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São Paulo

EIN SCHWERER VERLUST

Ismael Ivo ist gestorben



Der brasilianische Tänzer und Choreograf, der in Europa unter anderem für die Mitbegründung des Wiener Festivals ImPulsTanz und seiner Tätigkeit bei der Biennale in Venedig bekannt wurde, erlag gestern Abend einer Covid 19-Erkrankung.


  • Ismael Ivo in „Francis Bacon“, das in Zusammenarbeit mit Hans Kresnik entstand Foto © Gert Weigelt
  • Ismael Ivo in "Mapplethorpe" Foto © Dieter Hartwig
  • Ismael Ivo in "Les Feuilles qui resistent au Vent" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • Ismael Ivo als Leiter der Biennale Tanz in Venedig Foto © veneziaIvo copia
  • Ismael Ivo Foto © Regina Brocke

Die Tanzwelt trauert um Ismael Ivo, der gestern Abend seiner Covid 19-Erkrankung in einem Krankenhaus in São Paulo erlag. Der brasilianische Tänzer und Choreograf war nach seiner langjährigen Tätigkeit in Europa seit 1985 - bei ImPulsTanz Wien, am Nationaltheater in Weimar, bei der Biennale in Venedig - 2017 wieder in seine Geburtsstadt zurückgekehrt und hatte dort das Amt des Direktors am Balé da Cidade de São Paulo übernommen.

Nach seinem Studium in São Paulo verpflichtete Alvin Ailey den jungen Tänzer und Choreografen für seine New Yorker Company. Schon bald sollte der charismatische und kraftvolle Tänzer zu einer der zentralen Figuren des modernen Tanzes werden. Besonders hervorstechend war schon zu Beginn seiner Karriere Ivos ausgeprägtes Interesse für die verschiedenen Genres des modernen und zeitgenössischen Tanzes. Nach mehreren Auszeichnungen als bester Solotänzer in São Paulo folgte er 1983 der Einladung von Alvin Ailey und wurde Mitglied des Alvin Ailey Dance Centers in New York. Im Jahr 1985 übersiedelte Ivo nach Europa. Neben engen Kontakten zum Tanztheater befasste Ivo sich ausgiebig mit dem japanischen Butoh und pflegte gleichzeitig enge Kontakte in die Welt des klassischen Tanzes und der Performance Art. Er arbeitete über 20 Jahre in der internationalen Tanz-, Musik- und Theaterszene mit Künstler*innen wie John Neumeier, Johann Kresnik, George Tabori, Heiner Müller, Usiho Amagatsu, Mina Yoo, Yoshi Oida, Koffi Koko, Marcia Haydée und anderen. Nicht zuletzt diese große Leidenschaft für alle Facetten des Tanzes machte Ivo zu einem inspirierenden Pädagogen, dem die persönliche Ausbildung junger Tänzer*innen ebenso am Herzen lag wie die institutionelle Verankerung professioneller Ausbildungsprogramme. Als Mitbegründer, gemeinsam mit Karl Regensburger, des ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival 1988, schuf er einen der größten und vielfältigsten Treffpunkte der internationalen Tanzszene. Doch nicht nur der Anfang einer Tänzerkarriere war für Ivo ein Grund zur Förderung, auch die Auszeichnung großer Tanzkünstler*innen erhielt durch die von ihm ins Leben gerufene Ehrung des Goldenen Löwen der Biennale für Tanz in Venedig ein neues Aushängeschild.

Ohne Ismael Ivos beeindruckende Persönlichkeit und seine große Leidenschaft und Aktivität für den Tanz würde die internationale Tanzszene heute anders aussehen. Wir trauern um einen großen Tänzer, den wir viel zu früh verabschieden mussten.

Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, News 2020/2021

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