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München

DER TANZPREISTRÄGER

tanznetz.de feiert Gert Weigelt



Horst Koegler, über den der Kontakt zu tanznetz.de entstand, bezeichnete Weigelt unbestritten als die Nummer eins unter den deutschen Tanzfotografen. Jetzt gehört er zum auserlesenen Kreis der deutschen Tanzpreisträger.


  • Gert Weigelt in seier Ausstellung „GERT WEIGELT. AUTOPSIE IN SCHWARZ/WEISS“ im Tanzarchiv Köln Foto © Janet Sinica
  • "Ypsilon kopfüber", 1995 Foto © Gert Weigelt
  • "It takes two to tango", 1986 Foto © Gert Weigelt
  • "A circle, a line", 2000 Foto © Gert Weigelt
  • Gert Weigelts Fotokunst im Museum des Deutschen Tanzarchivs Köln Foto © Janet Sinica
  • Gert Weigelts Fotokunst im Museum des Deutschen Tanzarchivs Köln Foto © Janet Sinica
  • Gert Weigelts Fotokunst im Museum des Deutschen Tanzarchivs Köln Foto © Janet Sinica

2002 hatte ich mein erstes Telefonat mit Gert Weigelt, in dem er mir sagte, dass er langsam beginne auf seinen reichhaltigen Fotoschatz und damit Lebenswerk zurückzublicken. Daher wünsche er sich eine Kolumne, ein Journal, ähnlich wie Horst Koegler es damals mit seinem koeglerjournal bei uns etabliert hatte. Dunkel schwante mir, was auf uns zukommen würde: Viele gemeinsame aufregende, lehrreiche und beglückende Projekte. Es war ein mutiger Schritt sich bereits damals diesem unsicheren und hybriden Medium und seinem neuen Publikum zu stellen. Denn hier wurde geteilt statt gezahlt, diskutiert statt nur ehrfürchtig betrachtet und zugleich ein bleibendes Archiv angelegt. Mit seiner Sorgfalt, seiner Liebe zur Fotografie und seinen präzisen Vorstellungen trieb Gert Weigelt uns manchmal an die Grenze unserer zeitlichen, technischen und finanziellen Möglichkeiten. Doch seine gnadenlose Anforderung an Qualität und seine in jeder Hinsicht große Wirkung und Reichweite wird nun von höchster Stelle mit dem deutschen Tanzpreis geehrt. Damit steht Weigelt in einer Reihe mit anderen Größen des Tanzes in Deutschland - wie Gret Palucca, Tatjana Gsovsky, John Neumeier, Márcia Haydée, Hans van Manen, Maurice Béjart, Pina Bausch, Gregor Seyffert, William Forsythe, Susanne Linke, Heinz Spoerli, Bertram Müller, Martin Puttke und Nele Hertling.

Darauf sind wir stolz, denn seit 2003 ist Gert Weigelt fester Bestandteil von tanznetz.de: als Bühnenfotograf zahlreicher Kompanien, darunter in den letzten Jahren vor allem dem Ballett am Rhein, der herausragenden Kompanie von Martin Schläpfer in Düsseldorf Duisburg, dokumentiert und gestaltet er die deutsche Tanzlandschaft mit seinen Bildern. Er prägte und prägt dieses Tanzportal aber auch als Kolumnist der Rubriken "Meine" Choreografen, einer wöchentlichen Kolumne, in der Gert Weigelt 75 von ihm porträtierte Choreografen in Bild und Text vorstellt. Er gestaltete außerdem sein über Jahre entstandenes weigelt weekly, seine Reisesplitter, die Pina Bausch Galerie, in der er die weltberühmte Choreografin mit Fotos aus drei Jahrzehnten ehrt sowie seine ABSOLUT PINA - Fotoausstellung, Tänzerporträts und Impressionen zum Kontakthof mit Teenagern.

Horst Koegler, über den der Kontakt damals entstand, bezeichnete Weigelt unbestritten als die Nummer eins unter den deutschen Tanzfotografen. Das wird nun von höchster Stelle bestätigt, wenn der Deutsche Tanzpreis erstmals an einen Fotografen vergeben wird. Seit fast 40 Jahren „in Köln ansässig, ist er der letzte Überlebende aus der Zeit, da Köln mit der Sommerakademie, dem Choreografischen Wettbewerb und der Fülle von international prominenten Choreografen, die hier arbeiteten, von Balanchine, Massine und Milloss via Lander, Cullberg, Béjart, van Manen, Flindt und Wright bis zu den Gründermitgliedern des Tanz-Forums noch zu den vitalsten deutschen Tanzstädten zählte. Und dazu eben der Newcomer Gert Weigelt, der Tänzer beim Königlich Schwedischen Ballett, beim Nederlands Dans Theater und beim Cullberg Ballett gewesen war, und der in Köln zum Fotografen wurde.“

Heute ist Weigelt ein Fotograf, der auf ein reichhaltiges Werk zurückblickt. Denn als Chronist verfolgte er seit Mitte der 1970er Jahre ChoreografInnen wie Pina Bausch, Hans van Manen, Maurice Béjart, Susanne Linke, William Forsythe, Gerhard Bohner oder Martin Schläpfer. Seine Bilder trugen in den 1970er und 1980er Jahren zum publizistischen Durchbruch des deutschen Tanztheaters bei, sie erschienen u.a. in den Tanzzeitschriften Das Tanzarchiv, Ballett International/tanz, Dance Magazine, in den Ballettjahrbüchern des Friedrich Verlags und in zahlreichen Tageszeitungen. Und später, als der Tanzjournalismus in den Tageszeitungen zurückging, engagierte sich Weigelt wie alle anderen Fotografen und Journlisten ohne jegliche finanzielle Honorierung bei tanznetz.de. Denn wie allen tanznetzlerInnen geht es Weigelt stets um die Sache. Für die springt er in die Bresche, egal wie unbequem das auch sein mag. Ein ausführliches Porträt über Weigelt widmete Marieluise Jeitschko anlässlich Weigelts 75. Geburtstag der "Schönheit menschlicher Körper".

Tanzvideos, Plakatserien, Kalender und Ausstellungen seiner Porträt- und der inszenierten Körperfotografie (kürzlich „Gert Weigelt. Autopsie in Schwarz/Weiß“ - Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln ) komplettieren das umfangreiche Werk Weigelts.

Dass dieses Werk nun auch öffentliche Anerkennung erhält, deutete sich Anfang diesen Jahres im kleineren „Stiftungspreis für Photographie im Andenken an Walter Boje“ an und findet nun im Oktober 2019 seinen Höhepunkt im Deutschen Tanzpreis. Dazu gratulieren wir! Viel Spaß beim Surfen durch das weigelt web!

Nina Hümpel

Veröffentlicht am 05.04.2019, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, Leute

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