HOMEPAGE



Stuttgart

„THINK PINK“ IM ROSAROTEN ZAUBERWALD

„Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance wird bei der Premiere im Stuttgarter Theaterhaus gefeiert



Es war ein Wagnis. Aber wie wäre es ohne Neugier, ohne Mut zum Risiko um die Kunst bestellt. Daran mangelt es natürlich Eric Gauthier ganz und gar nicht und den wunderbaren Tänzerinnen und Tänzern seiner Kompanie auch nicht.


  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Ensemble Foto © Regina Brocke
  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Ensemble Foto © Regina Brocke
  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Rodriguez, Lefebvre, Guerra Foto © Regina Brocke
  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Ensemble Foto © Regina Brocke
  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Ensemble Foto © Regina Brocke
  • „Bullshit“ von Nadav Zelner für Gauthier Dance. Tanz: Anneleen Dedroog und Ensemble Foto © Regina Brocke

Es war ein Wagnis. Aber wie wäre es um die Kunst bestellt ohne Neugier, ohne Mut zum Risiko. Daran mangelt es natürlich Eric Gauthier ganz und gar nicht und den wunderbaren Tänzerinnen und Tänzern seiner Kompanie auch nicht. So kam es, dass Nadav Zelner, Tänzer und Choreograf aus Israel, eingeladen wurde, für Gauthier Dance erstmals ein größeres Stück zu kreieren, nachdem er bislang hier mit zwei so kurzen wie umwerfenden Stücken, die man einfach nicht mehr aus dem Gedächtnis bekommt, wenn man sie gesehen hat, bekannt war. Herausgekommen ist „Bullshit“. Aber von wegen: Blödsinn, Quatsch oder gar Schwachsinn ist das ganz und gar nicht, was da jetzt in Stuttgart über die Bühne des Theaterhauses geht. Da geht die Post ab.

Nadav Zelner gelingt es nämlich gemeinsam mit der Bühnendesignerin Netta Dror, dem Lichtdesigner Avi Yona Bueno und dem Kostümdesigner Maor Zabar für eine Stunde den ganzen „Bullshit“ unserer täglichen Erfahrungen und Zwänge verpasster Lebenschancen vergessen zu machen. Ja, am Abend im Theater, da ist es erlaubt, die berühmte rosarote Brille aufzusetzen und sich in der schönsten Freiheit bewegter und bewegender Fantasien genau solchen Visionen hinzugeben, die uns schon wieder am nächsten Morgen der anbrechende Tagesstress verbieten wird. Aber wenn auch nur ein Schimmer dieser rosaroten Stunde immer wieder durch das Grau des Alltags scheint, dann ist der ganze „Bullshit“ nicht verschwunden, aber seine Macht hat erste Risse bekommen.

Dazu bedarf es des Rituals. Und so führt uns Nadav Zelners Tanz vor allem kraft der Musik, und hier sind es in erster Linie die hochemotionalen Traditionals, gesungen vom Soweto Gospel Choir, nach Afrika. Es ist natürlich ein Afrika der Fantasie im rosaroten Zauberwald, wo die 16 Tänzerinnen und Tänzer sich spielerisch zueinander fügen, sich finden, sich verlassen und schon wieder in neuer Konstellation der Gruppe präsent sind. Natürlich mag man es als visionäres Spiel der Vorstellung ansehen, wenn alle Frauen und Männer gleich gekleidet sind, was sich schon auf den zweiten Blick als Täuschung herausstellt, denn auch im Einheitsrosa lassen sich leicht unterschiedliche, den Persönlichkeiten geschuldete Varianten entdecken. Nur an einer Stelle, da sind dann wirklich alle gleich, da wo im Schritt biologische Merkmale der Geschlechter sind, da tragen alle einen Schutzhügel aus Plaste, in Rosa, versteht sich. „#me Too“ lässt grüßen.

Aber tänzerisch, vor allem immer wieder in den solistischen Passagen, mitunter sehr versonnen, auch ohne akustische Begleitung, da haben die Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer weiten Raum. Und wenn es typisch wird, für Nadav Zelner, in Duos, mit ganz flinken, synchron geführten Armen, mit einem lustigen Knick in der Hüfte, dann kommt Humor ins Spiel und immer wieder getanzte Varianten verschiedener Visionen von der Leichtigkeit des Seins.

Nicht immer fügen sich die Übergänge in die zu wünschende, noch stärkere Dynamik des Gesamtverlaufes dieser rosaroten Stunde, in der Nadav Zelner die Stuttgarter Gauthier Dance Company zum Stamm seiner sehr persönlichen Afrikafantasien mit Pop in Pink werden lässt und die dennoch wie im Flug vergeht.

Veröffentlicht am 21.02.2018, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/2018

Dieser Artikel wurde 1778 mal angesehen.



Kommentare zu " „Think pink“ im rosaroten Zauberwald"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    MARTIN SCHLÄPFER ERHÄLT BUNDESVERDIENSTKREUZ

    Neue Ehrung für den Chefchoreografen des Balletts am Rhein
    Veröffentlicht am 21.09.2018, von Pressetext


    ARTHUR MITCHELL GESTORBEN

    Gestern verstarb der Gründer des Dance Theatre of Harlem im Alter von 84 Jahren in New York
    Veröffentlicht am 20.09.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ALLES GUTE ULRICH ROEHM!

    tanznetz.de gratuliert zum 85. Geburtstag
    Veröffentlicht am 14.09.2018, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ BEWEGT KINDER

    TANZEN BEWEGEN RHYTHMISIEREN

    Berufsbegleitende Ausbildung zur musikpädagogischen Fachkraft in „Kindertanz“ an der Akademie für Musikpädagogische Ausbildung Baden-Württemberg.

    Veröffentlicht am 11.08.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    GOECKE GEHT NACH HANNOVER

    Der neue Ballettdirektor am STAATSTHEATER HANNOVER steht fest. Marco Goecke übernimmt zur Spielzeit 2019/20 die Leitung.
    Veröffentlicht am 21.02.2018, von Pressetext

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    TANZ 28: NEW WAVES

    «Tanz Luzerner Theater» eröffnet die Spielzeit 18/19 am Samstag 13. Oktober um 19.30 Uhr mit dem Triple-Bill-Abend «New Waves».

    Veröffentlicht am 28.08.2018, von Anzeige


    IST ÜBERALL

    Marco Goecke zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart

    Veröffentlicht am 03.09.2018, von Alexandra Karabelas


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ZUR TRENNUNG VON ADOLPHE BINDER

    Statement des Wuppertaler Stadtdirektors Dr. Johannes Slawig

    Veröffentlicht am 30.08.2018, von tanznetz.de Redaktion


    HURRA!

    "Unstern" von Moritz Ostruschnjak im Schwere Reiter München

    Veröffentlicht am 14.09.2018, von Natalie Broschat



    BEI UNS IM SHOP