HOMEPAGE



Hamburg

COME AND BE MY COMPANY

„Beach Birds – Das Dancical“ von Helen Schröder und ihrer neuen Kompanie auf Kampnagel



Im Rahmen des 10-jährigen K3 Jubiläums präsentierte die neue Hamburger Tanzkompanie „Beach Birds - Das Dancical“: ihre erste Arbeit ist eine poetische und humorvolle Hommage an die großen Zeiten der Tanzkollektive.


  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm
  • "Beach Birds - Das Dancical" von und mit Helen Schröder, Angela Kecinski, Guy Marsan, Edda Sickinger, Giovanni Zocco Foto © Thea Hoffmann-Axthelm

Von Katya Statkus

„Spot an! Handy aus! Die neue Kompanie ist da!“ So kündigt sich die selbst ernannte Kompanie auf dem Abendzettel an und so beginnt auch der Abend. Der Auftritt vollzieht sich im zügigen Gleichschritt. Die PerformerInnen schenken dem Publikum ihr charmantestes Showlächeln, winken, es wird zurückgewunken. Gleich einem Werbespot bietet sich die Kompanie dar, allerdings mit einer doppelbödigen Botschaft, die mit den Strategien der Werbung bricht: „Hey hallo, wir sind die neue Kompanie! Die erste Kompanie ohne Choreographen! Das gab’s noch nie! Bei uns ist nichts von uns! Bei uns ist alles von den anderen! Absolut innovativ! Und neu!“. Die widersprüchliche Botschaft von Aneignung und Innovation verweist auf einen selbstironischen und spielerischen Umgang mit dem Eigenen und dem Fremden. Etwas als neu zu verkaufen, das es schon einmal gab, erscheint auf den ersten Blick etwas verwunderlich. Aber erst in der Lücke zwischen Kopie und Original wittert die neue Kompanie ihre Chance.

In dem Stück „Beach Birds“ geht es viel um Eigentum und ums Teilen. Die Mitglieder der Kompanie beklauen berühmte Choreografen wie Merce Cunningham oder Jerome Bel, sie teilen dieses Verbrechen, sie sind ‚Partners in Crime’. Aber sie teilen noch viel mehr – die Garderobe, die Bühne, die Zuschauer, die Zeit. Sie werden eins: zu einer atmenden Pyramide, zu einem 10-händigen Insekt, sie werden – wenn auch vielleicht nur für diesen einen Abend - zu einer zeitgenössischen Tanzkompanie, die dieser Stadt so gefehlt hat.

Der Abend fühlt sich sehr kurzweilig an und trotzdem hat man den Eindruck, dass man das alltägliche Leben dieser Tanzkompanie miterlebt hat, als ob man mit diesen fünf Menschen zusammen auf einer Tour gewesen sei. Man sieht, wie sie sich gegenseitig helfen, sich für die Bühne fertig zu machen und wie sie gemeinschaftlich beim Flaschendrehen-Spiel entscheiden, wer am wenigsten Gage bekommt oder für die nächste Produktion vielleicht ganz aussetzen muss (falls es zu finanziellen Kürzungen kommen sollte). Und man kriegt mit, dass dieses „alles teilen und alles gemeinsam entscheiden“ manchmal gar nicht geht und total schwerfällt. Dann freut sich der ein oder der andere endlich alleine zu sein, alleine seinen Lieblingstanz zu tanzen oder vorm Bildschirm zu sitzen mit Cola und ganz allein das Paradiesfoto auf dem Screen in Ruhe anzuschauen (und im Geheimen zu hoffen, dass irgendjemand bald kommt und dir die Kompanie macht).

Das Stück „Beach Birds“ zeigt die Sehnsucht nach Zusammensein. Man kann sagen, es geht dabei um Individualismuskritik und um unsere Gesellschaft, in der man nur noch zweckgebunden zusammen kommt und das reine ‚Zusammensein aus Lust’ verschwindet. Aber man kann das genau so auf den Tanz anwenden: wenn überwiegend nur kurze Formen des Zusammenarbeitens gefördert werden, wie schade wäre das, dass wir bald den Begriff der Tanzkompanie komplett ins historische Museum abräumen müssen.

Aber bis dahin haben wir noch die Möglichkeit mit den fünf PerformerInnen auf die Schultern unserer Tanzgiganten zu steigen und den Ausblick zu genießen!


weitere Vorstellungen im Ballhaus Ost, Berlin:
07. / 08. / 09. April 2017 – 20 Uhr

Veröffentlicht am 16.02.2017, von Gastbeitrag in Homepage, Kritiken 2016/2017

Dieser Artikel wurde 3479 mal angesehen.



Kommentare zu "Come and be my Company "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    PIMP UP YOUR LEBENSLAUF!

    "limited edition" auf K3 - Tanzplan Hamburg

    Humoristische Clownsnummern sind selten in der zeitgenössischen Tanzszene: Helen Schröder und Katya Statkus träumen in ihrem Wettkampf um den Titel der besten Nachwuchschoreografin 2014 von einem perfekten Lebenslauf.

    Veröffentlicht am 28.06.2014, von Gastbeitrag


     

    AKTUELLE KRITIKEN


    VERRÜCKT BLEIBEN HILFT

    Das neue Tanzstück "Wunderland - wie nächtliche Schatten" in Görlitz ist gelungen
    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Boris Michael Gruhl


    AUFBRUCH UND SCHEITERN

    Mario Schröders choreografische Uraufführung des „Magnificat“ in Leipzig
    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Boris Michael Gruhl


    DER ABSOLUT RICHTIGE DREH

    Victor Quijadas choreografisches Europadebut: „Twist“ bei tanzmainz
    Veröffentlicht am 11.02.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ 30: ORFEO ED EURIDICE

    Chr.W. Glucks Oper als Ballett - Choreographie von Marcos Morau

    Die Premiere von «Tanz 30: Orfeo ed Euridice» findet am 23. Februar 2019 auf der Bühne des Luzerner Theaters statt.

    Veröffentlicht am 16.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    EISENACHS BALLETT BESPIELT AUCH DAS MEININGER STAATSTHEATER

    „Verschwundenes Bild“ von Andris Plucis forscht dem Alltagsleben in der DDR nach
    Veröffentlicht am 07.02.2019, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DEM RUF GEFOLGT

    Der Tänzer und Choreograf Georg Reischl wird ab der Saison 2019/2020 Chefchoreograf am Theater Regensburg

    Veröffentlicht am 17.01.2019, von Pressetext


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper

    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ABSCHIED VON JEAN CÉBRON

    Der Tänzer, Choreograf und Pädagoge verstarb am 1. Februar

    Veröffentlicht am 02.02.2019, von tanznetz.de Redaktion


    "DIE CHANCE DES THEATERS LIEGT IM ALTEN"

    Interview mit Marco Goecke

    Veröffentlicht am 04.02.2019, von Alexandra Karabelas



    BEI UNS IM SHOP