HOMEPAGE



Bonn

VIELE KÖRPERLICHE ANNAHMEN ODER DER LANGE WEG ZUM AUFRECHTEN STAND

"Der Riss" von Karel Vanek in der Brotfabrik Bonn



Vanek fragt: Angenommen Sie sehen einen Riss in einer Kaffeetasse – was tun Sie? Wegschmeißen oder abwarten bis die Tasse zerbricht? Angenommen die Tasse ist schon zerbrochen – was tun Sie? Angenommen die Gesellschaft wäre ein Kaffeebecher – was tun Sie?


  • "Der Riss" von Karel Vanek. Tanz: Karel Vanek Foto © Günter Krämmer
  • "Der Riss" von Karel Vanek. Tanz: Dwayne Holliday Foto © Günter Krämmer
  • "Der Riss" von Karel Vanek: Tanz: Karel Vanek, Dwayne Holliday, Guido Preuss Foto © Günter Krämmer
  • "Der Riss" von Karel Vanek. Tanz:Guido Preuss Foto © Günter Krämmer
  • "Der Riss" von Karel Vanek. Tanz: Holliday, Vanek, Preuss Foto © Günter Krämmer

Ein Blog von Gastautor Gregor West

Drei unbekleidete Kerle liegen auf dem Rücken mit dem Kopf zum Publikum, die Scheinwerfer kommen von beiden Seiten auf die schwarze Bühne mit musikalischen Geräuschen, die rissig sind wie der Titel des Abends.
Langsam fängt man doch an sich sehr sparsam zu bewegen. Der Brustkorb der Männer hebt und senkt sich, die Finger versuchen, ob sie etwas erreichen können und sei es die Seite des eigenen Körpers. Das dauert. Und schließlich rollen diese schwerfälligen Körper solange bis sie in einer Reihe Kopf an Fuß den Versuch einer Choreografie beenden.

Sind diese Wesen unsere Vorfahren lange vor dem Neandertaler? Oder stellen sie noch Amphibien dar, geht mir durch den Kopf, aber dann löst sich ein Geschöpf (Dwayne Holliday) aus der Reihe und führt uns den verzweifelten Versuch vor, Beine und Füße dazu zu benutzen aufzustehen wie wir es von unseren Müttern erlernt haben. Es gelingt in diesem Solo, einem Meisterstück an Einfällen, an Verknäulungen wieder auf den Knien, dem Rücken oder schließlich der Vorderseite zu enden.

Alle drei Männer, die übrigens nur einen schwarzen Slip anhaben, rollen schwerfällig in gegenseitige Nähe, versuchen wie Magnete zueinander zu kommen, aber es will nicht gelingen. Später glückt eine ähnliche Szene, aber körperlicher, jedoch ohne dass auch nur der Hauch eines erotischen Versuchs dabei wäre. Es scheint, dass diese Köper andere Probleme haben, auch wenn inzwischen gelungen ist, aufrecht zu stehen, was zu einem Solo (Guido Preuß) führt, dessen Zittern endlich so etwas wie Zufriedenheit über die Rampe kommen lässt.

Karel Vanek, der Schöpfer dieses außergewöhnlichen Stücks, hat natürlich ebenfalls ein großes Solo, das darin endet, dass dieser nicht mehr blutjunge Mann sich in gut aussehenden Body-Building-Posen versucht, was endlich auch zum Schmunzeln einlädt. Aber wie könnte es anders sein, es endet in der harten Gegenwart, auch wieder am Boden.

Ein letztes großes Solo für Dwayne Holliday versichert mir, dass die drei eher geschlechtslos wirkenden Wesen doch auf dem Weg sind, sich nicht nur choreografisch weiter zu entwickeln. Dazu würden sie aber, wie schon in der Bibel notiert ist, weibliche Ergänzungen benötigen und Karel Vanek wird sich vielleicht auch daran erinnern, dass es dadurch bunter werden könnte auf seiner schwarzen Bühne mit allerdings sensationeller Beleuchtung von Markus Becker.

Alles in allem ist „Der Riss“ von Tanzwerke Vanek Preuß ein Abend, der sehr gut beim Bonner Publikum ankommt und so sind die weiteren Vorstellungen natürlich gut verkauft.

Veröffentlicht am 25.01.2019, von Gastbeitrag in Homepage, Gallery, Blogs

Dieser Artikel wurde 643 mal angesehen.



Kommentare zu "Viele körperliche Annahmen oder der lange Weg ..."



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    GERT WEIGELT ERHÄLT DEUTSCHEN TANZPREIS 2019

    Ehrungen für Jo Parkes und Isabelle Schad für herausragende künstlerische Entwicklungen
    Veröffentlicht am 05.04.2019, von Pressetext


    DER TANZPREISTRÄGER

    tanznetz.de feiert Gert Weigelt
    Veröffentlicht am 05.04.2019, von tanznetz.de Redaktion


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    FESTIVAL TANZ NRW 19 IN NEUN STÄDTEN UND MIT VIER PREMIEREN

    8. - 19. Mai 2019 Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, Krefeld, Mülheim/Ruhr, Münster, Viersen und Wuppertal

    Im Rahmen eines Pressegesprächs im tanzhaus nrw in Düsseldorf gaben Vertreter*innen der Veranstaltergemeinschaft und Förderer das Programm des landesweiten Festivals tanz nrw 19 bekannt, das in neun Städten Nordrhein-Westfalens zeitgenössischen Tanz zeigt.

    Veröffentlicht am 15.04.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DER MENSCH AUF EINER REISE INS UNGEWISSE

    "Mozartrequiem" als Ballett von Can Arslan mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

    Veröffentlicht am 29.03.2019, von Herbert Henning


    ABSAGE AN DEN URBANEN TANZ

    Zekai Fenerci, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter von Pottporus e.V. / Renegade wehrt sich öffentlich gegen Nicht-Förderung

    Veröffentlicht am 23.03.2019, von Pressetext


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    MISSHANDLUNGEN AN DER BALLETTSCHULE DER WIENER STAATSOPER?

    Die Ballettakademie sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert

    Veröffentlicht am 11.04.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ERSTE SCHRITTE UND GRAND JETÉS IN ALLER VIELFALT

    Frühlings-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung

    Veröffentlicht am 13.04.2019, von Sabine Kippenberg



    BEI UNS IM SHOP