Schlussbeifall „Peer Gynt“ von John Neumeier 2015 

Ein Lebensgesamtkunstwerk

Lebens- und Ehrenpreis der OPER! Awards für Jürgen Rose

Seine Bühnen- und Kostümbilder sind legendär, er selbst gefürchtet für seine Pingeligkeit, und doch geliebt von Oper und Schauspiel, vor allem aber vom Ballett.

Regensburg, 06/03/2026

Seine Karriere währt nun schon über 60 Jahre, 40 Jahre davon hat er an den Münchner Kammerspielen gearbeitet und dort über 100 Stücke ausgestattet, zahllose Opern an großen Bühnen auch, immer wieder selbst Regie geführt (legendär und unerreicht „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janacek 2002 an der Bayerischen Staatsoper). Und doch wäre diese Künstlerbiografie ohne das Ballett gar nicht denkbar. Denn für die Ausstattung entdeckt hat den jungen Jürgen Rose, der eigentlich Schauspieler werden wollte, 1961 John Cranko. Er vertraute ihm nach einer Zufalls-Begegnung in der Stuttgarter Theaterkantine spontan seine „Romeo und Julia“-Premiere an, diesem Noch-Nobody des Bühnen- und Kostümbilds. Er hatte den richtigen Riecher: Zusammen mit dem „Stuttgarter Ballettwunder“, das mit dieser Inszenierung begann, wurde es für Rose der Start in eine fulminante Karriere, die bis heute anhält. 

Fast 360 Bühnen- und Kostümbilder hat er seither geschaffen, viele werden bis heute gezeigt. Weil sie so schön sind, so zeitlos, so überzeugend. Jürgen Rose geht jedem Auftrag, den er übernimmt, ganz und gar auf den Grund. Alles ist wohlüberlegt und durchdacht, jedes Möbelstück, jede Malerei, jede Falte, jede Biese am Kleid oder Anzug, jede Schleife, jeder Hut und jedes Haarband – für seine Detailverliebtheit ist er gefürchtet. Aber dafür wird er auch geliebt. Weil er das Handwerk schätzt und Qualität. Darauf legt er höchsten Wert, unerbittlich und kompromisslos. Bei den Kostümen ebenso wie beim Bühnenbild, die für ihn immer zusammengehören. 

Seine Ausstattungen sind teuer, aber dafür halten sie auch Jahrzehnte. Beim Ballett sind das neben der schon erwähnten „Romeo und Julia“-Version auch Crankos „Schwanensee“, „Onegin“, „Poème de l’Extase“ und „Spuren“ sowie vor allem John Neumeiers „Die Kameliendame“, „Daphnis und Chloe“, „Romeo und Julia“, „Ein Sommernachtstraum“, „A Cinderella Story“, „Peer Gynt“ und die Tschaikowsky-Triologie „Der Nussknacker“, „Dornröschen“ und „Illusionen – wie Schwanensee“. Sie alle werden bis heute in der ursprünglichen Ausstattung gezeigt. 

Seine bislang letzten großen Arbeiten waren die grandiose Neufassung von Bühnenbild und Kostümen für Kenneth MacMillans „Mayerling“ für das Stuttgarter Ballett 2019 (Wiederaufnahme ist am 2. Juli 2026), sowie der ebenfalls für Stuttgart 2022 von ihm ausgestattete „Nussknacker“ von Edward Clug, der dort regelmäßig in der Weihnachtszeit auf dem Spielplan steht. 

„Das meiste ist nach zehn Jahren weg“

„Man hätte nie gedacht, dass die Cranko-Stücke so lange laufen“, gab Rose im Zuge der Ehrung bei der OPER! Award-Gala am 23. Februar 2026 in Regensburg (das Haus dort wurde als „bestes Opernhaus“ ausgezeichnet) zu. Vor allem Crankos „Onegin“ ist weltweit gefragt, und Rose reist persönlich zu den Anproben und Premieren, um noch einmal alles zu kontrollieren und höchstpersönlich Hand anzulegen: „Solange ich lebe, muss ich doch dabei sein und schauen, ob alles stimmt.“ Dann prüft er die Länge eines Kleides ebenso wie dessen Stoff und das gesamte Bühnenbild. Gleich am nächsten Morgen, so kündigt er noch am Gala-Abend an, werde er deshalb nach Dresden aufbrechen, wo Crankos „Onegin“ im Sommer Premiere haben wird, um die Anproben persönlich zu überwachen und abzunehmen. 

Die Mehrzahl seiner Bühnenbilder allerdings ist inzwischen Geschichte. Leider. „Das meiste ist nach zehn Jahren weg“, konstatiert Rose gleichmütig. Er hat gelernt, damit zu leben, auch wenn es immer wieder schmerzt, wenn eine Ausstattung geschrottet wird. Bei Roses Werken ist es schier unverzeihlich. Teile seines „Ring des Nibelungen“, den er 2019 mit Dieter Dorn in Genf auf die Bühne gebracht hat, stehen deshalb im Garten seines alten Bauernhauses in Murnau, mitten in üppig blühenden Rosenrabatten. 

Auf die Frage, was für einen Bühnen- und Kostümbildner das Wichtigste bei der Arbeit sei, kommen nicht etwa Stichworte wie „solide Ausbildung“, „Kreativität“ oder „Phantasie“, sondern die für Rose einzig mögliche Antwort: „Kollegialität“. Denn: „Du kannst ein Genie sein, das nutzt dir gar nichts, wenn du nicht andere dazu bringen kannst, ihr Bestes zu geben. Nur dann gibt es ein tolles Resultat.“ 

Und deshalb ist einer der wichtigsten Leitsätze für ihn der Spruch des früheren Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas: „Nichts ist so lebensfüllend wie das Theater.“ Jürgen Rose ergänzt ihn jedoch noch um den Zusatz: „… mit all den Individualitäten darin, die ein Kunstwerk erst zustande bringen.“ Es ist die Liebe zu den Menschen, zu den Künstlerinnen und Künstlern und zur Kunst selbst, die Jürgen Rose und seine Arbeit auszeichnen und so wertvoll machen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Lebens- und Ehrenpreis für ein Lebensgesamtkunstwerk! 

 

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