Loopings durch Innenwelten
Alfonso López González, Thomas Krähenbühl und Mateo Mirdita als New Comer in Augsburg
Ein metaphorisches Bild im gedimmten Licht beendet Peter Chus „Mozart-Requiem“, das jüngst mit dem Ballett des Staatstheaters Augsburg zur Premiere kam. Angedeutet wird hier die Verwandlung seiner beiden tanzenden Hauptprotagonist*innen, deren Körper langsam wieder zu Erde werden. Es ist das überzeugende Finale einer emotional berührenden, schier beglückenden, visuell sogkräftigen und überaus ernsthaften szenischen Interpretation von Mozarts letztem Werk. Als roter Faden zieht sich ein gestisches Motiv durch das gesamte Stück: Berührung.
Immer wieder anders gehen die Interpret*innen auf Tuchfühlung, treten miteinander oder mit ihrer Umgebung in Kontakt. Sie werden dicht an dicht ins Rampenlicht gerückt – sowohl live auf der Bühne als auch via unaufdringlicher, an den Portalrahmen platzierter Videoprojektionen mit Ausschnitten von Armen und Händen, die sich nahekommen oder zärtlich umfassen. Mozarts unvollendet gebliebene Totenmesse erfährt so eine Transformation weg von einer konkret religiösen Dimension hin zu einem mehr in der Natur verwurzelten und global tiefgreifenden Plädoyer für zwischenmenschliche Empathie. Zweifellos ein fundamental wichtiger Bestandteil in jeder Phase des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod.
Die Gesamtverantwortung für die strukturell klare Inszenierung, die am 31. Januar 2026 Premiere feierte, hatte der US-Amerikaner Peter Chu. Es ist nach „your FACE“ (2019) und „Moving“ (2021) bereits seine dritte Arbeit am Haus. Für das bei der Uraufführung live von den Augsburger Philharmonikern begleitete Projekt konnte der Tänzer und Choreograf auch den gesamten Chor sowie vier Gesangssolisten in eine energetisch schwingende, den Bühnenraum von Anfang bis Ende regelrecht durchströmende Choreografie einbinden.
Dabei verschmilzt Chus fließende Bewegungssprache, mit ihren Elementen des chinesischen Tai Chi und der im Qigong verankerten Tiersymbolik, ganz mit der oratorischen Musik Mozarts. Weder stößt sich Chus physisches Vokabular an den gesungenen lateinischen Texten, noch bebildert es diese. In einem permanent intensiven Dialog werden stattdessen deren dramatische Dynamik und Rhythmik stets aufs Neue mittels Energie und körperlichem Ausdruck der Tänzerinnen und Tänzer aufgenommen. Der Tanz verschmilzt mit Mozarts Klangwelten. Ein Ausnahmezustand stellt sich ein. Man beginnt sozusagen mit den Augen zu fühlen und mit dem Herzen zu sehen.
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