HOMEPAGE



Oldenburg

FARBENFROH, WITZIG, TEMPOREICH

Eine überaus unterhaltsame „Alice im Wunderland“ am Oldenburger Staatstheater



Eine fantasievolle, ideenreiche, witzige Szenenfolge von Antoine Jully, die 75 Minuten lang am Auge des Publikums vorbeifliegt und mit unzähligen Ideen und einer Lust am Skurrilen und am Nonsense das Märchen von Alice mit den Mitteln des Balletts nacherzählt.


  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl
  • „Alice im Wunderland“ von Antoine Jully Foto © Stephan Walzl

Eine gefühlte Ewigkeit haben Antoine Jully und seine BallettCompagnie Oldenburg darauf warten müssen, ihre neue Ballettpremiere „Alice im Wunderland“ aufzuführen. Immer wieder wurde die Premiere verschoben, auf einen Tag X, irgendwann in der Zukunft. Streamen wollte Antoine Jully nicht. Als am Premierenabend der Intendant Christian Firmbach vor den Vorhang tritt und sagt: „Wie haben wir auf diesen Moment gewartet“ schlägt ihm spontan warmer Applaus entgegen! Wie sehr hatte wohl auch das Publikum darauf gewartet, wieder ins Theater zu gehen - ein festlicher Moment…

Was dann folgt, ist eine tänzerische Explosion: eine fantasievolle, ideenreiche, witzige Szenenfolge, die 75 Minuten lang am Auge des Publikums vorbeifliegt und mit unzähligen Ideen und einer Lust am Skurrilen und am Nonsense das Märchen von Alice mit den Mitteln des Balletts nacherzählt. Fantasievolle Kostüme von fast comicartigem Charakter, eine Bühne, die das Wunderland mit seinen unheimlichen oder auch skurrilen Seiten farbenfroh bebildert (Bühne und Kostüme: Karin Van Hercke) und mit Videoanimationen - von Antoine Jully selbst entworfen - Suggestivwirkung entfaltet. Vom Einsatz der Bühnentechnik für Flug- oder Klettermomente der Tänzer*innen bis hin zur temporeichen Choreografie - es ist ein überaus unterhaltsamer Abend, den Antoine Jully mit seinem Team präsentiert.

Teele Ude beeindruckt als Alice mit ihrer Tanztechnik, ihrer Komik und tänzerischen Geschmeidigkeit, ebenso Seu Kim als virtuoses Kaninchen, das immer der Zeit hinterherrennt. Das Ensemble tanzt wie immer technisch versiert und elegant und wenn z.B. bei den Waldblumen und Pilzen auch mal ein Tänzer als Blume im Tutu über die Bühne fegt - ist das alles so humorvoll und variantenreich choreografiert, dass es eine Freude ist, zuzuschauen. Bewegungsreichtum in den verrückten Szenen, eher traditionelles Partnering bei den Duetten und wunderschöne, fantasievolle Effekte, wenn die Augen und der Mund der Grinsekatze oder die Füße und Schnäbel der Flamingos im Neonlicht tanzen. Am Ende werden die Bilder dann doch etwas zu drastisch, etwa wenn die Herzkönigin, getanzt von Oliver Jones, gleich selber zum Schwert greift, da gleitet das Spiel zu sehr in eine Ballett-Pantomime ab.

Musikalisch sehr anspruchsvoll, choreografiert Antoine Jully zu einer eigenen Musikauswahl von Alfred Schnittke („Skizzen“, Choreografische Fantasie in einem Akt) und Philip Glass, dessen Musik „In the Upper Room“ ihn zu einem beeindruckenden tänzerischen Finale im 1.Teil inspiriert.

Insgesamt hätte man sich ein wenig mehr Raum für Poesie gewünscht, wie z.B. am Schluss, wenn Alices Schwester - wunderschön getanzt von Keiko Oishi - sich auch in ein Wunderland hinwegträumt oder wenn die verwandelte Raupe im letzten Moment als großer Schmetterling in die Welt davonfliegt. Denn in dem Märchen steckt auch viel Lebensweisheit: „Jeder Tag ist ein Geschenk“, wie Alice sagt „jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde“. Und das ist auch jede Theateraufführung, die wir wieder besuchen dürfen!

Ein nicht enden wollender Applaus belohnt die Tänzer*innen und den Choreografen für ihr Durchhalten während des Lockdowns und für einen eindrucksvollen Abend.

Veröffentlicht am 14.06.2021, von Renate Killmann in Homepage, Gallery, Kritiken 2020/2021

Dieser Artikel wurde 761 mal angesehen.



Kommentare zu "Farbenfroh, witzig, temporeich "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    VOM DUNKEL INS LICHT

    „Les Boréades“ von Jean-Philippe Rameau in der Inszenierung von Christoph von Bernuth und der Choreografie von Antoine Jully.

    In guter Barockmanier und in Anknüpfung an die Tradition der „Tragédie lyrique“, einer im Barock vielfach praktizierten Verbindung von Oper und Ballett, ist die BallettCompagnie Oldenburg tragender Teil dieser deutschen Erstinszenierung.

    Veröffentlicht am 04.10.2021, von Renate Killmann


    NEUE WÜRDIGUNG

    BallettCompagnie Oldenburg verleiht erstmalig Förderpreis

    Verleihung im Anschluss an die Vorstellung von ,Alice im Wunderland‘ am 02. Juli 2021

    Veröffentlicht am 30.06.2021, von Pressetext


    TRÄUMEN MUSS MAN LIVE

    Renate Killmann im Gespräch mit Antoine Jully

    Ein bisschen Farbe, ein bisschen Fantasie möchte der Oldenburger Ballettdirektor in Corona-Zeiten in die Welt bringen. Dabei setzt er auf den Live-Auftritt – und gibt die Hoffnung nicht auf.

    Veröffentlicht am 12.03.2021, von Renate Killmann


    EIN FEUERWERK DES TANZES

    Der Ballettabend „1,5 m“ am Staatstheater Oldenburg

    Nach fast sieben langen Monaten darf die Kompanie von Antoine Jully auf die Bühne des Großen Hauses zurückkehren. Der neue Abend spiegelt schlaglichtartig die Entwicklung des klassischen Balletts über einen Zeitraum von 200 Jahren.

    Veröffentlicht am 06.10.2020, von Renate Killmann


    MEMENTO MORI

    "Vanitas" von Antoine Jully am Oldenburgischen Staatstheater

    Eine großartige tänzerische Leistung des Ensembles, das sich mit vitaler Energie durch den gesamten Abend bewegt. Doch hätte man dem Choreografen Mut gewünscht, den stillen Momenten der Musik mehr Raum zu geben.

    Veröffentlicht am 28.01.2020, von Renate Killmann


    QUANTUM LEAP (UA)/ PIERROT LUNAIRE (UA)/ AN DEN UFERN DES SEES (UA)

    Choreografien von Lester René, Hae-Kyung Lee, Antoine Jully

    Die drei Stücke feiern am 12. Oktober im Großen Haus des Oldenburger Staatstheaters Premiere.

    Veröffentlicht am 11.10.2019, von Pressetext


    QUICKLEBENDIG

    "Die Kunst der Fuge" von Antoine Jully in Oldenburg

    Der französische Choreograf und Ballettdirektor lässt an seinem Haus ein Stück über die letzten musikalischen Werke von Komponisten tanzen.

    Veröffentlicht am 19.06.2019, von Gastbeitrag


    FLUSS UND RHYTHMUS DES LEBENS

    Uraufführung im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters

    Mit den Luca Veggettis „Am Ende unser Schatten“ und Antoine Jullys Interpretation von „Le Sacre du Printemps“ gibt es in Oldenburg erneut einen lohnenswerten Tanztheaterabend, dessen Stücke in ihrer Unterschiedlichkeit gut harmonieren.

    Veröffentlicht am 16.04.2019, von Martina Burandt


    SEHR FRANZÖSISCHES MINGLE-MANGLE

    „Le Paladins“, Comédie-ballet von Jean Philippe Rameau im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters

    Die selten gespielte Comédie-ballet verbindet auf vielschichtige Weise Oper und Tanz und zeigt sich als große Herausforderung für das Oldenburgische Staatstheater.

    Veröffentlicht am 20.02.2019, von Martina Burandt


     

    LEUTE AKTUELL


    "EIN BALLETT PER SKYPE EINZUSTUDIEREN IST UNMÖGLICH"

    Ein Gespräch mit Pierre Lacotte über sein neues Ballett "Rot und Schwarz" nach dem Roman von Stendhal
    Veröffentlicht am 15.10.2021, von Julia Bührle


    IMMER AUF DER SUCHE NACH VERÄNDERUNG

    Ein persönlicher Nachruf auf Aat Hougée
    Veröffentlicht am 08.10.2021, von Ursula Kaufmann


    DIE WEIßEN MIT UNSEREN GEFÜHLEN KONFRONTIEREN

    Ein Gespräch vor der Berliner Premiere von „Ubiquitous Assimilation“ der Grupo Oito
    Veröffentlicht am 24.08.2021, von Volkmar Draeger



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    „DER STURM“

    Ballett von Roberto Scafati nach William Shakespeare am Theater Trier

    Roberto Scafati inszeniert das Ballett in Zusammenarbeit mit demselben Team, das schon durch „Winterreise“ bekannt ist, sowie dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier unter der musikalischen Leitung von Wouter Padberg.

    Veröffentlicht am 06.10.2021, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    ZUSAMMENARBEIT

    Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin und Staatsballett Berlin schließen Kooperationsvertrag
    Veröffentlicht am 10.07.2021, von Pressetext


    EIN SCHWERER VERLUST

    Ismael Ivo ist gestorben
    Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    KINDERBRILLE AUFSETZEN!

    Tanzplan veröffentlicht "Tanzkind" von Andrea Simon und Achim Reissner

    Veröffentlicht am 17.08.2021, von Sabine Kippenberg


    GIPFELTREFFEN

    Livestream des Triple Bills „Tänze Bilder Sinfonien“ beim Wiener Staatsballett

    Veröffentlicht am 25.09.2021, von Anna Beke


    AUSZEICHNUNGEN FÜR IVAN LIŠKA UND JIŘI KYLIÁN

    Die Republik Tschechien ehrt verdiente Choreografen.

    Veröffentlicht am 18.09.2021, von Pressetext


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    PRODUKTION, STUDIES UND TANZ FÜR JUGENDLICHE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP