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Duisburg

„96 FÜßE – 1 COMPAGNIE“

Fotoausstellung von Gert Weigelt im Theater Duisburg


  • Füße von Daniela Svoboda Foto © Gert Weigelt

Nicht von ungefähr sprach ausgerechnet der Direktor des Duisburger Lehmbruck-Museums, Raimund Stecker, zur Eröffnung der Ausstellung „96 Füße – 1 Compagnie“ mit Fotos von Gert Weigelt in den Foyers des Duisburger Theaters. Das Kunsthaus feiert gerade das 100. Jubiläum der „Knieenden“ von Wilhelm Lehmbruck, deren graziöse Pose und Gestik eine Tänzerin vermuten lassen. Zudem bereitet das Museum eine Schau u.a. mit Röntgenbildern von Tänzern vor. Stecker bediente sich in seiner geistvollen Rede des berühmten Essays von Martin Heidegger über den „Ursprung des Kunstwerkes“, der von der Betrachtung eines Schuhpaares auf einem Bild Vincent van Goghs ausgeht. Stecker ersetzte in den Textzitaten den Schuh durch den Fuß, dieses unabdingbare „Tanzzeug“ aus Knochen, Muskeln, Sehnen und Haut. „Wir brauchen die Fotos von den wunderbaren, schönen, deformierten, geschundenen, un-schmalen Füßen, um dieses ‚Zeug‘ zu sehen“, sagte Stecker. Weigelts Fotografien seien „ganz wichtig für den Erkenntnismoment der Wirklichkeit“. Sie zeigten „eingefrorene Bruchteile der Momente vor der Aufführung“ und seien damit „erkenntniserweiternd“ für den Zuschauer. Wohl wahr! So brutal-nah sieht der Zuschauer dieses magische „Tanzzeug“ sonst allenfalls durchs Opernglas. Doch sind hier ja keine Bühnenmomente festgehalten, sondern Studio-Aufnahmen sorgfältigst inszeniert. Mit diesen wohl außergewöhnlichsten „Tänzer-Porträts“ hat Weigelt sensationelle Kunstwerke geschaffen. Entstanden sind sie für das Magazin Nr. 2 des Balletts am Rhein. Die zuerst abgebildeten Fußsohlen von Sonny Locsin sind mit Daten aus der Schuhverwaltung des Ballett am Rhein aus der vorigen Spielzeit bedruckt: 1078 verbrauchte Spitzenschuhe, 596 Schläppchen, neun High Heels, zwei Gummistiefel… Wie viele Fuß-Operationen, Schmerzen und Verletzungen die 96 Ensemblemitglieder über sich ergehen lassen mussten, wird nicht verraten. Aber Weigelts Fotos sprechen auch hierüber Bände. So zeigen nicht wenige Füße Zehenballen, Schrunden, dunkle Nägel, Blasen und Abschürfungen. Ordep Rodrigez Chacons rechter Mittelfuß trägt eine Dreiecksnaht, als sei er an einem Stacheldrahtzaun hängen geblieben und hätte sich ein Dreiangel in den „Stoff“ gerissen. Staunend betrachtet man die weit gespreizten Zehen und vogelartig breiten Vorfüße von Camille Andriot. Schwanensee-schön breitet Daniela Svoboda ihre Füße hin. Wie zum Sprint bereit reckt sich Antoine Jully auf die Zehenspitzen. Die Ausstellung ist bis zum 12. Februar 2012 zu sehen. Das Magazin (in dem − anders als im Theater − die jeweiligen „Eigner“ der Füße identifiziert werden) ist für 6,00 € im Theater Duisburg und im Opernhaus Düsseldorf zu erwerben.
www.ballettamrhein.de www.gert-weigelt.de

Veröffentlicht am 16.12.2011, von Marieluise Jeitschko in Themen

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