits aus den Jahren 2018 und 2019 stammend), beziehen sich auf die Verletzung der Aufsichtspflicht durch Lehrer*innen, Willkür im Umgang mit den Schüler*innen - etwa Wutausbrüche - und einem unangebrachten Sprachgebrauch - etwa "Du siehst aus wie ein Pferd, wenn du tanzt!". Da die Lehrer*innen nicht an der Schule, sondern beim Senat angestellt sind, hätte laut der Eltern "Senatorin Scheeres [...] reagieren bzw. agieren müssen mit jeweils einer Mahnung nach Erhalt der Verstoßprotokolle". Doch nichts geschah. Die damaligen Leiter der Schule - Prof. Ralf Stabel und Prof. Gregor Seyffert - wurden hierüber nicht in Kenntnis gesetzt bzw. hatten aufgrund der Beschäftigungsverhältnisse keine Handlungsmöglichkeit.

Sind also die beiden Leiter "Bauernopfer" eines untätigen Senats sowie einer Kommission und einer Clearingstelle, die laut Eltern "nichts machen" können, geworden? Die Eltern fordern sofortiges Handeln, ansonsten wären sie gezwungen, ihre Kinder "nicht mehr zur Schule zu schicken, um sie zu schützen!". Mit diesen Worten schließen sie ihren Brief.

Nach dem kommissarischen Einsatz von Detlef Kruse - eines pensionierten Ingenieurs und dem langjährigen Direktor eines Oberstufenzentrums für Maschinen- und Fertigungstechnik in Reinickendorf - als neuen Schulleiter geht es nun wohl in die nächste Runde in der Causa Staatliche Ballettschule Berlin.

Veröffentlicht am 17.06.2020, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, News 2019/2020

Dieser Artikel wurde 1847 mal angesehen.



Kommentare zu "Anzeige erstattet"



    • Kommentar am 18.06.2020 14:13 von K.L.
      Erschreckend und unglaublich... wer den kommissarischen Einsatz jetzt leitet!

      Hat die staatliche Ballettschule nicht gerade jetzt und in Zeiten wie diesen etwas künstlerisch und professionelles Knowledge verdient?
    • Kommentar am 18.06.2020 16:58 von pepeffm
      Es wird definitiv Zeit, dass im Bereich Tanzkultur Qualitätsmanagement eingeführt wird, das dem Schutze beider Parteien - der Lernenden wie Lehrenden - dient.



      mit freundlichen Grüßen



      Patrick Rump

    • Kommentar am 20.06.2020 17:52 von zirkusprinzessin
      Es ist schon sehr perfide, wenn die beiden Männer, die die Kindswohlgefährdung (Stabel) und die sexuellen Übergriffe (Seyffert)an der Ballettschule organisierten und verursachten, hier im Artikel als unschuldige Bauernopfer bezeichnet werden. Wer den Missbrauch an Schülerinnen und Schülern durch den ehemaligen Schulleiter und den künstlerischen Leiter Ballett als eine Frage des "Qualitätsmanagements" einstuft, hat einen perversen Begriff von Tanzkultur. Das, was hier als oben als "künstlerisches" und "professionelles Knowledge" bezeichnet wird, das war praktiziertes Sadismus. Haben Sie denn noch nie von Übergriffen gegenüber Schülern gehört? Sieht so Ihr Kulturbegriff aus? Dann dürfte es nie wieder Ballett geben! Ein Schulleiter hingegen, der keine Abschlüsse fälscht, dem das Wohl und die Bildung der Schülerinnen und Schüler am Herzen liegt, das braucht die Schule und nicht dieses selbstgefällige, arrogante und menschenverachtende Getue, wie es einige hier von sich geben.
      • Kommentar am 21.06.2020 08:52 von tanznetz.de redaktion 2
        Liebe Zirkusprinzessin, vielen Dank für Ihren Kommentar! Das Wort "Bauernopfer" ist ein direktes Zitat aus dem offenen Brief der Eltern und bildet nicht die Meinung der tanznetz.de-Redaktion ab!
    • Kommentar am 25.06.2020 20:22 von zirkusprinzessin
      Hier mein Brief an die Untersuchungskommission: Sehr geehrter Herr Brunswicker,

      Sehr geehrte Damen und Herren,



      Bitte machen Sie mir einen Terminvorschlag für ein ausführliches, persönliches Aussagegespräch.



      Gesundheitsbedingt habe ich meine Aussagen bisher überwiegend schriftlich gemacht. Als nun die Morgenpost (?) die Dokumente der Gremien veröffentlichte, dachte ich, das würde nun seinen geregelten, d.h. juristischen Gang gehen, Recht und Gerechtigkeit würden siegen. Und ich könnte mich zum Erholen zurück lehnen. Wie naiv von mir!



      Bei der aktuellen Diskussion in einigen Presseorganen um Schuld am Missbrauch geht es genau so wenig wie damals um das Wohl der Schülerinnen und Schüler, sondern nur um Macht, wobei die Schülerinnen und Schüler einfach nur das Schlachtfeld hergeben, sowohl früher als auch heute. Wenn heute Zeitungen, sich hinter ominösen Eltern versteckend, die Schuld für den langwierigen und organisierten Missbrauch an der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik dem heutigen Senat in die Schuhe schieben wollen, dann tun sie das ganz offensichtlich wider besseres Wissen. Sie wissen, dass es damals mafiöse Personalstrukturen innerhalb der Berliner Schulverwaltung gab und heute vielleicht immer noch gibt, Beamte, die als Beteiligte diesen Skandal von damals auch heute noch unter den Teppich kehren. Diese Zeitungen wissen genau, dass Berlin eine tickende Zeitbombe hat mit den diversen sexuellen Übergriffen des G. Seyffert und deren Kommerzialisierung. Was tun sie, wenn sie eine brennende Lunte in der Hand haben? Sie geben die Bombe schnell weiter, bevor es knallt.



      So gehe ich zurecht davon aus, dass auch heute noch die Schülerinnen und Schüler das Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik missbraucht werden für eine Schuldverschiebung, wobei anderen die Missstände, die man selbst verursachte, in die Schuhe geschoben werden sollen. Niemand fragt hier nach dem Befinden der Kinder, Jugendlichen und deren Eltern. Nichts zeigt deutlicher deren Missachtung der erlittenen Traumata der uns anvertrauten jungen Menschen an!



      Auch fakenews zu verbreiten im Namen von Pressefreiheit - diese politische Verlogenheit widert mich so unglaublich an.



      Ich würde gerne mit Ihnen über das sprechen, was später "Sauna-Connection" genannt wurde und darüber, warum es vor mehr als 10 Jahren offensichtlich nicht zu einer "großen Kommission" gekommen ist, wie man mir damals versprach, als ich die Dokumente von Seyfferts "Marquis de Sade" mit seinem Finanzierungsprogramm vorlegte. Und ich bin natürlich interessiert zu wissen, wie weit Sie mit Ihren internen Untersuchungen gekommen sind. Gibt es weitere außerordentliche Kündigungen? Wie weit ist die Staatsanwaltschaft mit der Vorbereitung der Strafprozesse?



      Ich habe es so satt, dass man Täter in der Presse zu Opfern stilisiert, so unglaublich satt!! Und es macht mich krank, richtig krank! Und es ekelt mich körperlich regelrecht an, wenn sich "Kulturschaffende" abwertend und sich selbst arrogant überhöhend über den neuen Schulleiter äußern. Dieser hat sich offensichtlich nichts zu Schulden kommen lassen, versteht sein Handwerk und hat ein Kinderbuch geschrieben. Das lässt doch hoffen!

      In Erwartung Ihres Terminangebots verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.

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