Proben und Vorbereitungen für die erste WINNDance-Produktion

Longevity im Maßanzug

Die Kompanie WINNDance von Marijn Rademaker und Slava Tutukin will Tanz alterslos machen

Die neue Company aus Stuttgart startet Ende Juli prominent bei der Biennale in Vendig. Mit dabei sind etwa Diana Vishneva, Gil Roman, Silvia Azzoni, Polina Semionova und Igone de Jongh sowie namhafte Choreograf*innen. Kooperiert wird zudem mit dem Modelabel BOSS.

Stuttgart, 16/07/2026

Sie alle tanzten in der ersten Reihe für die bekanntesten Kompanien der Welt und wollen das auch weiterhin tun. Mit WINNDance haben Marijn Rademaker und Slava Tutukin nicht nur eine neue Kompanie für Tänzer und Tänzerinnen U40 gegründet, sondern wollen auch ein Umdenken in der Tanzwelt einleiten.

Der Countdown läuft, am 31. Juli ist es soweit, dann erblickt WINNDance mit der Produktion „Scirocco“ das Licht der Welt. Und das nicht irgendwo, sondern auf der Biennale in Venedig vor internationalem Publikum und internationalen Kritiker*innen. Dann werden 14 Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne stehen, die alle älter als 40 Jahre sind und der Welt zeigen wollen, dass Alter kein Grund zum Aufhören ist.

WINN – When, if not now - die Tanzwelt soll umdenken

„Wer bin ich eigentlich, wenn ich kein Tänzer bin“, fragte sich Marijn Rademaker, erster Solist und Publikumsliebling beim Stuttgarter Ballett und beim Niederländischen Nationalballett. 2015 war Schluss mit dem Tanzen. Das Knie machte nicht mehr mit, auch nicht nach einer OP. Er arbeitete als Ballettmeister, als Choreograf, wechselte das Fach und wurde Gastronom in Stuttgart - doch da fehlte etwas. „Die Kunst“, sagt Marijn Rademaker. In dem ehemaligen Tänzer und Ballettmanager Slava Tutukin fand er den Partner, der aus der Idee ein Konzept machte, samt Marktanalyse. Und die zeigte, dass es für eine Kompanie mit Tänzern und Tänzerinnen jenseits der 40 sehr wohl ein Publikum gibt und Menschen, die sich finanziell an dieser Gründung beteiligen, fügt Slava Tutukin hinzu. Und darauf ist WINNDance auch angewiesen, denn noch fließen keine öffentlichen Gelder. Die finanzielle Unterstützung kommt, neben mehreren Privatpersonen, vor allem von der Bayer AG, aber auch der Cranko Estate, der Stiftung von Reid Anderson-Graefe, langjähriger Intendant des Stuttgarter Balletts.

„In Paris ist es mit 42, Oslo 41, Amsterdam 38 – dann muss man aufhören, muss man weg. Lass uns umdenken, die Verträge ändern, das ist unsere Botschaft an die Tanzindustrie,“ erklärt Marijn Rademaker. „Wir möchten zeigen, dass Erfahrung eine Tiefe hat, die man nicht ersetzen kann und dadurch entsteht einzigartige Kunst.“ Dieser Gedanke ist nicht neu. So wie das NDT3 dies schon vor Jahrzehnten zeigte, so sind es heute Kompanien wie Dance on aus Berlin, die das Konzept Ü40 umsetzen. Neu an WINNDAnce aber dürfte die Exklusivität der Namen sein, die in diesem Ensemble auftreten und für WINNDance choreografieren. Und Marijn Rademaker und Slava Tutukin wollen noch einen Schritt weiter gehen. Mit WINNLab sollen interdisziplinäre Projekte angeboten werden, bei denen kulturelle Institutionen und Partner aus der Industrie zusammenarbeiten. Und das alles zu dem einen Zweck, ein Umdenken in der Tanzwelt in Gang zu setzen.

Marke sucht Marke – Kooperation mit dem Modelabel BOSS

Wie eine solche Kooperation mit der Industrie aussehen kann, auch dazu wird es in Venedig eine Premiere geben, nämlich die des Modeunternehmens BOSS (aus Metzingen) als Kostümbildner. Für BOSS ist das Thema „Longevity“ der verbindende Gedanke zur Idee von WINNDance sagt Kreativdirektor Marco Falconi.

„WINNDance ist ein Unternehmen, das sich an talentierte Tänzer sowie Choreografen im Alter zwischen 40 und 60 richtet, die sich eine Chance und eine Plattform wünschen, um ihre Kunst und ihre Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Dies steht in perfekter Übereinstimmung mit den Werten von BOSS. Wir alle wissen, dass unser Motto lautet: ‚Be Your Own BOSS.‘ Und wir möchten die Botschaft vermitteln, dass wir unser Leben, unsere Mission und unsere Leidenschaften selbst in die Hand nehmen sollten.“ Von Anfang hat sich das Kreativteam mit den Choreograf*innen getroffen, Gespräche geführt und sich mit den Werken auseinandergesetzt. „So etwas hat es in der Form noch nicht gegeben“, sind sich Marijn Rademaker und Slava Tutukin sicher. Auch das also soll eine Weltpremiere in Venedig werden. 

Scirocco – vier Choreograf*innen und 14 Tänzer und Tänzerinnen 

Die Kostüme bilden den roten Faden durch den zweiteiligen Abend, getanzt von großen Namen wie Diana Vishneva, Gil Roman, Silvia Azzoni, Polina Semionova, Igone de Jongh und natürlich Marijn Rademaker. Den ersten Teil, „Tod in Venedig“ gestalten die Choreograf*innen Imre & Marne van Opstal, Omar Román De Jesús und Rainer Behr. Zeitgenössisch, queer und Tanztheater aus Wuppertal – so die unterschiedlichen Tanzstile. Wie werden sie mit der Aufgabe umgehen, für Tänzer und Tänzerinnen zwischen 40 und 68 (Nora Kimball) Tanz zu kreieren? Spannend. Und das wird auch der zweite Teil des Abends für den Altmeister John Neumeier zur Weltpremiere eine Choreografie schenkt: „Bridge of Sighs „. Welcher Art die Seufzer am Abend des 31. Juli im Teatro Malibran sein werden, weiß bisher nur der Scirocco. Mögen sie in tosenden Applaus münden!

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