Ein neues Zuhause für Pina
New Yorker Architekturbüro Diller Scofido + Renfro erhält Zuschlag für Pina Bausch Zentrum
Von Aline Braun
Das gesamte Theater erhebt sich, Standing Ovations und zahlreiche Vorhänge. Ein hochverdienter Erfolg für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch bei der Premiere der Neueinstudierung von „Masurca Fogo“. Ein leichtes und humorvolles, zugleich aber anspruchsvolles Stück.
Im April 1998 entdeckt die Welt „Masurca Fogo“ von Pina Bausch nach einer Recherchephase in Lissabon, die das Werk maßgeblich geprägt hat. 2026 nimmt eine neue Besetzung diese Neueinstudierung auf. Dabei wird deutlich, welch große Bedeutung der Arbeit der Probenleiter*innen Rainer Behr, Azusa Seyama-Prioville und Robert Sturm bei der Rekonstruktion dieses bis ins kleinste Detail durchkomponierten Stückes zukommt. Genauso schön ist es, den Humor von Daphnis Kokkinos und die Poesie von Aida Vainieri wiederzuerkennen, die bereits bei der Uraufführung dabei waren.
„Masurca Fogo“ entwickelt ein atemberaubendes Tempo. Schon mit dem Auftritt von Dean Biosca ist der Ton gesetzt. Atemlose Läufe, fulminante Soli, die einander jagen, mitreißende Musik. Die Virtuosität der Körper der Tänzer*innen macht diese Euphorie überhaupt erst möglich. Jedes Solo eröffnet ein eigenes Universum. Die Körper pendeln zwischen großen Raumdurchquerungen und fein ziselierten Bewegungen, die niemals zum Stillstand kommen. Eine wunderbare Gelegenheit, die Mitglieder des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch einzeln (neu) zu entdecken.
Aufmerksamkeit für die kleinen Details
Auf der weißen und tiefen Bühne, die von fast schwarzer Lava erfüllt ist, ziehen die Bilder vorüber und bleiben doch lange nach der Vorstellung im Gedächtnis. Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch spart nicht mit Effekten: monumentales Bühnenbild, ein Haus, das sich vor unseren Augen auf- und wieder abbaut, ein Walross, das die Bühne durchquert oder gigantische Videoprojektionen – alles ist von überwältigender Größe. Und doch ist es die Aufmerksamkeit für das kleinste Detail, die „Masurca Fogo“ zu einem Meisterwerk macht.
Die Objekte erscheinen und verschwinden mit erstaunlicher Fluidität auf der Bühne und schaffen eine Vielzahl von Lebensszenen: ein Familienessen, Frauen am Strand, Geschirrspülen in der Badewanne, ein Kleid aus Luftballons ... Das Publikum wird bestens unterhalten, und dennoch lässt sich „Masurca Fogo“ bei Weitem nicht darauf reduzieren, einfach nur eine gute Zeit zu haben. Der Alltag wird verschoben, verfremdet. Berührend oder komisch, poetisch oder gewalttätig, die Absurdität dieser Szenen spiegelt die Absurdität der Realität wider. Die Zuschauer*innen lachen aus vollem Hals, frösteln oder bleiben sprachlos. Darin liegt die ganze Feinheit der Arbeit von Pina Bausch und ihren Interpret*innen.
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