„Good Bye Berlin“ von Constanza Macras und Dorky Park 

Doch kein Good Bye Berlin

Constanza Macras wechselt ans Maxim Gorki - Ein Kommentar

Ende der Obdachlosigkeit für Constanza Macras und Dorky Park. Das neue Maxim Gorki nimmt sie auf. Doch warum war der Weg dahin so umständlich?

Berlin, 04/06/2026

Es hätte ja eigentlich so schön sein können. Wir stellen uns vor: Eine gemeinsame Pressemitteilung im letzten November der beiden designierten neuen Intendant*innen der Volksbühne und des Maxim Gorki Theaters verkünden den Wechsel von Constanza Macras und ihrer Company Dorky Park vom Rosa-Luxemburg-Platz auf die Museumsinsel. „Der Tanz ist ein wichtiges Element der Berliner Theaterszene und wird mit diesem Wechsel auf eine breite Basis gestellt: Florentina Holzinger und Marlene Montero Freitas werden an der Volksbühne wirken und Constanza Macras am Maxim-Gorki-Theater ein neues Kapitel aufschlagen. Die Berliner Tanzszene kann entsprechend gestärkt in die Zukunft blicken.“ So hätten sie mit stolz geschwellter Brust verkünden können und dazu hätte es dann rosa Zuckerwatte für alle gegeben. Die Berliner Theaterleitungen hätten gezeigt, dass in der Haupstadt trotz der desaströsen streichfokussierten Kulturpolitik des Senats lösungsorientiert gearbeitet wird und man in der Lage ist, über die eigene Bühne hinauszublicken. Geht doch. Die Lösung hätten manche bemängelt, andere bejubelt, aber immerhin wären alle halbwegs unbeschädigt aus der Affäre hinausgegangen. 

Doch das hier ist das reale Berlin und da funktioniert im Zweifelsfall nichts.

Alpha-Mann oder Alpha-Frauen?

Stattdessen markierte der alte Theaterhaudegen Matthias Lilienthal erstmal öffentlich den starken Mann und setzte Constanza Macras im Oktober, pünktlich zur Premiere von „Good Bye Berlin“ medienwirksam per Interview vor die Tür. Das war kein Fehler, Lilienthal kennt das Theaterspiel in Berlin, kennt die Volksbühne, war lange am HAU und Intendant in München. Er hatte vorher bereits Holzinger und Freitas in sein (beratendes) Leitungsgremium berufen und für eine dritte Choreografin am Haus war da offenbar kein Platz. Von wem die Initiative für den Rausschmiss ausging, ist müßig zu fragen, entweder der alte weiße Mann hat abserviert oder die beiden neuen Choreografinnen haben gezeigt, dass die Künstlerinnen-Solidarität nicht so weit reicht, sich zu dritt den Tanzbereich im Theaterhaus zu teilen. Das boulevardeske Bild eines Zickenkriegs stand allen vor Augen. Dass die öffentliche Solidarität sich auf die Seite Macras schlug, ist klar. Wenigstens Holzinger hat es aber kaum geschadet, sie ist mittlerweile fest integrierter Teil des internationalen Performance-Kunst-Jet-Sets. Inwieweit sie überhaupt Kapazitäten haben wird, in die Volksbühne mehr als sich selbst einzubringen, wird die Zukunft zeigen. Lilienthal muss ohnehin gegen das Menetekel der Bedeutungslosigkeit ankämpfen, dass der Volksbühne spätestens seit dem Tod von René Pollesch anhaftet – manche sagen auch seit dem Abgang Castorfs.

Eine Perspektive für Macras oder die kleine Lösung

Für Constanza Macras immerhin gibt es jetzt eine Perspektive. Çaĝla Ilk, die neue Leiterin des Maxim-Gorki-Theaters, darf in weißer Rüstung der gefallenen Heldin beispringen. Sie bietet dem Dorky Park ein neues Daheim. Sie will das Haus neu aufstellen und einen kuratorischen Ansatz etablieren, der zwischen Kunst, Performance und Theater changieren soll. An der Volksbühne war Chris Dercon mit einem ähnlichen Konzept gescheitert – jetzt also eine Nummer kleiner am Maxim Gorki. Sicher, für Macras und ihre Company ist das nur eine zweitbeste Lösung, denn die Bühne ist deutlich kleiner, ebenso der Zuschauerraum, was natürlich Folgen haben wird. Aber ein festes Dach ist ein festes Dach. Für Ilk ist die ganze Geschichte nicht nur ein Coup, sondern auch deutlich risikoloser. Macras bringt nicht nur einen fest etablierten Publikumsstamm mit, den man dann auch für andere Formate des Hauses begeistern kann, sondern auch eine satte Förderung des Berliner Senats: Win-Win.

Die Volksbühne plant derweil einen Swimmingpool vor dem Theaterhaus zu errichten. Ob Florentina Holzinger ihren venezianischen Jet-Ski darin fahren lässt, ist noch offen. Man kann nur hoffen, dass bei solchen Unabgestimmtheiten nicht die gesamte Tanz- und Theaterwelt in Berlin baden geht.

 

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