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Stuttgart

DANKE REGINE!

Renate Killmann erinnert an Regine Popp



Im März 2019 verstarb die für ihre ansteckende Tanz-Begeisterung bekannte Tänzerin und Tanzpädagogin Regine Popp.


  • Regine Popp Foto © Privatarchiv Regine Popp
  • Regine Popp im Mattox-Training Foto © Privatarchiv Regine Popp
  • Regine Popp im Unterricht Foto © Privatarchiv Regine Popp
  • Regine Popp in "Trilogie in Blau" von Regine Popp Foto © Matthias Recknagel
  • Marion Berndt, Regine Popp, Graziela Padilla in "Stäbetanz“ von Maja Lex Foto © Otto Wagner

Von Renate Killmann

Meine erste Begegnung mit Regine Popp war am Institut für Bühnentanz der Musikhochschule Köln, wo ich Ende der 1970er Jahre meine professionelle Tanzausbildung machte. Das Institut residierte damals noch in den Hallen des Müngersdorfer Stadions unweit der Sporthochschule Köln. Dort absolvierte Regine Popp - nach einigen Jahren der Bühnentätigkeit als Tänzerin an diversen deutschen Theatern - eine Ausbildung in Modernem Künstlerischen Tanz bei Maja Lex, in deren Tanzensemble sie mehrere Jahre mitwirkte. Außerdem war sie Gaststudentin am Institut für Bühnentanz in den Fächern Modern und Jazz. Da ihr Herz für Jazztanz schlug, gastierte Regine oft in unseren Klassen beim Mattox-Jazz. Wir hatten damals eine junge schwedische Tänzerin, Helena Högberg, als Dozentin, die bei Matt Mattox selbst gelernt und auch in seinem Ensemble in Frankreich getanzt hatte. Er entwickelte eine spezielle Form der Jazz-Technik, die die Polizentrik des afro-amerikanischen Stils für TänzerInnen des ‚weißen‘ Amerika übersetzte. Eine komplizierte Methode, die den TänzerInnen Einiges abverlangte, aber auch sehr musikalisch, ja groovig war! Regine Popp wurde im Laufe der Jahre Matts Assistentin, übersetzte das Buch über seine Jazz-Art-Technik ins Deutsche und unterrichtete autorisiert seinen Stil.

Damals verwandelte sich Köln alljährlich im Sommer in eine Tanzstadt: die Internationale Sommerakademie des Tanzes, die für uns Tanzstudierende den Semesterabschluss bildete, fand mit unzähligen Kursen, DozentInnen aus aller Welt, z.B. von der renommierten Juilliard School in New York, aber auch mit GastchoreografInnen wie Hans van Manen und Jennifer Muller statt. Parallel dazu in der Kölner Oper die „Woche des Modernen Tanzes“, in der internationale Kompanien, wie die Limon Dance Company, Jennifer Muller & The Works, Martha Graham, Alvin Ailey ihre Arbeiten präsentierten und auch jedes Jahr das Tanzforum Köln mit Choreografien von Jochen Ulrich und seinen Gästen Hans van Manen, Glen Tetley und Kurt Jooss, dem ein ganzer Abend gewidmet wurde. Auch Pina Bausch war schon mit ihren ersten Arbeiten vertreten. - Regine Popp immer mitten drin: trainieren, diskutieren, Kontakte knüpfen …

Im Anschluss an ihre Ausbildung wurde sie im Jahr 1978 an das Landesinstitut für Schulsport (LIS), damals Staatliche Sportakademie in Ludwigsburg bei Stuttgart berufen. Ihre Aufgabe, die Weiterbildung der Baden-Württembergischen SportlehrerInnen in Sachen Tanz. Sie gab die Methoden von Maja Lex weiter, ließ in elementaren Tanzeinheiten improvisieren, entwickelte eine eigene Methode von Tanzetüden, in denen jeweils - ähnlich wie bei musikalischen Etüden - eine kleine tänzerische Einheit eingeübt wurde. Und dann auch immer wieder das Technik-Training, verschiedene Modern - und Jazztanzmethoden kamen schwerpunktmäßig zum Einsatz, denn sie verstand diese Weiterbildungen auch als Entwicklungsmöglichkeit der tänzerischen Fähigkeiten der SportlehrerInnen selbst und nicht nur als Weitergabe von möglichen Tanzeinheiten im Unterricht. Von daher war der Anspruch des Trainings hoch, was nicht immer auf Gegenliebe der TeilnehmerInnen stieß.

Parallel dazu baute sie ihr eigenes Tanzensemble Regine Popp auf, bei dem auch ich eine Spielzeit lang mittanzte. Außerdem fanden alljährlich im Dezember die Tage des Tanzes statt, die an vier Tagen in Ludwigsburg mit Workshops eine Weiterbildung durch internationale GastdozentInnen und im Kornwestheimer Theater Aufführungen von Modern- und Jazzkompanien boten. Jahrelang verbunden war Regine Popp mit Janet Smith and Dancers aus London und mit Jane Darling aus Stockholm. Die Position am LIS hatte sie Jahrzehnte lang inne, bis zu ihrer Pensionierung im Juli 2011. Nun ist sie ganz überraschend im März diesen Jahres im Alter von 71 Jahren gestorben.

Regine Popp hat Generationen von SportlehrerInnen im Tanz weitergebildet, sie hat sie motiviert, inspiriert, gefordert und in ihrer generösen Art manchmal einfach mit ihrer Freundlichkeit und ihrem Enthusiasmus überwältigt! Danke Regine!

Veröffentlicht am 12.07.2019, von Gastbeitrag in Homepage, Leute

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Kommentare zu "Danke Regine!"



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