Lichtinstallation zum 75. Jubiläum der Staatlichen Ballettschule Berlin

Die Staatliche erleuchtet

75. Jahre Staatliche Ballettschule Berlin

Viel Licht zum Start des Jubiläumsjahres in Berlin: Seit letztem Jahr mit neuer Leitung, startet die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik mit einer Lichtinstallation ins Jubiläumsjahr. Am Programm wird noch gestrickt, aber auf jeden Fall gibt es wieder eine Gala in der Staatsoper.

Berlin, 01/02/2026

Über die weiße Fassade des imposanten Gebäudes, das 2011 vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner gebaut wurde, tanzen nach Anbruch der Dunkelheit Filme aus dem Archiv: Unterricht an der Stange, noch in Schwarz-Weiß gefilmt, Showauftritte und Ballettaufführungen im Wechsel mit Akrobatikauftritten auf Bühnen oder der Zirkusmanege. Das alles sind Erinnerungsstücke, zusammengetragen zum Auftakt des Doppeljubiläums unter dem Motto „Die Staatliche erleuchtet.“ Und das will sie im Jubiläumsjahr verstärkt mit einem Jubiläumsprogramm in die Öffentlichkeit tragen. 

Das Bemühen, die Leistung dieser einmaligen Institution wieder einmal zu beleuchten, ist überall spürbar. Denn die Schule hat einige Jahre der Unruhe hinter sich. Auch wenn sich alle justiziablen Vorwürfe gegen den damaligen Schulleiter Ralf Stabel und den Leiter der Ballettschule Gregor Seyffert vor Gericht als haltlos entpuppten, hat die Berichterstattung Spuren hinterlassen. Der amtierende Schulleiter Ulrich Giessel, der erst seit August 2025 im Amt ist, will sich gegenüber der Presse, selbst zum Jubiläum, noch nicht äußern. Und das tut auch Ralf Stabel nicht. Aber er kam zum Jubiläumsstart in die Schule, die er von 2007 bis 2020 leitete.

Start als Fachschule für künstlerischen Tanz – ohne Palucca-Bezüge

Wirklich ruhig ging es an dieser Schule aber nie zu. 1950 soll die „Staatliche Schule für neuen künstlerischen Tanz, Ballett und Gymnastik“ in Berlin gegründet werden und den Namen der legendären Gret Palucca tragen. Zunächst begeistert, lehnt sie ab, weil zum Modernen Tanz im Konzept zu wenig steht. So startet die „Fachschule für künstlerischen Tanz“ im Oktober 1951 in Berlin ohne ihren Namen. 

Die Auseinandersetzung um die Ausrichtung zwischen klassisch und modern aber bleibt und wird erst 1958 politisch gelöst. Die Lehrkräfte für neuen Modernen Tanz werden entlassen, die Schule zur staatlichen Ballettschule nach russischem Vorbild umgebaut. Als Lehrmethode wird die Waganowa-Technik eingeführt, die bis heute praktiziert wird. Die Ausbildung wird 1963, auch nach russischem Vorbild, von fünf auf sieben Jahre erweitert. Das Aufnahmealter liegt bei zehn Jahren. Auch das gilt heute noch. 

Erst 1990, nach der Wende, fließt mit der Limón-Technik der Moderne Tanz wieder in den Unterricht mit ein. 2006 wurde der Bachelor Studiengang „Bühnentänzer/in“ in Verbindung mit verschiedenen schulischen Modellen eingeführt, einschließlich des Abiturs. Heute zählt die Schule 200 Schülerinnen und Schüler, die im Internat leben und Tanz- und Schulausbildung unter einem Dach erleben. 

Bereits am 2. Februar 2026 startet die 10. Biennale Tanzausbildung, deren Gastgeber die Staatliche ist. Auftreten werden die Abschlussklassen der staatlich anerkannten Tanzausbildungsinstitutionen und Gäste aus dem Ausland. Gezeigt werden soll, wie klassische und zeitgenössische Stile, individuelle Handschriften und choreografische Konzepte aufeinandertreffen. Für diese neuen Tanzsprachen braucht es auch einen neuen Tänzertypus. „Wir bilden Persönlichkeiten aus“, sagt die Ballettpädagogin Katrin Baum-Höfer, stellvertretende Leiterin Bühnentanz. 

Eine Wende-Geschichte, die gut ausging – auch die Artistik überlebt die Abwicklung

1991 wird der Staatlichen Ballettschule die Staatliche Artistikschule der ehemaligen DDR unterstellt. Mittelfristig sollte das Konglomerat damals abgewickelt werden. Doch beide Schulen beweisen ihre Daseinsberechtigung. Seit 2006 ist Ronald Wendorf der Leiter der Artistikschule. 100 Schülerinnen und Schüler sind es aktuell. Absolventen werden überall auf der Welt engagiert. „Wir sind eine Schule“, sagt er mit Blick auf die Ballettsparte. Das heißt, im Guten wie im Schlechten, und so färbte auch der Skandal auf die Artistikschule ab. 

Der Wunsch, das Jubiläumsjahr dazu zu nutzen, den Fokus wieder auf das zu legen, was an dieser einmaligen Institution für die Ausbildung in Tanz und Artistik geleistet wird, steht ungeschrieben unter dem Motto dieses Jahres. Das Programm dafür wird einige Highlights beinhalten. Dazu gehört auch wieder die Zusammenarbeit mit der Staatsoper unter den Linden. Dort wird der Festakt zum Jubiläum am 12. Oktober 2026 stattfinden. Zwei Galatermine sind im Sommer(Juni/Juli) im Schillertheater geplant. Die Informationen dazu werden über den Newsletter der Staatlichen Ballettschule Berlin verteilt und sollen demnächst online stehen.

 

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