Let’s Celebrate Staying Together

Gedanken zum 3. Tag der internationalen tanzmesse nrw

Angesichts des tödlichen queerfeindlichen Angriffs auf Malte C. in Münster zeigt sich einmal mehr, wie wichtig der interkulturelle Austausch bei Events wie der Tanzmesse in Düsseldorf ist.

Düsseldorf, 03/09/2022

Am Freitagabend erreichte die schreckliche Nachricht aus Münster die sozialen Medien. Malte C., der am Christopher Street Day vor einer Woche von einem Mann brutal zusammengeschlagen worden war, starb an seinen inneren Verletzungen. Der 25-jährige Transmann war mehreren Umzugsteilnehmerinnen zur Hilfe geeilt, als diese vom Tatverdächtigen bedroht und homophob beschimpft worden waren, wurde daraufhin unvermittelt zweimal ins Gesicht geschlagen und stürzte mit dem Kopf auf den Asphalt. Die grauenvolle Nachricht rüttelte die LGBTQIA+-Community auf und zeigte erneut, dass Minderheiten selbst im vermeintlich progressiven Deutschland nicht vor Anfeindungen und brutaler Gewalt geschützt sind.

Beinahe unheimlich ist es, dass zur selben Zeit, als die Nachricht über Maltes Tod durch die sozialen Medien ging, der in Norwegen lebende Choreograf und Tänzer Daniel Mariblanca sein intensives Solo „71Bodies 1Dance“ über trans*-Identitäten auf der tanzmesse in Düsseldorf zeigte. In Anbetracht der Umstände soll eine detaillierte kritisch-journalistische Aufarbeitung der aufrüttelnden Arbeit, für die Mariblanca mit 71 trans*-Menschen in Europa gesprochen hatte, hier gar nicht geleistet werden. Vielmehr muss betont werden, wie immens wichtig die Präsentation und Repräsentation dieser Identitäten und ihrer Geschichten ist und angesichts rückschrittiger Tendenzen in vielen Ländern immer mehr wird.  

Daniel Mariblanca findet, nachdem er zunächst seinen nackten Körper in schweren, fast schmerzvollen Wellen, Krümmungen und Verdrehungen dem Publikum präsentiert, einen selbstermächtigten und humorvollen Ausgang. In einem Song lässt er das Publikum den Text „Pussy – Dick – This is fucking binary“ mitgrölen, um die tagtäglichen Diskriminierungen und verurteilenden Blicke, die er als Transmann erleidet, humoristisch zu unterlaufen. Und auch der stimmlich-verzerrte Schlusssong, der mit intelligent-nachdenklichen Zeilen wie „I was born in a society that only my body was born in“ beginnt, endet mit einer kraftvollen, identitätsstärkenden Ansage nach außen.

Die Nachricht von Maltes Tod, die einige Besucher*innen der Performance unmittelbar im Anschluss erreichte, zeigte eindrücklich, dass der progressive interkulturelle Austausch auf der internationalen tanzmesse nrw, in der Menschen aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Geschlechtsidentitäten offen miteinander umgehen, leider nur ein kleines Moment der Utopie inmitten von so viel Intoleranz, Hass und Gewalt im Rest der Welt darstellt. Umso wichtiger ist es, diese Gemeinschaft zu feiern und mit Kolleg*innen Allianzen zu bilden, um gemeinsam im Theater und auf der Straße für eine offenere und friedliche Gesellschaft zu kämpfen. Unsere Gedanken gehen raus an Maltes Angehörige, denen wir viel Kraft wünschen!
 

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