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München

GRUPPENDYNAMIK MIT SONNENBRILLE

„Schön Anders“ von Ceren Oran macht Spaß auch für erwachsenes Publikum



Choreograf*innen jonglieren gern mit Formaten. Da ist die Istanbulerin Ceran Oran keine Ausnahme. Seit Juni 2014 lebt sie in München. Neben Uraufführungen in der freien Szene hat sie sich seitdem mit Tanztheater für Kinder einen Namen gemacht.


  • SCHÖN ANDERS von Ceren Oran Foto © Pavlo Kochan
  • SCHÖN ANDERS von Ceren Oran Foto © Tania Bloch

Ceran Oran choreografiert für Kinder ab sechs Jahren. Ihr 40-Minüter „Schön Anders“ hatte am 6.2.2020 im Münchner Theater HochX Premiere. Spaß dran haben auch ausgewachsene Zuschauer. Absolut bezaubernd gelungen waren schon in den letzten Jahren – nicht nur für alle ganz Kleinen: „Sag mal…“ und „Elefant aus dem Ei“.

Zum Jahresausklang erprobte sie sich inmitten von Dritt- und Viertklässlern mit einem mobilen Klassenzimmerstück. Nun will Oran die Kids ab sechs in die magische Welt eines Theaters mit Sound und Licht einladen. Ihre Beobachtungs- und Assoziationsgabe durch rein zeitgenössisches Bewegungsvokabular anregen. Sensibilisieren – ausdrucksstark und technisch auf Eins-A-Niveau – das kann sie gut.

Es lässt einen kindsköpfig staunen, wie die 35-Jährige – oft Tänzerin, Choreografin und Soundpainterin in Personalunion – liebevoll an ihren Arbeiten feilt und dabei stets zu inhaltlicher Konzentration auf einen bestimmten Fokus findet. Oder konsequent das Spiel mit einem Requisit auf die Spitze möglicher Einsatzvarianten treibt. In einer Art und Weise, die sich selten allzu weit vom Tanz als Medium und vermittelndem Element der Kommunikation zwischen Performern und Zuschauern entfernt.

So entspinnt sich in „Schön Anders“ eine charmant-amüsante motorische Abhandlung über Verhalten in der Gruppe und Anderssein, über Identitätsfindung und Zusammengehörigkeit. Humorvoll-abstrakt und tänzerisch eindrücklich aufbereitet mithilfe von Sigrid Wurzingers bloß farblich uniformen Kostümen und Komponist Benny Omerzell live am Key- und klopftönigen Soundbord.

Leitmotivisch werden erst Sonnenbrillen, später ein grell oranger Stuhl eingesetzt. Egal welches Alter ihre Zielgruppe gerade hat, immer begegnen Oran und ihre Protagonist*innen dem Publikum auf Augenhöhe und mit starker, ganzkörperlicher Präsenz. Neben Oran selbst, die die eigene Haarpracht als individuellen Kontrapunkt entdeckt, lösen sich ihr aus Israel stammender Projektpartner Roni Sagi sowie Maria Casares González, Jin Lee und Jovana Zelenović immer wieder schön anders aus dem kollektiven Verbund. Drei Tänzerinnen, die es wie Choreografin Ceren Oran ausgezeichnet verstehen, sich non-verbal mittels Gesichtsmimik, unterschiedlicher Schritt- und Gestenmuster auszudrücken. Das provoziert bisweilen große Heiterkeit und kommt im Saal definitiv gut an.

Veröffentlicht am 10.02.2020, von Vesna Mlakar in Gallery, Kritiken 2019/2020

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