Wunderland des Tanzes
Po-Cheng Tsai gastiert mit seinem B.Dance Ensemble und dem Stück „Alice“ in Winterthur
Uraufführung von „CHORA – the void as origin“ von Sofia Nappi mit dem Ensemble Komoco in Winterthur
Das Theater Winterthur ist in erster Linie ein Gastspieltheater, wo sich aber immer mal wieder die Möglichkeit für jüngere oder hier noch unbekannte Choreograf*innen bietet, die Zeit von den Endproben eines Stückes bis zur Aufführung zu verbringen. So eine Chance verspricht Ungewöhnliches, birgt aber auch ein Risiko.
Die italienische Choreografin Sofia Nappi und ihr Ensemble Komoco konnten das Stück „CHORA – the void as origin“ bereits in zwei Kreationsresidenzen in Italien entwickeln und nun also erstmals einem grösseren Publikum vorführen. Nappi hat das Stück als Recherche angelegt, es soll eine Einladung für Tänzer*innen wie Publikum sein, „sich zusammen auf den Weg zu machen.“
Das altgriechische Wort Chora bedeutet zugleich Raum und schöpferische Leere. Die Leere als Ursprung im Raum ist denn auch Ausgangspunkt einer düster-metaphorischen Bühnenwelt, in der alles oder nichts entstehen kann. Sowohl Bühne wie Kostüme und Musik schaffen ein unwirkliches und unwirtliches Bild. Die Szenen erinnern an Bewegungsstudien, in der sich die sieben Tanzenden verausgaben und entfalten können. Und sie tun es, von monoton bis ekstatisch. Auf ein Narrativ wird verzichtet. Eine raffinierte Lichtregie bringt Abwechslung in das szenische Geschehen. Tänzerisch dominieren viele Arm- und Oberkörperbewegungen. Abstrakte Gesten und Schritte sind in der Dunkelheit der Bühne manchmal schwer zu erkennen.
Die laut hämmernde elektronische Musik von Ciaran Morahan schafft eine schrille Klanglandschaft. Einem Höllenritt gleich steigern sich die Tanzenden einer möglichen Apokalypse entgegen. In der düster-grellen Umwelt gibt es keine Zweisamkeit. Zu spüren ist eine Vereinzelung in der Gemeinschaft, trotz befreiendem Tanz. Keine Welt, in der man leben möchte.
Ein choreografischer Zusammenhalt fehlt in dieser Recherchearbeit weitgehend. Den Bewegungsimpulsen und dem Körpermodus der Tänzer*innen wird mehr Beachtung geschenkt als einer Synchronität. Aus kleinen und großen Gesten wird workshopartig eine Geschichte geschrieben, in der sich die innere Leere aufbäumt, aber keine Erlösung findet. Erst zum Schluss, nach dem fast einstündigen Tanzmarathon, finden die Tanzenden zur Ruhe. Fazit: Besiege die Leere, bevor sie dich verschlingt. Ein eindrücklicher, aber auch beklemmender Tanzabend.
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