Bleib wie du bist – pass dich an
Anne Ngyens Tanzstück „Witch Hunting“ im Ludwigshafener Pfalzbau zu Gast
“Exposure“ von Alexandra Bachzetsis mit dem Cullberg Ballett in Ludwigshafen
Zum Abschluss der üppigen Tanzsaison kündigte der Ludwigshafener Pfalzbau noch einen kleinen Aufreger an: das Cullberg Ballett mit dem Tanzstück „Exposure“ von Alexandra Bachzetsis. „Die Aufführung enthält Nacktheit, explizite Inhalte, Gewaltszenen und sexuelle Inhalte. Wir empfehlen den Besuch ab 18 Jahren.“ Trotz oder wegen der Ankündigung waren die Plätze auf der Kleinen Bühne ausverkauft.
Das Publikum saß dicht dran an der schlichten weißen Bühne, von der schweizerisch-griechischen Choreografin und interdisziplinären Performerin Alexandra Bachzetsis mit zwei über Eck montierten Projektions-Leinwänden ausgestattet. Hier wird das Zur-Schau-Stellen im Sinn des Stücktitels „Exposure“ mal im Detail überlebensgroß auf die Spitze getrieben, mal wird live gefilmtes Material raffiniert verfremdet als digitale Ebene mitgeliefert.
Anfangs sieht man, wie sich eine Frau mit schwarzer Farbe den Busen bemalt – überhaupt spielt aufgemalte Unterwäsche mit fließenden Übergängen zu sexy Tangas oder String-Korsetts eine führende Rolle beim raschen Kostümwechsel, in dem neben Knallfarben und Plateau-Stilettos Nacktheit als Trumpfkarte ausgespielt wird. Alexandra Bachzetsis spießt die Sexualisierung unterschiedlichster Kontexte gezielt auf, mit gutem Gespür für rasche Stimmungswechsel. So schlüpfen die neun famosen Tänzer*innen des Cullberg Balletts in die unterschiedlichsten Rollen, posieren zum Beispiel in diversen Sportarten oder spielen Klischees der Popkultur durch. Mal scheinen sie in eine Hardcore-Version von „Germany’s next Top Model“ geraten zu sein, mal demonstrieren sie den Wechsel von brutaler Gewalt und Zärtlichkeit in einer Männerbeziehung.
Intime Momente der Selbstberührung werden extrem übersteigert, vom genüsslichen Styling männlicher Brustbehaarung über Bondage-ähnliche Selbstfesselung bis zur Stimulierung des eigenen Busens. Immer wieder spielt die international renommierte Choreografin auch mit bekannten Posen aus dem Bühnentanz und legt den Schluss nahe, dass der Bereitschaft zur Selbstentblößung auf jeder Ebene sexuelles Verlangen zugrunde liegt.
Zum Aufreger will das Stück trotz allem nicht taugen – weder wegen seiner Botschaft noch wegen der dargestellten Details. Am Ende trifft sich das Ensemble zum exzessiven Club-Sound auf dem Weg in körperliche Ekstase – was sich langsam aber sicher so anfühlt, als wäre man Zuschauer bei einer Rave Session – allerdings aus der Perspektive eines nüchternen Außenseiters. Das Pfalzbau-Publikum machte alles freundlich mit und zollte der Ausnahme-Company entsprechenden Beifall.
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