30 Jahre cie. Toula Limnaios: Hironori Sugata in „valse triste“ aus „meantime“

30 Jahre cie. Toula Limnaios

Persönliche Eindrücke von Dieter Hartwig

Mit einem großen Festival begeht die cie. Toula Limnaios ihr Jubiläum in Berlin.

Berlin, 06/06/2026

Potsdamer Platz, eine U-Bahnstation, die bis heute nicht in Betrieb ist. Beim Sommerfest der Berliner Bühnen im Sommer 2000 habe ich zum ersten Mal Toula Limnaios erlebt. Ein Duo mit dem Posaunisten Conny Bauer. Das Publikum auf dem einen Bahnsteig, dazwischen die bis heute nicht vorhandenen Gleise und auf dem gegenüber liegenden Bahnsteig Toula Limnaios und Conny Bauer, beleuchtet mehr oder weniger durch Baulampen. Die Performance hat mich umgehauen. Kurz danach das Angebot im Theater am Halleschen Ufer bei der Generalprobe die neuste Arbeit von Toula Limnaios „Falten der Nacht" zu fotografieren. Seitdem habe ich als Fotograf nur ein einziges Stück verpasst. 

Inzwischen bin ich gewissermaßen ein Familienmitglied der cie. Toula Limnaios geworden, habe Generationen von Tänzer*innen kennengelernt, diese Stellenweise auch bei eigenen Produktionen fotografisch begleitet. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, das ich zufällig an einem sonnigen Sommertag im Hof der Halle Tanzbühne Berlin war, als der Tod von Pina Bausch gemeldet wurde. Ein Moment der fassungslosen Trauer.

Ein Fest - ein Festival

Im Moment feiert die cie. Toula Limnaios ihr dreißig Jähriges bestehen. Die Eröffnung des Jubiläumsfestivals war ein Fest mit Reden von Christa Juretzka, Frank Schmidt und Dorothee Starke, Videogrüßen von ehemaligen Ensemblemitgliedern aus der ganzen Welt und natürlich Tanz. Gerade noch habe ich Inhee Yu in ihrem atemberaubenden Videogruß gesehen und dann taucht sie im Publikum auf, um nach über 20 stündigen Flug an diesem Fest teilzunehmen. Seit gut zehn Jahren lebt sie wieder in ihrer Heimat Korea. 

Unfassbar ist auch Hironori Sugata mit seinem „valse triste“ im aufgeblasenen orangen Overall aus „meantime“. Ein Stück aus der Coronazeit bestehend aus mehreren Soli mit viel Abstand in der Halle, Arbeiten im Hof und Garten und einem Paartanz (die beiden lebten sowieso zusammen) hinter durchsichtigen Plastikfolien im 1. Stockwerk der Halle.

Seit Jahren arbeitet die cie. Toula Limnaios mit vier Tänzerinnen und vier Tänzern, bunt gemischt aus vielen Nationen. Alle fest angestellt, genauso wie das notwendige künstlerische, technische, organisatorische Team, um die Spielstätte „am Leben“ zu erhalten und der Kreavität einen Raum zu geben.

Wiederaufführungen und Filmabende

Einzigartig ist auch, dass neben der obligatorischen Uraufführung in jeder Spielzeit, Stücke aus früheren Jahren wiederaufgeführt und so am „Leben“ erhalten und an neue Tänzer*innen weitergegeben werden. Im Laufe der Jahre gibt es immer wieder Stücke, von denen man sich auch gezwungenerweise trennt, weil Kostüme und Bühnenbilder viel Platz und Ressourcen brauchen. Ich denke da an Torf, Herbstblätter, Zeitungsballen. Irgendwann werden auch die Segel für „la nef des fols“ nicht mehr benötigt.

Das Festival zum 30. Geburtstag der cie. Toula Limnaios bietet neben der Wiederaufführung von Stücken wie „shifted realities“ , „les possédés“ , „isson“ , „le temps d’après“ und „if I was real“ auch ein Gastspiel der compagnia zappalà danza mit dem Stück „cultus“. Das Stück „le temps d’après“ ist für mich eine Premiere, da es vor meiner Zusammerarbeit mit Toula Limnaios und Ralf R. Ollertz entstanden ist. Für mich ein ganz besonderes Geschenk. Neben den Tanzabenden wird das Festival vervollständigt mit mehreren Filmabenden sowie den Konzerten „Ralf R. Ollertz und Freunde“ und „songbook“ mit dem Ensemble Mosaik. Mein Kalender ist damit sehr gut gefüllt.

 

Kommentare

Noch keine Beiträge