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Pforzheim

ANGSTFREI

In Pforzheim wird das "Mozart-Requiem" vertanzt



Guido Markowitz, seit zwei Spielzeiten Direktor des Ballett Theater Pforzheim, gelingt in seiner Interpretation der Zugriff auf ein klassisches Werk mit konsequent zeitgenössischer Bewegungssprache und multimedialer Inszenierungsweise.


  • "Mozart-Requiem" am Theater Pforzheim Foto © Theater Pforzheim
  • "Mozart-Requiem" am Theater Pforzheim Foto © Theater Pforzheim
  • "Mozart-Requiem" am Theater Pforzheim Foto © Theater Pforzheim
  • "Mozart-Requiem" am Theater Pforzheim Foto © Theater Pforzheim

Besuch in Pforzheim. Dort, wo Enz, Nagold und Würm zusammenfließen, genießt das „Mozart-Requiem“ an einem lauen Samstagabend eine seiner letzten Aufführungen. Guido Markowitz, seit zwei Spielzeiten Direktor des Ballett Theater Pforzheim unter Leitung von Intendant Thomas Münstermann und seit einer Spielzeit begleitet von Damian Gmür als seinem Stellvertreter, zeigt mit seiner Interpretation des existenzialistischen Musikwerks aus dem Jahr 1791 einmal mehr, wie sehr der angstfreie Zugriff auf Werke des klassischen Kanons europäischer Weltmusik in einer konsequent zeitgenössischen Bewegungssprache und multimedialen Inszenierungsweise gelingen kann.

Eingebettet in eine fein gearbeitete Dramaturgie des Wandels, des Übergangs und der Transformation seelischer Prozesse und Erfahrungen, gestaltet das Ensemble dieses neu entdeckte Pforzheimer „Mozart-Requiem“ als eine eindrucksvolle Tour de Force durch die unsichtbaren Vor- und Nachwelten unseres irdischen Daseins. Großartige Life-Video-Bild-Einspielungen von Oliver Feigl kreieren und verdichten die jeweilige Raumvorstellung, die dem Betrachter als Ort einer erneuten Menschwerdung vorgeschlagen wird: Steinartige, schwebende Gebilde nehmen an Volumen zu und definieren eine universale, unbegrenzte Anderswelt, in die eine weiße Gestalt geworfen wird, dargestellt von Ana Rita dos Santos Brito da Torre. In energetischem Austausch mit anderen Wesen um sie entfaltet sich eine zunehmend spannende Szenenfolge, in der eine Vorstellung davon gegeben wird, was alles erleb- und spürbar ist, wenn der Körper die Seele nicht mehr begrenzt.

So sinkt irgendwann ein Kubus von der Decke und nimmt die Gestalt der Tänzerin auf, deren Erleben man fortan Zeuge wird. Großartig umfasst von den musikalischen Wellen des Gesangs des Opernchores des Theaters und des Oratorienchors der Stadt Pforzheim, angeführt von Generalmusikdirektor Markus Huber, lebt und bebt man innerlich angesichts der Kämpfe, die ausgefochten werden, mit. Lebensereignisse deuten sich an, Verzweiflung, der Tod als treuer Lebensbegleiter, herrlich getanzt von Adrien Ursulet, dann die Entscheidung, ob das neue Leben als Mensch angenommen wird, im Körper eines Mannes oder einer Frau. Auf Augenhöhe der Hauptdarsteller: das Ballettensemble, dessen hohe Präsenz vor allem ins Auge fällt. Immer wieder formiert sich der Chor um das Ensemble und verschmilzt mit ihm zu einer Einheit der Hölle und der Wiedergeburt. Ein nachdenklicher und unerschrocken agierender Guido Markowitz hat sich hier dem Betrachter offenbart.

Veröffentlicht am 25.06.2018, von Alexandra Karabelas in Homepage, Kritiken 2017/2018

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