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Wien

SOLI-PARTY

“continued project” von João Dos Santos Martins



Dritte Woche bei ImPulsTanz in Wien mit einer Produktion aus der [8:tension] Young Choreographers' Series, die Beziehungen zwischen Menschen untersuchen, aktivieren und transformieren will.


  • “continued project” von João Dos Santos Martins Foto © Kat Reynolds
  • “continued project” von João Dos Santos Martins Foto © Kat Reynolds
  • “continued project” von João Dos Santos Martins Foto © Kat Reynolds

von Theresa Luise Gindlstrasser

Heiß ist es. Schön ist es. Im Odeon wurde „continued project“ von dem aus Portugal stammenden Tänzer und Choreografen João Dos Santos Martins gezeigt. Heiß war es da ebenfalls. Deswegen wurden schon zu Beginn der Veranstaltung Fächer und Wasser verteilt. Lang war das. Es hat nämlich 135 Minuten gedauert. Und ganz schön viel war es auch.

Inspiriert von Yvonne Rainers „Continuous Project – Altered Daily“ macht João Martins einen auf Geschichtsstunde. Sechs tanzend-sprechende Performende und der nicht weniger in das Geschehen involvierte Klavierspieler wandeln durch die weit gefasste Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts: Isadora Duncan, Lola Bach, Esther Williams, Simone Forti und so weiter.

Auf den schwarzen Bühnenboden sind lauter bunte Sternenbilder geklebt. Bunte Tapes markieren die diversen zukünftigen Standorte der Requisiten – und das sind viele. Weil nämlich nach jedem Kapitel ein Umbau für die nächste Szene folgt und es oft Projektionen gibt, stets auf neu gewählten Oberflächen. Irgendwann sprechen zwei der Performenden über die Nackttänzerin Lola Bach, sitzen vorne in Fauteuils während hinten eine Art Transkription ihres Gesprächs über einen Screen läuft. Gesprochener und geschriebener Text gehen nicht zusammen und beiläufig zieht sich eine Performerin aus. Dann auch der zweite und fragt sich, warum er das denn nun getan hätte. „Nun ja“, ist die Antwort, „aus Solidarität“.

Und auf Solidarität basiert eigentlich der gesamte Abend. Solidarität mit den Größen der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts, deren Produktionen ehrfurchtsvoll in einen ironisierenden Kontext, nämlich den einer heutigen – die Ecken und Kanten nivellierenden – Draufschau, gestellt werden. Jede zitierte Bewegungsform wird mit einem Diskursbad ausgegossen, ein Abend auf der Suche nach der Flüssigkeit von Geschichte.

Veröffentlicht am 07.08.2015, von Gastbeitrag in Homepage, Kritiken 2014/2015

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