„This Beautiful Messy Thing“ von Ioannis Mandafounis mit der Dresden Frankfurt Dance Company

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Dresden Frankfurt Dance Company mit „Here is There“ im Festspielhaus Hellerau

Was machen die denn da?! Ensemblemitglied Thomas Bradley tastet die Ränder ab, während Ioannis Mandafounis dem Ensemble ausgelassenen Nonsens auf Speed erlaubt.

Dresden, 26/06/2026

Konsequent zieht er seine Sache durch: Ioannis Mandafounis arbeitet seit seiner Übernahme der Künstlerischen Leitung der Dresden Frankfurt Dance Company 2023 beständig an der Entwicklung „seiner“ Tänzer*innen als eigenständige kreative Köpfe. Dass er jetzt mit Thomas Bradley einem seiner Tänzer die Möglichkeit gegeben hat, mit einem eigenen Stück zu reüssieren, ist also nur folgerichtig. 

Und „einen echten Bradley“ kann man schon auf große Entfernung erkennen, denn er entwirft schon seit einigen Jahren Kostüme, früher für Emanuel Gat, als er für den getanzt hatte, dann natürlich auch gelegentlich für Mandafounis. Sein signature look ist neben dem Upcycling eine Art „Ballung“ textiler Stoffe an der Vorderseite der Tänzer*innen, meist zentriert auf den Brustbereich. Was recht unpraktisch aussieht, ist auch so gemeint. Bradley will, dass Kostüme nicht einfach nur „Zusatz“ sind. Die Tänzer*innen sollen ihnen die ganze Zeit über bewusst sein. 

Trotzdem lenken sie nicht ab. In seinem aktuellen Stück „Several Rhythms Sort Thoughtfully” sind diese Raffungen ungewöhnlich zurückhaltend in Schwarz gehalten. Als zurückhaltend muss auch der Bewegungsansatz bezeichnet werden. Die Geräusche während des Auseinanderbauens eines technischen Geräts bilden die akustische Folie für fünf Tänzer*innen, die sich einfach nur im Raum zueinander positionieren, immer wieder neu. Wie ein Spiel von Aktion und Reaktion. Das sieht erst mal nur nach reiner Absolventenarbeit aus der „Kaderschmiede Mandafounis“ aus. Das kennt man so aus unzähligen Arbeiten der Company. Irgendwo zwischen Flucht und Hinwendung bleibt das alles aufrecht, fast unterkomplex. 

Verzögert kommen Bewegungen der Arme dazu, das Beugen der Knie, rein in die nächsten Ebenen. Genau wie die Sounds hat das etwas Technisches, fast Kantiges. Bradley untersucht hier die Existenz von Mustern im Alltäglichen, deshalb auch der merkwürdige Sound. Der wird irgendwann von einer Trompete abgelöst. Es bleibt kantig. Wie das Bühnenbild mit drei simplen Hockern, Linien. Selbst das Licht schneidet scharfe Grenzen in den Raum. Grenzen, die von den Tänzer*innen ignoriert werden. 

Das hat etwas anstrengend Verkopftes, als wolle es sich nicht mitteilen. Mutmaßlich liegt das gerade daran, dass sich das Konzept in seiner Suche aus dem Eindeutigen heraus an den Rändern entlang bewegt, wie immer diese auch aussehen mögen.

Wer fliegen will, endet als toter Vogel

Deshalb wirkt die zweite Arbeit des Abends, Mandafounis‘ „This Beautiful Messy Thing”, dem eigenen Titel gänzlich gerecht werdend wie eine lautstarke Replik, die alles zu Verkopfte aus dem Fenster schmeißen will. Komplett entfesselt tobt das Ensemble schon über die Bühne, als das Publikum nach der Pause den Saal betritt. Aus einer Playlist wünscht sich Liam Meyer, der hier als Gast mittanzt, „Volare“ von den Gipsy Kings, was auch prompt aus den Boxen zu brüllen beginnt. 

Dann löst Mandafounis das Chaos in kleinere Teile auf, beliebig wirkende Soundschnipsel kicken immer wieder mitten rein in ein Trio, bei dem alle wie auf Speed wirken. Schließlich wird es doch ruhiger, reduziert auf ein Duett, bis Philipp Danzeisen am Schlagzeug so unerwartet loshaut, dass nicht wenige im Publikum auf ihren Sitzen zusammenzucken. Und die tänzerischen Bausteine werden noch weiter reduziert: Yan Leiva legt ein hinreißendes Solo hin, das ihn nicht nur als beeindruckend versatilen Performer zeigt, sondern auch noch seine Begabung als Comedian hervorlockt. 

Mandafounis kombiniert hier bemerkenswert energiegeladene Bewegungsansätze mit ausgelassenem Nonsens, der auch auf sprachlicher Ebene Spaß mitbringt. Vom Versuch, fliegen zu lernen ist es nur ein Schritt (oder Absturz) bis zum toten Vogel. Und zum Abschluss gibt’s noch für alle ein neckisches Spiel mit dem altehrwürdigen Kinderreim über Humpty Dumpty auf der Mauer. 

In gewisser Weise lässt sich sagen, dass sich die Company mittlerweile an ihrer Energie erkennen lässt, die immer in Verbindung mit einem sehr offenen Bewegungsvokabular aus Improvisationen unterwegs ist. Diese Offenheit liest sich wie eine Bereitschaft, Inhalte zu empfangen. Und die kommen dann von externen Choreografen, wie etwa von Thomas Hauert in der letzten Spielzeit. Sein dramaturgisch exzellent fließendes „Playing with Sergei, Martha and the Others“ nimmt die Company in der nächsten erfreulicherweise noch mal in den Spielplan, auch dann wieder in Kombination mit Forsythes „Undertainment“. Und mit Cyril Baldy wird im November eine weitere neue Handschrift das Ensemble für eine Arbeit anleiten. Irgendwie ein kurzer Weg, könnte man meinen. Schließlich haben Baldy und Mandafounis seinerzeit beide für Forsythe getanzt. 

 

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