Dreier-Spitze für Ballett Dortmund
Jaš Otrin, Annabelle Lopez Ochoa und Edward Clug wollen junge Talente in Kompetenz-Zentren fördern
Von Aline Braun
„Mir ist wichtig, dass wir Geschichten erzählen, die berühren, herausfordern und zum Nachdenken anregen“, so Jaš Otrin, Intendant des Ballett Dortmund und des NRW Juniorballett, über die deutsche Erstaufführung von „Frida“. Es ist ein gelungenes Wagnis, ein abendfüllendes Ballett in zwei Akten rund um Frida Kahlo zu präsentieren. Die Choreografin Annabelle Lopez Ochoa hat diese Herausforderung angenommen und bringt die atemberaubende, von Resilienz geprägte Lebensgeschichte der schöpferischen Ikone und Inspirationsfigur auf die Bühne.
„Frida malte nicht ihre Träume, sondern ihre Realität.“
Im Zentrum der Bühne steht ein imposanter schwarzer Würfel. Dieses wandelbare Bühnenbild mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten öffnet sich und gibt verschiedene Lebenswelten Kahlos frei. In zwei Akten, die dem Leben Kahlos chronologisch folgen, wechselt „Frida“ zwischen Symbolismus und Abstraktion. Mal Bett, mal Bildfläche mit Briefzitaten, mal riesiger Schmetterling: Der Würfel erlaubt es den Tänzer*innen, zwischen zwei- und dreidimensionaler Darstellung zu wechseln, zwischen lebendigem Körper und gemaltem.
Im Hintergrund scheinen Kahlos Gemälde Annabelle Lopez Ochoa stark inspiriert zu haben. Im Lauf des Abends entstehen zahlreiche Bilder, die auf gemalten Referenzen basieren. Ein Hirsch als mystisches Alter Ego, farbenprächtige männliche Verkörperungen von Kahlos Selbstporträts, schelmische und zugleich geheimnisvolle Skelette, die an den Día de los Muertos erinnern, den Tag der Toten in Mexiko, , oder ein allegorischer Vogel ... Figuren tauchen immer wieder auf, wie aus einem Traum entsprungen, bis deutlich wird, dass sie alle Facetten Kahlos selbst sind.
Keine Utopie
Die Choreografin zeichnet jedoch kein reines Traumgebilde und erschafft keine Utopie. Frida Kahlos Leben war von zahlreichen Herausforderungen geprägt, die auch im Ballett sichtbar werden. Eine gewaltige Wirbelsäule, die vom Himmel herabgleitet, veranschaulicht eindrücklich den Bezug zu ihrem verletzten Körper, während ihre Fehlgeburten durch den Körper der Tänzerin und lange rote Seile angedeutet werden, die vom Himmel fallen. Trotz aller poetischen Bildsprache verbindet Annabelle Lopez Ochoas Ballett biografische Bezüge mit künstlerischer Offenheit und lässt dem Publikum Raum für eigene Interpretationen auf dieser Reise durch ihr Universum.
Leuchtende Farben auf der Bühne und in den Tehuana-Kleidern, Symbole kulturellen Stolzes und feministischer Identität, schaffen eine durchdachte Ästhetik, die den perfekten Rahmen für Annabelle Lopez Ochoas präzise Choreografie bildet. In enger Verbindung mit der Musik von Peter Salem und Chavela Vargas verleiht ihr teils verfremdetes klassisches Bewegungsvokabular den Figuren einen einzigartigen Charakter: In der subtilen Interpretation von Sae Tamura erscheint Frida mal verspielt und lebhaft, mal von inneren Qualen gezeichnet. In den Pas de deux werden die stürmischen Beziehungen zwischen Frida Kahlo und Diego Rivera und ihre jeweiligen Affären dargestellt. Symmetrische Formationen und zahlreiche Hebefiguren verleihen den Momenten der Freude, von denen es trotz des tragischen Schicksals der Ikone viele gibt, immer wieder Auftrieb. „Frida“ stellt Virtuosität in den Dienst der Erzählung.
Als Frida am Ende stirbt, erhebt sich ein leuchtender Vogel, Symbol ihrer unerschöpflichen kreativen Energie. Vielleicht eine Botschaft: Die Kunst wird immer ein Ausweg sein.
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