HOMEPAGE



Dresden

STOP THINKING!

4. Biennale Tanzausbildung in Dresden



„Education – Profession_A Creative Process“: Deutsche Ausbildungsinstitutionen für Tanz treffen diese Woche erstmalig auf internationale Partner. An zwei Abenden stellten die Studenten in der Semperoper Arbeiten ihrer Schulen vor.


  • "Shine", Choreografie Heidi Vierthaler Foto © Ian Whalen
  • "The Hovering", Choreografie Ksenia Zvereva Foto © Ian Whalen
  • "Reflektion", Choreografie von Young Sun Hue Foto © Ian Whalen
  • " Le Corsaire", Choreografie von Marius Petipa Foto © Ian Whalen
  • " Excerpts", Choreografie von Demis Volpi Foto © Ian Whalen

Die Ausbildungskonferenz Tanz rief, und das Fachpublikum kam. Dass es sich am Montag und Dienstag aber vor allem um öffentliche Präsentationen für das allgemeine Publikum handelte, hatte sich in Dresden offenbar nicht weit herumgesprochen. Voll besetzt waren die Ränge der Semperoper keineswegs. Dabei zeigten beide Abende überaus Lohnenswertes.

Den Auftakt machte die Folkwang Universität (Essen) mit ihrem „Tannhäuser-Bacchanal“ in einer rekonstruierten Choreografie von Pina Bausch. Die Sinnlichkeit des Momentes ist hier in einer Sprache zum Ausdruck gebracht worden, die mancher an der Grenze zum Kunsthandwerk sieht. Altbacken ist aber rein gar nichts.
Dass in der Folge höchst unterschiedliche Arbeitsansätze zu sehen waren, liegt in der Natur der Sache. Interessant waren vor allem auch die Formen der Präsentation. Neben dem reinen Tanz wurden Improvisationstechniken erläutert und Videos gezeigt, die die einzelnen Entstehungsprozesse der jeweiligen Arbeiten dokumentieren. Dadurch wurden in einzelnen Fällen auch die individuellen Lernprozesse der Studenten deutlich.

Text spielte in mehreren der Arbeiten eine Rolle, sei es eher kryptisch, wie in Martin Hansens merkwürdigem Schwanen-Solo „Monumental“ (Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz, Berlin) oder pantomimische Elemente unterstützend, wie in Marina Macarells wunderbar intimem Duo „The Eye’s History“ (Codarts – Rotterdamse Dansacademie).

Umjubelt war besonders das Heimspiel der gastgebenden Palucca-Schule, die mit Ausschnitten ihrer neuesten Arbeit „Shine“ von Heidi Vierthaler absolut punkten konnte. Der erfrischende Ansatz der gemeinsam mit den Studenten erarbeiteten Choreografie bringt mit einer lässigen Handbewegung das Lebensgefühl einer jungen Generation auf den Punkt.

Überraschen konnten auch die Gäste aus Toronto (Canada’s National Ballet School), die zeigten, dass man zu Soul, Jazz und Swing einer Nina Simone neoklassisch inspiriert auf Spitze tanzen kann.
Petipas 2. Akt aus „Le Corsaire“ von der Staatlichen Ballettschule Berlin als die beiden Abende abschließende Arbeit zu präsentieren, führt zu einem verblüffenden Effekt. Die in ihrer traditionell-klassischen Bewegungssprache an Stummfilmästhetik und aus heutiger Sicht fast schon die Grenzen des Kitsches stoßende Ästhetik setzt einen starken Kontrast zu zeitgenössischen Ansätzen. Trotzdem wirkt die Choreografie kein bisschen angestaubt. Das ist nicht zuletzt auch der exzellenten Ausführung der Solisten zu verdanken.

Hier wurde zum Abschluss noch einmal mehr als deutlich, dass Tanz neben allem künstlerischen Anspruch vor allem eins ist: knochenhartes Handwerk. Da nimmt es nicht Wunder, wenn eine der Studentinnen in einer Erläuterung meinte, sie hätte erst lernen müssen, beim Tanzen das Gehirn außen vor zu lassen.

Veröffentlicht am 19.02.2014, von Rico Stehfest in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

Dieser Artikel wurde 2690 mal angesehen.



Kommentare zu "Stop thinking!"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    DIE MAGIE DER ERINNERUNG

    "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver für tanzmainz
    Veröffentlicht am 28.05.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VOLLER LEBENDIGKEIT

    Die Wiederaufnahme von „Raymonda“ an der Bayerischen Staatsoper
    Veröffentlicht am 25.05.2018, von Karl-Peter Fürst


    WARUM IN DIE FERNE SCHWEIFEN ...

    ... wo die Guten sind so nah: Gastauftritte von Bolschoi-Solisten und Rollendebuts bei der „Kameliendame“ in Hamburg
    Veröffentlicht am 24.05.2018, von Annette Bopp



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    DRESSING IN DISGUISE

    Die Tanzproduktion von Unita Gay Galiluyo und NETZWERK AKS feiert am 04.05.18 im ART SPACE stift millstatt Premiere.

    ‚dressing in disguise’ geht der Frage nach, wie viel Risiko und Provokation nötig ist, um die Fassade der Schutz bietenden Codes bröckeln zu lassen und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft auf zeitgemäße Füße zu stellen.

    Veröffentlicht am 02.05.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


    POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

    Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
    Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    SEHNSUCHTSVOLLER HERZSCHMERZ

    "True Romance" von Hans Henning Paar und Daniel Soulié am Theater Münster

    Veröffentlicht am 19.05.2018, von Marieluise Jeitschko


    GALA WIEDER EIN RAUSCHENDES TANZFEST

    TanzArt ostwest in Gießen

    Veröffentlicht am 22.05.2018, von Dagmar Klein


    WUNDERVOLLES JETZT

    "After Trio A" von Andrea Božić und “The Dry Piece” von Keren Levi

    Veröffentlicht am 17.05.2018, von Natalie Broschat


    KINSUN CHAN WIRD TANZCHEF IN ST. GALLEN

    Der Schweiz-Kanadier übernimmt auf die Spielzeit 2019/2020 die Nachfolge von Beate Vollack

    Veröffentlicht am 24.05.2018, von Pressetext


    SOMMERNACHTSTRÄUME IN DER KIRCHE?

    Mit dem Ballett der Theater Plauen-Zwickau geht das wunderbar.

    Veröffentlicht am 22.05.2018, von Boris Michael Gruhl



    BEI UNS IM SHOP