Maša Kolar 

Direktionswechsel mit Signalwirkung

Maša Kolar übernimmt Ballettdirektion in Nordhausen

Mit der Berufung von Maša Kolar zur neuen Ballettdirektorin des Ballett TN LOS! ab der Spielzeit 2026/2027 setzt das Theater Nordhausen ein deutliches Zeichen – künstlerisch wie kulturpolitisch.

Nordhausen, 27/01/2026

Der Wechsel am Theater Nordhausen markiert nicht nur das Ende der zehnjährigen Amtszeit von Ivan Alboresi, sondern steht zugleich für eine Öffnung: für internationale Perspektiven, für eine konsequente Weiterentwicklung des zeitgenössischen Tanzes – und nicht zuletzt für eine weitere weibliche Stimme in einer nach wie vor männlich dominierten Leitungslandschaft des Tanzes.

Maša Kolar bringt dafür eine außergewöhnlich breite Erfahrung mit, insbesondere auch im deutschen Tanzkontext. Bereits früh führte ihr Weg aus Zagreb nach Deutschland: 1992 wurde sie Mitglied des Semperoper Balletts Dresden, wo sie ab 1995 als Solistin tanzte und 1997 mit dem renommierten Mary-Wigman-Preis ausgezeichnet wurde. Engagements bei der Thoss TanzKompanie in Kiel sowie an der Staatsoper Hannover folgten – Stationen, die Kolars künstlerisches Profil zwischen klassischem Ballett und zeitgenössischer Bewegungssprache nachhaltig prägten. 

Diese fundierte Kenntnis der Tanzlandschaft verbindet Kolar mit internationaler Weitsicht. Nach ihrer aktiven Tänzerinnenlaufbahn arbeitete sie als Choreografin unter anderem für das Bundesjugendballett Hamburg, das Theater Osnabrück und das Ballett Hagen. Ihre Arbeiten zeugten von einem Interesse an struktureller Klarheit ebenso wie an experimentellen Formaten und generationsübergreifender Vermittlung. 

Von 2017 bis 2024 leitete Maša Kolar erfolgreich das Rijeka Ballet und sammelte dort umfassende Erfahrungen als Ballettdirektorin – von der künstlerischen Konzeption über Nachwuchsförderung bis hin zur strategischen Positionierung einer Tanzkompanie, die bewusst neue Wege beschritt. Wiederholt gastierte Kolar mit dem Kroatischen Nationalballett in Deutschland und europaweit. Diese Leitungspraxis verleiht ihrer Berufung nach Nordhausen besonderes Gewicht. 

Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Diversität, Machtstrukturen und künstlerischer Verantwortung im Tanz steht Kolar für eine Leitungspersönlichkeit, die Praxis, Reflexion und pädagogisches Denken verbindet. Dass nun eine weitere Frau eine Ballettdirektion übernimmt, ist mehr als eine Personalie: Es ist ein kulturpolitisches Statement und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Ausgewogenheit und Vielfalt in den Entscheidungspositionen des Tanzes.

Für Nordhausen eröffnet sich damit die Chance auf neue künstlerische Impulse, getragen von Erfahrung, internationaler Vernetzung und einem gewachsenen Verständnis der deutschen Tanzszene. Man darf gespannt sein. 

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