„Marie Antoinette“ von Thierry Malandain, Tanz: Damenensemble

„Marie Antoinette“ von Thierry Malandain, Tanz: Damenensemble

Seltsam leerer Augenschmaus

Premiere von „Marie Antoinette“ an der Volksoper Wien

Thierry Malandain zeigt einzelne Szenen aus dem Leben Marie Antoinettes. Entstanden ist ein belangloser Abend, der nicht lange im Gedächtnis bleibt.

Wien , 23/12/2025

Am Ende hört man die Guillotine fallen – dann Blackout. Sogar die grausame Hinrichtung ist, wie die davor sanft vor sich hinplätschernden, manchmal etwas langatmigen 90 Minuten, ästhetisch schön anzusehen. Thierry Malandain hat mit „Marie Antoinette“ kein Handlungsballett geschaffen, sondern zeigt einzelne Szenen aus ihrem Leben, wobei es immer vor allem um Stimmungen geht. Das Premierenpublikum fühlt sich verpflichtet, nach jeder Szene zu applaudieren, was den Nummerncharakter verstärkt. Eine Spannung oder gar Sogwirkung entsteht dadurch allerdings nicht. Manches versteht man auch nur, wenn man sich davor mit ihrer Biografie genauer beschäftigt bzw. die Handlung im Programmheft gelesen hat. 

Choreografisch ist es eine Verschmelzung von Neoklassik ohne Spitzenschuh und barocken Elementen. Elena Bottaro als Marie Antoinette bleibt seltsam blass, auch Andrés Garcia Torres überzeugt als Ludwig XVI. nicht so richtig. Lediglich Rebecca Horner als Kaiserin Maria Theresia schafft es, immer wieder Spannung aufzubauen. Warum nicht alle Rollen mit Tänzer*innen der Volksoper besetzt wurden, ist nicht nachvollziehbar. 

Jorge Gallardo hat an die drei Bühnenseiten große leere Bilderrahmen gestellt, dahinter Vorhänge mit Wolkenhimmel. Wenn die Revolution ins Schloss einbricht, folgt keine wilde Erstürmung, sondern lediglich die Vorhänge werden beiseitegeschoben. Die aufwändigen pastellfarbigen Kostüme sind vom Rokoko inspiriert. Obwohl es viele Kostümwechsel gibt, bleibt es doch bis zur letzten Szene immer der gleiche verspielte Schnitt. Schade, dass Marie Antoinette nichts Pompöses an sich hat und sich ihre Kleider immer nur durch eine kleine Abänderung im Oberteil von den anderen unterscheiden. Manches Mal wirkt die Bühne wie ein Wimmelbild, in dem man angestrengt nach Marie Antoinette und Ludwig XVI. sucht. Nur Maria Theresia trägt ein dunkles einfaches Kleid, das wohl auf das strenge spanische Hofzeremoniell am Wiener Hof verweisen soll. Obwohl das aufwändige feuerrote Kleid von Madame du Barry eine Brust entblößt, wirkt sie nicht verführerisch – das liegt allerdings nicht an Mila Schmidt, sondern an fehlender Personenführung. 

Das Orchester unter Christoph Altstaedt spielt unaufgeregt solide unterschiedliche Symphonien von Joseph Haydn sowie den „Danse des esprits bienheureux“ aus „Orphée et Eurydice“ von Christoph Willibald Gluck. Durch die ständigen Kostümwechsel ist der Abend zwar ein Fest für die Augen, aber choreografisch belanglos und gefühlt um zwanzig Minuten zu lang. Der freundliche Premierenapplaus galt vor allem den Tänzer*innen sowie dem Orchester. Nach den Einaktern „Mozart à 2“ und „Don Juan“ (2014 an der Volksoper zu sehen) wie auch „Cendrillon“ (2016) hat man sich mehr erwartet.

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