Marco da Silva Ferreira: „A Folia“

Mut, Freude, Partizipation

Programm der 1. Tanztriennale Hamburg vorgestellt

Brave Moves. Courageous Joy. Unter diesem Motto steht die 1. Tanztriennale im Juni in Hamburg. Es wird partizipativ und genreübergreifend und auch das Hamburg Ballett ist an Bord, aber nicht mit Neumeier, sondern einer Uraufführung.

Hamburg, 27/02/2026

Dass bei großen Kulturprojekten von Leuchttürmen die Rede ist, die in die Welt strahlen, das ist ja mittlerweile Usus. Doch dem Hamburger Kultursenator Carsten Brosda reichen diese Wasserkantenspiele nicht. Er sieht in der vom 14. bis 21. Juni stattfindenden Tantztriennale einen Magneten, der aus den verstreuten Elementen der Tanzlandschaft Muster sichtbar werden lässt. Denn die Pluralität der Tanzszenen zwischen Ballett, Urban und Contemporay, zwischen Professionals und Amateur*innen, zwischen globalen Norden und globalen Süden, mit mixed-abled Companies und Tanz für junges Publikum, und nicht zuletzt zwischen Tanzkünstler*innen und Publikum, die ist es, die diese Tanztriennale, die zumindest 2026 und 2029 in der Hansestadt stattfinden wird, interessiert. „Wir erweitern den Tanzbegriff und wolllen die ganze Vielfalt widerspiegeln“, so Katarzyna Wielga-Skolimowska, Vorständin der Kulturstiftung des Bundes. Sie fördert das „Leuchturmprojekt“ Tanzttriennale mit 950.000 Euro, die Hamburger Behörde für Kultur und Medien gibt weitere 600.000 Euro dazu. Für die Triennale haben  Kampnagel, K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg und das Ballett Hamburg einen gemeinsamen Verein gegründet, der als Organisator auftritt.

Brave Moves. Courageous Joy.“

Das offizielle Motto ist „Brave Moves. Courageous Joy.“ Die beiden künstlerischen Leiterinnen Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette erklären dazu: „Die Geschichte der Tanztriennale ist einfach: Mut ist eine Praxis. Freude ist eine treibende Kraft. Beides wächst, wenn Menschen gemeinsam tanzen.“

Das Gemeinsame ist dabei an verschiedenen Stellen im Fokus. So findet zum Start am 14. Juni eine große Parade vom Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek bis in den Stadtpark statt und alle sind aufgerufen sich zu beteiligen, von der Tanzschule vor Ort bis zu beauftragten Choreograf*innen. Am Ende steht eine von Patricia Carolin Mai, die ja mit Großgruppen so ihre Erfahrungen hat, und ihrer MAI:COMPANY entwickelte partizipative Choreografie.

Auf die Suche nach Gemeinsamkeiten im Verschiedenen geht das Residenzprogramms „Counter Balance“, das verschiedene Genreszusammenbringt. Klassisches Ballett trifft bei Joseph Simon und Reiko Ohta auf Hip-Hop. Beim Projekt von Aoife McAtamney und Lucy O’Donnell kollaboriert eine Choreografin mit der leitenden Bibliothekarin der Lexicon Library Dublin zusammen. Fabienne „Foxy“ Klüver und Sizwe „Sizwe031“ Mzimela loten Süd-Nord-Beziehungen aus und bei Lau Sin Yi und germain kracht Krump auf Flamenco. Über 600 Bewerbungen waren für dieses neue Format eingegangen und die Ergebnisse der Residenzen, die bei verschienden Kooperationshäusern in ganz Deutschland erarbeitet werden, werden auf der Triennale erstmals öffentlich präsentiert. Zudem wird es vom 18. bis 21. Juni ein Forum geben, dass mit verschiedenen partizipativen Formaten auch das Publikum intensiv einbinden soll. 

Auch dabei: Uraufführungen und Deutschlandpremieren

Natürlich gibt es auch ein geradezu klassisches Festivalprogramm mit vier Deutschlandpremieren und zwei Uraufführungen (neben den Residenzformaten). Chiara Frigo kreiert für die Tanztriennale die partizipative Performance „A Human Song” mit rund 30 Hamburger:innen. Besonders reizvoll ist, dass das Hamburg Ballet seine Premiere von Alexei Ratmanskys „Wunderland“ in das Festival einbringt. Mit dabei sind ansonsten das CCN Ballet de Lorraine, Jefta van Dinther, Julien Carlier, Company MEK, Ricardo Urbina, Marco da Silva Ferreira und Regina Rossi. Fernöstliche Inspirationen liefert das Tjimur Dance Theatre die eine site-specific performance im MARKK Museum, sowie eine Produktion von Chen Wu-kang aus Taiwan und Pichet Klunchun auf ihrer Reise durch das „Ramayana“. Die mixed-abled Künstlerin Chiara Bersani untersucht die Integration des klassischen Korpus von „Schwanensee“ in den eigenen Körper und Agnietė Lisičkinaitė sucht mit Igor Shugaleev eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine, während nora chipaumires Erinnerungen an den angolischen Bürgerkrieg zum Ausgangspunkt einer Installation nimmt. Ironisch genug bleibt es, dass die von der Bundeskulturstiftung geförderte Triennale zwei Inszenierungen des explore dance Netzwerkes zeigt, dem der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien gerade das Geld gestrichen hat.

Viel Programm also für eine Woche Tanz in Hamburg, das nicht nur Mut sondern auch Ausdauer einfordert. Der Vorverkauf startet am 20. März. Zu finden ist das vollständige Programm unter https://tanztriennale.de

 

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