Die Suche nach dem Glück
„MATHIEU“ von Sebastiano Sing bei imagetanz als Uraufführung im WUK Projektraum
„Pale Blue – Ein Blick auf die Welt in 100 imaginierten Artefakten” von Nikolaus Adler als Uraufführung im Wiener WUK
Bereits im Foyer beginnt „Pale Blue – Ein Blick auf die Welt in 100 imaginierten Artefakten“ mit einer kleinen Ausstellung von unterschiedlichsten Dingen. Wichtigstes Objekt sind wohl die Replika der zwei Golden Records, welche 1977 mit der Raumsonde Voyager 1 ins All geschickt wurden. Diese waren Datenplatten mit Bild- und Tonaufnahmen. Hergestellt wurden sie in der Hoffnung, mit intelligentem Leben im All Kontakt aufnehmen zu können. So finden sich darauf unter anderem eine Audiobotschaft des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim, Kompositionen von Bach, Beethoven, Mozart sowie Stravisnky aber auch von Chuck Berry. Aus ihr entspringt der Grundgedanke für das Stück. Was ist wert, dass es für die Ewigkeit bewahrt wird bzw. was man herzeigen möchte? Damals führten die Inhalte zu diversen teils sehr heftigen Diskussionen. Die 100 tänzerischen Artefakte, die im Stück zu sehen sind, lösen keine so starken Reaktionen aus. In der Ausstellung sind unter anderem auch unzählige unterschiedliche Sektgläser, einige Blätter eines Herbariums oder ein Rollrasen zu sehen. Unauffällige Dinge des Alltags werden so erhöht. Der Museumsaufseher geleitet das Publikum in den Zuschauerraum. Sophie Eidenberger, die auch die Kostüme verantwortet, hat die Bühne als white cube mit weißem Tanzboden und zwei rechtwinklig angeordneten weißen Wänden gestaltet. An den beiden offenen Seiten sitzt das Publikum.
Was ist wichtig?
Lea Karnutsch, Eva-Maria Schaller, Giorgia Scisciola, Vito Vidovič Bintchende und Xianghui Zeng haben die 100 tänzerischen Artefakte in einem mehrmonatigen Prozess erarbeitet. Mal sind es längere, mal kürzere Sequenzen, die teilweise gleichzeitig ablaufen, mal wird alleine, mal im Duo, Trio oder als Gruppe getanzt. Schön ist dabei zu sehen, dass sich jede*r die eigene zeitgenössische Bewegungsqualität erhalten durfte und doch ein gemeinsames harmonisches Ganzes – vor allem in den Gruppensequenzen – entstanden ist. Nikolaus Adler verknüpft die Artefakte geschickt zu einem 70-minütigen Stück, das sehr sanft dahinfließt, aber doch gegen Ende auf einen Höhepunkt zugeht, wenn die Wände geöffnet werden. Nicht alles ist nachvollziehbar – aber vielleicht muss es das auch gar nicht sein. Vielleicht wird aber auch genau das das Gefühl von denjenigen sein, die irgendwann einmal die goldene Schallplatte im All finden werden.
Wenn man irgendwann nicht mehr nach dem Sinn sucht und sich auf das Stück einlässt, dann sieht man schöne Bilder, erkennt manche sich gleichende Bewegungsabfolgen und auch, dass immer wieder gebärdet wird. Zwischendurch schießt einem auch kurz einmal der Gedanke durch den Kopf, dass ein Audiokommentar des Cineasten Adler hilfreich sein könnte. Denn dass so gut wie keine Minute in diesem Stück belanglos ist, wird einem schnell klar, aber man erkennt nur wenige der sicherlich zahlreichen Referenzen. Kurz vor dem Ende schließt sich dann mit einer beleuchteten einfachen Wasserflasche ein Kreis zu dem im Museum liegenden Manuskript des immersiven Theaterensembles Nesterval. Hat sich dieses doch in den letzten Stücken mit der Ressource Wasser und dem Verschwinden derselben beschäftigt. Am Schluss lässt Lichtdesigner Joe Albrecht einen Sternenhimmel erstrahlen, während Frank Sinatras „Fly Me to the Moon“ erklingt.
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