KRITIKEN 2018/2019



St. Petersburg

SPEKTAKULÄRES DEBÜT

Shale Wagman als James in „La Sylphide“ am Mariinsky Theater St. Petersburg



Der erst 19-jährige Kanadier Shale Wagman ist der jüngste Tänzer, der als Gastsolist in der Hochburg des klassischen Balletts auftreten durfte – es wurde ein Erfolg auf der ganzen Linie.


  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Mariinsky Ballet Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Olesya Novikova Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Olesya Novikova Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Olesya Novikova Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Olesya Novikova Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre
  • „La Sylphide“ von August Bournonville, Shale Wagman, Olesya Novikova Foto © Valentin Baranovsky, State Academic Mariinsky Theatre

Von Sabine Proll

Anlässlich des Festivals "Stars of the White Nights" in St. Petersburg wurde am 19.07.2019 im Mariinsky-Theater das Ballett „La Sylphide“ aufgeführt. Es war der Abend einer persönlichen Premiere für einen jungen Tänzer und auch für das Publikum: der erst 19jährige Kanadier Shale Wagman tanzte an der Seite von Olesya Novikova (Solistin im Mariinsky Ballett) die Partie des James. Wagman tanzte das erste Mal überhaupt eine Hauptrolle in einem Handlungsballett und ist zugleich der jüngste Tänzer, der je als Gastsolist im Mariinsky aufgetreten ist.



Shale Wagman hatte 2018 erstmals große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er die Goldmedaille und gleichzeitig auch den Nurejew-Preis für herausragende künstlerische Darstellung beim Prix de Lausanne gewann (tanznetz berichtete). Für sein erstes Engagement ging er danach zum English National Ballet nach London. Dort konnte er kleine Solopartien in „Schwanensee“ (D. Deane), „Manon“ (McMillan) und „Nussknacker“ übernehmen und war brillanter Finalist im "Emerging Dancer" Wettbewerb des English National Ballet. Außerdem war er dort kürzlich in Wheeldon's „Cinderella“ als Lead Autumn bzw. Summer zu sehen.



Bereits im April dieses Jahres war Wagman erstmals einer Einladung nach St. Petersburg gefolgt – damals zur Teilnahme am „Dance Open“ Festival. Mit Jun Masuda tanzte er in Marco Goeckes „Hungarian Dances“. Der Kontakt nach St. Petersburg, der während des Prix de Lausanne entstanden war, blieb intensiv. Außergewöhnlichen Talenten frühzeitig wichtige Rollen anzuvertrauen, ist eines der Prinzipien von Yuri Fateev, dem künstlerischen Leiter des Mariinsky Balletts, und so kam es zu der mutigen Entscheidung, diesem so jungen, hochbegabten und vielseitigen Tänzer die Rolle des James anzuvertrauen. Die damit verbundenen Hoffnungen hat er mit seinem Auftritt noch weit übertroffen.


Mit großer Verve und Bühnenpräsenz meisterte Wagman den trickreichen Bournonville-Stil mühelos. Die Leichtigkeit, mit der er hohe Sprünge, elegante Arabesquen, perfekt kontrollierte Pirouetten sowie präzise und schnelle Entrechats ausführte, begeisterten das Publikum vom ersten Solo an. Auch die für dieses Ballett so wichtige Mimik und Gestik im Zusammenspiel mit der Sylphide, Effie und Madge wirkten überzeugend, aber nie überzogen. Hilfreich dabei war sicher seine natürliche Anmut und sichtbare Leidenschaft für den Tanz.

Mehrfacher Zwischenapplaus und sieben Vorhänge, gefordert vom überraschten Petersburger Publikum, waren der Lohn. Dieser spektakuläre Auftritt war umso bemerkenswerter, als Wagman den Part in London alleine einstudiert hatte und erst wenige Tage vor der Vorstellung für die Proben mit Novikova und dem Ensemble nach Petersburg gereist war.

Veröffentlicht am 26.07.2019, von Gastbeitrag in Kritiken 2018/2019

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