Ballett-Matinée der Heinz-Bosl-Stiftung

Ab jetzt gibt eine von der Stiftung geförderte Junior-Compagnie

München, 13/12/2010

Es heißt zwar immer noch Ballett-Matinée der Heinz-Bosl-Stiftung. Aber diese seit dreißig Jahren im Münchner Nationaltheater stattfindende und beim Publikum so beliebte Vorstellung ist ab jetzt eine andere: Nicht mehr die gesamte Ballett-Akademie der Münchner Hochschule für Musik und Theater (HfMuT) wird in der Matinee auftreten, sondern eine von der Stiftung geförderte Junior-Compagnie. Und die erhielt am vergangenen Sonntag ihre öffentliche Weihe. Flankiert von ihren beiden Cooperations-Partnern, Staatsballettchef Ivan Liska und Ballettakademie-Leiter Jan Broeckx, erläuterte Stiftungschefin Konstanze Vernon, die schon lange Pläne in dieser Richtung hatte, Zweck und Struktur. Demnach soll diese Junior-Compagnie (JC) frisch diplomierten, also fertigen Ballettstudenten letzten Schliff und Bühnenpraxis ermöglichen und so den Weg in ein professionelles Ensemble ebnen. Neu ist die Idee nicht. In den 80er Jahren machte die Junior Compagnie von Jiri Kylians Nederlands Dans Theater, das NDT 2, international Schule.

Die aktuelle Münchner JC besteht aus neun Volontären des Staatsballetts und sieben Stipendiaten der Heinz-Bosl-Stiftung (das können Absolventen der Münchner Ballettakademie der HfMuT, aber auch jeder anderen Ballettakademie sein). Für die sechzehn JC-Mitglieder, die übrigens im komfortablen Studenten-Wohnheim der Bosl-Stiftung wohnen können, wurde eigens die Trainings-Koryphäe Alexander Ursuliak engagiert. Die Münchner Ballettakademie ist in dieser Kooperation ihren knappen Mitteln entsprechend nur geringfügig beteiligt: mit einer halben Professur und einem Lehrauftrag für Klavierbegleitung, wie Jan Broeckx bekannt gab. Und ein bisschen tanzten seine Studenten auch an diesem Morgen mit. Das Stück „Frei vom Hocker“, eine sportliche Choreografie auf und mit Hockern von Hilke Rath-Kleine, einer Pädagogin der Stuttgarter John Cranko Schule, wurde von der Mädchen-Mittelstufe flott getanzt. Leiter Jan Broeckx hatte selbst einstudiert.

Insgesamt war die Matinee aber ein Schaufenster der frisch gebackenen jungen Compagnie, die sich gleich in allen Stilen beweisen konnte: zu Beginn hochklassisch in „Raymonda“ von Ray Barra nach Petipa. Den solistischen Part darin übernahmen als Gäste vom Staatsballett die wie immer erlesen tanzende Lucia Lacarra und ihr raumgreifender Partner Marlon Dino. Modern zeigte sich ein JC-Paar in „Come Neve al Sole“ des Ex-Stuttgart-Solisten Rolando D' Alesio. Und dann Entfaltung von Präzision und eleganter Biegsamkeit in Hans van Manens geometrisch ausgetüfteltem, ausgesprochen bildnerischem „In the Future“, von luftig leichter Neoklassik-Technik in Jiri Kyliáns „Symphony in D“ und schließlich virile Körperlichkeit, Sprungkraft und Spielwitz in dem Macho-Männerstück „Troy Game“ von Broeckx' Vorgänger Robert North. Für den eifrig fleißigen Ballett-Zuschauer waren diese Stücke fast zu gute „alte Bekannte“, für die Juniors jedoch blendendes Tanzfutter, mit dem sie sich ja auch glänzend bewiesen haben. Und mit „Raymonda“ und den drei Klassikern der Moderne könnten die JCs, bestens gerüstet, auf Tournee gehen. Durch Bayern will man tingeln und auch noch darüber hinaus. Und es könnte, so Konstanze Vernon, aus der JC in Zukunft ein Staatsballett II werden.

Wiederholung 6. März 2011; Karten 89/337763 (ab 1.2.2011)

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