Gar nicht einfach, der französische Chic

Französischer Revue-Chic mit großer Verspätung an der Staatsoper: "Die Fledermaus" als Ballett von Roland Petit

Wien, 29/01/2009

Am eindrucksvollsten: Wenn Roland Petit (85) zum Applaus in der Staatsoper am Ende seiner „Fledermaus“-Premiere auf die Bühne kommt. Der Grandseigneur des französischen Revue-Balletts schreitet von ganz hinten durch die Mitte über die Show-Stufen herab und nimmt stolz Reaktionen entgegen. Die Inszenierung der Auftritte gehört zum Raffinement des Choreografen, der seine Werke stets großen Persönlichkeiten buchstäblich in den Körper eingeschrieben hat. So auch seine freie Interpretation der „Fledermaus“ mit einem musikalisch kitschigen Best-of-Arrangement der Strauß‛schen Melodien von Douglas Gamley. Rund um die damals bereits 55-jährige Tänzerin und Music-Hall-Künstlerin Zizi Jeanmaire arrangierte Petit 1979 seine auf Humor, Satire und Frivolität abzielende Fledermaus-Show. Bella, gutbürgerliche Ehefrau, sucht mithilfe des Schabernack-Freundes Ulrich ihren des Nachts als Fledermaus davonfliegenden Gatten Johann im Kostüm einer Kokotte zu betören. Der großen Zizi, die auch im Casino de Paris triumphierte, gab die Bella eine weitere Gelegenheit, in knapper Korsage ihre Beine bis zu den Hüften mit kokettem Dreh zu exponieren. Voilá, da sprühten die Funken, wenn die Kurzhaarige mit vielversprechendem Blick die Beine auf Spitze breit stellte und auch noch in die Knie ging. Da brauchte es ansonsten nicht all zu viel tiefsinnige Schritte.

Wien traut sich nun über Jeanmaire-Material und hat seine liebe Not damit. Olga Esina versucht als Bella die ihr möglichen Register zu ziehen, allerdings bleibt sie die Doppelbödigkeit, die den Hauptrollen unterlegt ist, schuldig. Das „ausg’schamte Luder“ glaubt man der jungen guten Tänzerin nicht. Offenbar wird dafür aber die Leere der Choreografie, die ohne Fleisch nicht funktioniert. Nicht einfach hat es auch Kirill Kourlaev, der als Johann flinke Vorzeige-Bravour zu absolvieren hat. Typische wendige, effektvolle Petit-Tricks, die aufgeladen werden wollen mit Spiellust und Akkuratesse. Eine solche gelingt am ehesten Eno Peci, der mit dem Charlie Chaplin ähnlichen Ulrich eine klare Vorgabe hat. Das Ensemble soll vor allem im zweiten, langatmigen Teil für Stimmung sorgen, und hat sich mit Ausnahme des Csárdás-Solisten Denys Cherevychko oft mit lapidarem Winkewinke abzufinden. Glamouröses Show-Biz, das eigentlich nicht Aufgabe des Staatsopernballetts ist, wäre da gefragt. Eine Wohltat ist die Ausstattung (Jean-Michel Willmotte), die nach all den angeräumten Sets der letzten Ballett-Produktionen auf scheinbare Einfachheit setzt. Auch den feinen Kostümen von Luise Spinatelli mag man einiges abgewinnen. Letzten Herbst „Mayerling“, jetzt „Fledermaus“: Bleibt die Frage, ob große Titel allein auch großes Programm machen.

Zur Inszenierung: Roland Petit setzte vor dreißig Jahren einmal mehr auf seinen showhaften Stil, der nur mit eingefleischten Darstellern funktioniert. Die Fledermaus als satirisches Verwirrspiel ist vor allem auf die Rolle der listigen Bella konzentriert.

Zum Ensemble: In Wien bemühen sich Olga Esina, Kirill Kourlaev und vor allem Eno Peci, den Anforderungen des Entertainment-Choreografen gerecht zu werden. Oft aber wirkt die Choreografie fleischlos. Das Ensemble ist als kokette Staffage gedacht, langatmig wirkt der zweite Teil.

Mit freundlicher Genehmigung des Kurier

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