Zu viel gewollt?
Der Spielfilm „Cranko“ von Joachim A. Lang
Birgit Keil und Vladimir Klos geben verblüffende Einblicke in ihre „Tanzstiftung Birgit Keil“
Ihr verdankt die Welt des Balletts Tänzer*innen wie Alicia Amatriain, Bruna Andrade und Anna Osadcenko, wie Thiago Bordin, Terence Kohler, Flavio Salamanka und viele, viele andere. Sie war John Crankos „Baby-Ballerina“, der die erst 16-Jährige 1961 ins Stuttgarter Ballett holte. 1963 wurde sie Solistin, 1965 Erste Solotänzerin, 1980 erhielt sie den Titel „Kammertänzerin“. Sie gehörte zum legendären Kleeblatt des „Stuttgarter Ballettwunders“, neben Marcia Haydée, Richard Cragun und Egon Madsen und war die erste deutsche Primaballerina von Weltrang. Ihre Disziplin, ihre Eleganz und edle Linie waren und sind bis heute Vorbild für viele junge Tänzerinnen.
Nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere leitete Birgit Keil, vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Erwin Teufel, zur Professorin ernannt, von 1997 bis 2019 die Akademie des Tanzes in Mannheim. Vladimir Klos, 1946 in Prag geboren, der von 1968 bis 1998 dem Stuttgarter Ballett angehörte, seit 1972 als Erster Solotänzer, unterrichtete dort ebenfalls als Professor. Von 2003 bis 2019 übernahmen beide zusätzlich die Direktion des Balletts der Badischen Staatstheater in Karlsruhe.
Mit dem Abschluss ihrer aktiven Tänzerinnenlaufbahn gründete sie im Sommer 1995 die „Tanzstiftung Birgit Keil“. Bis heute bildet sie zusammen mit ihrem Mann Vladimir Klos den Vorstand der Stiftung.
Gemeinsam vergeben die beiden zusätzlich seit 2021 alle zwei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten Birgit Keil Preis. Gerade jüngst – am 2. Mai 2026 – wurde er an Riccardo Ferlito, Halbsolist im Stuttgarter Ballett, verliehen. Bei einem langen Gespräch in ihrer Stuttgarter Privatwohnung boten Birgit Keil und Vladimir Klos erstaunliche Einblicke in ihre Arbeit.
Warum haben Sie diese Stiftung gegründet?
Birgit Keil: Letztendlich war es pure Dankbarkeit. Sie ließ in mir den Wunsch, etwas zurückgeben zu wollen, immer stärker werden. Ich glaube an glückliche Fügungen in meinem Leben. Alles kam zu mir. Es begann damals, als meine Mama mich als 6-Jährige statt zur Krankengymnastik in einer Kinderballettschule anmeldete. Die Fügung wollte es, dass ich es später nicht erwarten konnte, meine Schulausbildung abzuschließen, um endlich meinem Hobby nachzugehen, jeden Tag professionell tanzen zu dürfen. Es war Fügung, dass ich an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit auf die richtigen Menschen traf. So war ich schon da, als Nicolas Beriozoff und kurz darauf John Cranko nach Stuttgart kamen und mich förderten. Das Stuttgarter Ballett wurde meine künstlerische Heimat. 1968 lernte ich meinen Bühnen- und Lebenspartner Vladimir Klos kennen, als er von John Cranko engagiert wurde – wieder so eine Fügung ...
Wie wurde dann aus dem Wunsch Realität?
Birgit Keil: Als ich 1994 von einem Moment auf den anderen meine aktive Laufbahn als Tänzerin auf eigenen Wunsch beendete, erkannte ich, dass ich eine andere Verantwortung zu übernehmen bereit war. Ich wusste: Das war ein Neuanfang, kein Ende. Mein Entschluss, eine Stiftung ins Leben zu rufen, stand fest. Ich wollte jungen tänzerischen Nachwuchstalenten und -choreografen den Weg in die Professionalität ebnen, sie unterstützen und Erfahrungen aus meiner überaus reichen jahrzehntelangen Karriere als Tänzerin weitergeben.
Für den 22. Juli 1995 war in Stuttgart eine Abschiedsgala geplant: „Ein Abend für Birgit Keil“. Bis dahin assistierte ich David Bintley bei seiner Kreation „Edward II.“, hielt mich in Form für meinen letzten Auftritt und nutzte jeden Moment, um die Richtlinien für meine Stiftung auszuarbeiten. Einen triftigen Grund dafür sah ich darin, dass ich bei der Abschiedsgala dem Publikum meine Stiftung vorstellen wollte, eben solange es mich noch kennt. Wie glücklich und dankbar war ich, als mir dann kurz vor der Gala der damalige Regierungspräsident Dr. Udo Andriof persönlich die Gründungsurkunde der Tanzstiftung Birgit Keil ins Theater brachte!
Gab es einen bestimmten Anlass für die Gründung?
Birgit Keil: Nun – nicht direkt. Obwohl: Wir bewunderten unsere Kollegen in Amsterdam, Han Ebbelaar und Alexandra Radius, die ihre Stiftung „Stichting Dansers Fond“ für ältere Tänzerinnen und Tänzer gegründet hatten. Sie haben uns regelmäßig zu ihrer Benefiz-Gala eingeladen, damit wir mit unseren Auftritten die Ziele ihrer Stiftung unterstützen. Außerdem fiel mir immer wieder auf, dass die jüngsten Tänzerinnen und Tänzer oft schon mehr als eine Stunde vor dem morgendlichen Trainingsbeginn im Ballettsaal waren, um sich zu dehnen und aufzuwärmen, aber danach oft nur herumsaßen und nicht viel zu tun hatten. Heute hat beinahe jede größere Ballett-Kompanie ihre Junioren- oder Eleven-Programme.
Gab es Widerstände?
Birgit Keil: Na ja, es konnte schon vorkommen, dass ich mir vorstellte, wie die Leute auf mein Vorhaben reagieren könnten: „Mach das nicht!“ – „Du machst Dich unglücklich.“ – „Wir haben keine Tradition dafür in Deutschland, anders als in Amerika.“ Als ich meine Mutter um Rat fragte, sagte sie nur: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Ich musste es einfach wagen.
Wie sind Sie die Realisierung angegangen?
Birgit Keil: Da ich selbst in dieser Angelegenheit keine Erfahrung hatte, holte ich mir Rat bei dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Herrn Professor Dr. h.c. Hans Lutz Merkle. Er sagte: „Für das, was Sie vorhaben, eine Stiftung für den tänzerischen Nachwuchs, brauchen Sie eine Million D-Mark.“ Darauf ich: „Hab‘ ich nicht.“ Er: „Und einen guten Rechtsanwalt.“ Ich: „Hab‘ ich noch nie gebraucht.“ Er: „Und ein Konzept.“ Ein Konzept, das hatte ich. Zu guter Letzt fragte er mich, ob ich schon an einen Sponsor gedacht hatte. Ich nannte Reinhold Würth, der von Anfang an im Kuratorium entscheidend mitwirkte. Da war Herr Merkle vermutlich beeindruckt, dass ich mich nicht habe einschüchtern lassen, und bot mir seine Hilfe an. Er ließ seinen Rechtsanwalt die juristischen Richtlinien aufstellen und sorgte dafür, dass bis heute eine Persönlichkeit der Firma Bosch als Mitglied im Kuratorium wirkt. Bis es so weit war, gab es aber noch eine weitere wichtige Begegnung.
Mit wem?
Birgit Keil: Mit Lothar Späth. Es war die Begegnung mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten, Dr. h.c. Lothar Späth im Schlossgartenhotel in Stuttgart. Er fragte mich, wie es mir gehe und was ich mache. Ich sagte nur: „Ich möchte eine Stiftung gründen!“ Seine Antwort: „Das machst Du. Ihr kommt am Wochenende zu mir nach Gerlingen, und dann besprechen wir alles.“ Es gab keine langen Fragen, keine Zweifel, nur die Botschaft: Mach das! So etwas vergesse ich nie! Ohne diese Begegnung wäre so manches nicht möglich gewesen. Wieder so eine Fügung ...
Und was hat er Ihnen geraten?
Birgit Keil: Er sagte: „Birgit, Du musst zweigleisig fahren. Du musst das Stiftungskapital aufbauen und gleichzeitig den Nachwuchs fördern. Und Du musst Geschichten erzählen.“ Diesen Rat befolge ich bis heute.
Er hat sich aber auch direkt in der Stiftung engagiert, oder?
Birgit Keil: Oh ja! Das war ein großes Glück. Ein Freund hatte mir noch vor dem Besuch bei ihm den Tipp gegeben, ihn zu fragen, ob er den Vorsitz des Kuratoriums übernehmen könnte. So weit hatte ich noch gar nicht gedacht. Ich hätte mich auch nicht getraut, ihn zu fragen. Aber dann wagte ich es doch, und er hat sofort ohne Wenn und Aber zugestimmt, ohne zu zögern: „Ich mache das. Wenigstens die ersten fünf Jahre, bis es läuft.“ Es wurden 20 Jahre. Welch großen Glücksfall sein von Herzen kommendes Engagement bedeutet hat, bedarf keiner weiteren Erklärung.
Sie haben eine Mitstifterin, wie kam es dazu?
Birgit Keil: Marchesa Maddalena Mina di Sospiro, eine Mailänder Aristokratin und Kunstmäzenin. Wir waren schon seit 1979 befreundet. Auf einer gemeinsamen Bahnreise habe ich ihr von meiner Stiftungsidee erzählt. Sie hörte aufmerksam zu und sagte dann ernst: „Birgit, vergiss nicht, wenn du jemals diese Stiftung gründest, möchte ich gemeinsam mit dir Gründerin sein.“ Als Mitgründerin, Förderin und Freundin hat sie uns mit ihren Erfahrungen bis zu ihrem Tod 2015 begleitet.
Wie ist die Stiftung organisiert?
Birgit Keil: Es ist eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit zwei Vorständen, einem Kuratorium und einer Schirmherrin: Ihre Königliche Hoheit Diane, Herzogin von Württemberg. Auch sie liebt Ballett und ist ein weiterer Glücksfall bei all diesen Fügungen. Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar. Sie ist eine private Initiative, die sich ausschließlich über freiwillige Zuwendungen von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen finanziert. Als Gegenleistung bieten wir jede Spielzeit einen Veranstaltungskalender an.
Was steht da auf dem Programm?
Vladimir Klos: Wir besuchen Haupt- und Generalproben des Stuttgarter Balletts, wir laden in die John Cranko Schule ein, um das Training mit dem Ensemble – nicht mit den Schülern – anzusehen oder eine Führung durch die neue John Cranko Schule zu machen. Bei fast allen Veranstaltungen treten auch die von uns in der Vergangenheit oder aktuell Geförderten auf. So können unsere Spender die Entwicklung der von ihnen Unterstützten verfolgen.
Sind Sie selbst immer dabei?
Birgit Keil: Ja, natürlich! Der persönliche Kontakt zu unseren Spendern ist uns wichtig.
Haben Sie ein eigenes Büro?
Birgit Keil: Wir haben ein kleines Büro im Souterrain in der Kunststiftung Baden-Württemberg in der Gerokstraße. Die großen Holzschreibtische konnten wir vom Theater leihen – inzwischen arbeiten wir schon 31 Jahre an ihnen. Außerdem gibt es eine kleine Sitzgruppe und eine Abstellkammer. Man hat uns schon einen größeren Raum angeboten, aber wir brauchen das nicht. Das ist ja kein Ort zum Repräsentieren. Präsentiert werden die von der Stiftung Geförderten.
Sie arbeiten alle ehrenamtlich?
Birgit Keil: Ja, alle. Außer einer freien Mitarbeiterin. Die Spenden kommen den Stipendiaten bzw. jetzt, seit 2021, den Eleven des Stuttgarter Balletts zugute, die wir fördern.
Sie haben ein sehr schönes Logo für die Stiftung. Wie kam es dazu?
Birgit Keil: In der Zeit, als ich mich mit der Stiftungsidee befasst habe, saß ich im Ballettsaal am Rand auf dem Boden und habe bei der Probe zugeschaut. Neben mir saß ein junger Mann, wir kamen ins Gespräch, und wie sich herausstellte, war er Grafikdesigner und hatte den Auftrag, das Programmheft für meine Abschiedsgala zu gestalten – wieder so eine Fügung. Cem Koc hat für uns dieses Logo kreiert und mir geschenkt. Er hat auch die kleine Statue entworfen, die Trophäe für den Birgit Keil Preis, den wir seit 2022 alle zwei Jahre vergeben. Er pflegt bis heute unsere Homepage.
Es gab dann einen Bruch, nachdem Sie beide nicht mehr beim Stuttgarter Ballett tätig waren. Wie sind Sie damit umgegangen?
Birgit Keil: Im Nachhinein war es das Beste, was uns passieren konnte, obwohl es die erste große Herausforderung für die noch junge Stiftung darstellte. Ursprünglich war die Stiftung logistisch im Theater angesiedelt und für das junge Stuttgarter Ballett und die John Cranko Schule konzipiert. Aber mit dem Wechsel der Ballettintendanz zu Reid Anderson hatte dies ein Ende. Dann kam 1997 der Ruf an die Akademie des Tanzes in Mannheim, wo wir 22 Jahre lang professionellen Nachwuchs ausbildeten und zahlreiche Stipendien vergaben. 2003 übernahmen wir zusätzlich die Ballettdirektion am Badischen Staatstheater in Karlsruhe – wieder so eine glückliche Fügung.
Von Früchten dieser Arbeit legen die Tätigkeitsberichte aus diesen Jahren ein beredtes Zeugnis ab. Der Bericht für das Jahr 2018 umfasst 184 Seiten.
Vladimir Klos: Es war eine sehr fruchtbare Zeit. Bis 2019 haben wir über 350 Stipendiaten gefördert, die heute in mehr als 130 internationalen Kompanien auf allen fünf Kontinenten dieser Erde tätig sind oder waren. Zu vielen von ihnen halten wir weiterhin Kontakt. Für uns ist es eine große Bestätigung für die Nachhaltigkeit unserer Arbeit. Diese Menschen haben nicht nur genommen, was wir ihnen geben konnten, sondern sie haben verstanden, was es bedeutet, menschliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Das ist etwas sehr Schönes. Wir schöpfen auch daraus unsere Kraft.
Birgit Keil: Mein Mann sagt über mich: „Nichts erwartet, alles bekommen.“ Das trifft den Nagel auf den Kopf!
Zurück zum Ursprungsgedanken: Wie hat die Stiftung Ihre Arbeit an der Akademie beeinflusst?
Birgit Keil: Ich würde sogar behaupten, dass die Stiftung einen erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung der Mannheimer Akademie des Tanzes hatte. Wir haben damals einen großen Strich unter die Vergangenheit gemacht und neu angefangen. Seit wir 1997 die Direktion der Akademie übernommen haben, konnten wir auch Talente nach Mannheim bringen. Darüber hat die Akademie ihren Ruf verbessert und ebenso die Qualität der Ausbildung. Viele Stipendiaten haben eine große Tänzer- und/oder Choreografenkarriere gemacht: Alicia Amatriain und Anna Osadcenko von der John Cranko Schule zum Beispiel. Anna Osadcenko tanzt bis heute als Erste Solistin im Stuttgarter Ballett. Und von uns an der Akademie des Tanzes Ausgebildete wie Thiago Bordin, Terence Kohler, Flavio Salamanka, Bruna Andrade und viele, viele andere. Sie sind überall, unsere Zöglinge ...
Und wie hat umgekehrt Ihre Arbeit als Leiterin der Akademie und als Ballett-Direktoren in Karlsruhe die Stiftung beeinflusst?
Birgit Keil: Als wir 2003 zusätzlich die Ballett-Direktion in Karlsruhe übernahmen, fügte sich mein „magisches Dreieck“: Die Förderung durch die Stiftung in Stuttgart ermöglichte die Ausbildung an der Akademie des Tanzes in Mannheim, diese wiederum die künstlerische Weiterentwicklung als professionelle Tänzer und in besonderen Fällen auch als Choreografen, die im Ensemble des Karlsruher Staatsballetts mündete. Bis 2019. Seit 2020 fördern wir Elevinnen und Eleven im Stuttgarter Ballett jeweils für ein Jahr. Das heißt, wir sind zum Ursprungsgedanken der Stiftung zurückgekehrt: Förderung des jungen Stuttgarter Balletts.
Das ist sicher auch sehr vorteilhaft für die Stuttgarter Ballettdirektion.
Vladimir Klos: Mit dem Ballettintendanten Tamas Detrich und seinem Team verbindet uns eine vertrauensvolle Kooperation. Tamas Detrich ist mit der Bitte um die Förderung der Eleven an uns herangetreten, der Kulturetat wird ja auch in Stuttgart immer drastischer zusammengestrichen – das ist eine Katastrophe!
Birgit Keil: Die Stipendiaten waren noch in der Ausbildung bei uns an der Akademie in Mannheim oder an der John Cranko Schule in Stuttgart. Die Eleven dagegen haben ihre professionelle Ausbildung bereits abgeschlossen und können in diesem Jahr wertvolle Bühnenerfahrung sammeln – mit der Aussicht auf ein Engagement im Stuttgarter Ballett.
Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Schützlinge aus?
Vladimir Klos: Wir sehen, ob jemand eine Begabung hat oder nicht, ob die körperlichen Voraussetzungen gegeben sind. Und wir sehen auch, ob jemand für den Tanz brennt oder nicht. Ob jemand mit ganzem Herzen dabei ist, ist oft wichtiger als das Physische.
Birgit Keil: Manchmal ist es auch einfach die Chemie, die stimmen muss.
Sie haben Ihre Stipendiaten meist schon sehr früh nach Deutschland geholt, nicht wenige aus Übersee, vor allem aus Brasilien. Gab es da nicht auch Probleme?
Vladimir Klos: Doch, natürlich! Es waren teilweise noch blutjunge Menschen, die auf einem sehr unterschiedlichen Ausbildungsniveau waren. Aber alle hat geeint, dass sie für den Tanz brannten. Aus Brasilien kamen viele, weil es dort wirklich Begabungen gibt. Wir haben über 25 Jahre lang jedes Jahr beim dreiwöchigen „Seminário International de Dança de Brasilia“ als Juroren des Tanzwettbewerbes und als Pädagogen gewirkt. Da kamen Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Land. Es ist wichtig, dass man mit den Leuten arbeitet. Sie wussten, dass wir Stipendien vergeben, und wenn es gepasst hat, war die räumliche Entfernung meistens kein Thema mehr. An der Mannheimer Akademie oder später in Karlsruhe als Ensemblemitglieder konnten wir sie unter unsere Fittiche nehmen.
Inwiefern hat Sie Ihre eigene Karriere beim Stuttgarter Ballett dabei geleitet?
Vladimir Klos: Wir haben bei Cranko gelernt, worauf es ankommt. Er hatte einen magischen Blick für Menschen, die wussten, dass man sein Inneres zeigen muss, wenn man wahrhaftig sein will. Er konnte die Menschen mit seinen blauen Augen erforschen, schon bevor er mit ihnen arbeitete: Zeige mir, wer du bist ... Er wollte, dass sie Menschen sind auf der Bühne, nicht Körper. Er wollte Natürlichkeit, nichts Gekünsteltes. Das ist es, was es ausmacht, und das wusste er, das hat er gefördert. Das war die Basis seiner Arbeit, und das ist die Basis unserer Arbeit.
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