KOEGLERJOURNAL 2010/2011



Stuttgart

NACHGEFEIERT

Matinee der John Cranko Schule


  • „Pineapple Poll“ von John Cranko Foto © Verena Fischer
  • „Im Fluss“ Foto © Verena Fischer
  • „Karneval der Tiere“ von Demis Volpi Foto © Verena Fischer

Zum Abschluss der 50 Jahre Festiviäten noch eine Matinee der John Cranko Schule. Zuerst „Pineapple Poll“ als Rückblick auf den damals gerade 24-jährigen Cranko, anno 1951 im Londoner Sadler's Wells Theatre – und das ganz und gar nicht nostalgisch, sondern pausbäckig und knackig, seine Ballett-Operette frei nach Gilbert and Sullivan – die englische Antwort auf Jerome Robbins' sehr amerikanisches, knapp zehn Jahre älteres „Fancy Free“. Mit viel Music-Hall-Jokes und Massine'schen Matrosen-Schlenkern samt Hornpipe-Anleihen, wie aus einem tänzerischen Poesiealbum der Fünfziger. Von Sarah Abendroth liebevoll und detailpusselig einstudiert und von den Cranko-A&B-AkademikerInnnen wie aus dem Ei gepellt zu Oma Margaret Thatchers Geburtstag getanzt.

Danach dann Hilke Raths „Im Fluss“, das auch “Im Wind“ heißen könnte, so rank und schlank wanden sich die Körper der Cranko-Youngsters auf der von knatternden Windbahnen durchzogenen Szene. Als sei's eine Hommage an die erneuerbaren Energien. Es folgte ein „Pas de deux romantique“, stimmig choreografiert zur Musik von Meyerbeer vom estnischen Gast Enn Suve – quasi eine Vorstudie zu Victor Gsovskys späterem grandiosen „Grand Pas Classique“, picobello getanzt von Mai Aihara und Gustavo Echevarria als eine Art globales Meeting von Nippon und Mexiko beim Stuttgarter Gipfeltreffen.

Und dann also der Knüller, der „Karneval der Tiere“ des jüngsten Stuttgarter Senkrechtstarters Demis Volpi, gerade mal so alt wie Cranko, als er „Pineapple Poll“ schuf. Dem geht ja seit seiner Premiere im Dezember ein geradezu sagenhafter Ruf voraus, und ich muss gestehen, dass ich ihn nicht ganz so toll fand wie meine Informanten. Ich hätte mir eine noch stärker konturierte Charakter-Choreografie für die diversen Tiergattungen gewünscht – so, wie sie Katharina Schlipf in ihren Kostümentwürfen geliefert hat. Hübsch anzusehen und burschikos getanzt war's allemal, aber da war Fokine in seinem „Sterbenden Schwan“ doch schon sehr viel 'animalischer' pointiert. Vielleicht sollte man dem hochbegabten Volpi noch ein Nachstudium in der Stuttgarter „Wilhelma“ empfehlen.

Veröffentlicht am 10.07.2011, von oe in koeglerjournal 2010/2011

Dieser Artikel wurde 5672 mal angesehen.



Kommentare zu "Nachgefeiert"



Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




Ähnliche Beiträge

PERSONALNEUIGKEITEN

Barbara Matacz und Sarah Abendroth gehen in den Ruhestand

Die John Cranko Schule verabschiedet die geschätzten Kolleginnen. Die Neuzugänge sind die ehemalige Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Maria Eichwald und die ebenfalls ehemalige Tänzerin des Stuttgarter Balletts Daniela Lanzetti.

Veröffentlicht am 14.07.2021, von Pressetext


1. PREIS FÜR STUTTGARTER NACHWUCHS

Yuki Wakabayashi und Motomi Kiyota gewinnen 1. Preis beim Grand Prix Kiew 2019

Die zwei SchülerInnen der John Cranko Schule Stuttgart gewinnen bei dem von Nobuhiro Terada ins Leben gerufenen Wettbewerb.

Veröffentlicht am 15.03.2019, von Pressetext


GANZ UND GAR NICHT DURCHGESTRICHEN

Die „Jubiläumsgala“ 40 Jahre John Cranko Schule

Veröffentlicht am 25.11.2011, von oe


EINE STUTTGARTER DEPENDANCE DER NEVERLAND RANCH?

Die John Cranko Schule huldigt Michael Jackson

Veröffentlicht am 25.07.2010, von oe


PETR PESTOV

Ballettpädagoge an der John Cranko Schule in Stuttgart

Veröffentlicht am 04.02.2010, von Patricia Kapp


JUBILÄUMSGALA

Veröffentlicht am 10.11.2001, von oe


 

LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


BALLETTDIREKTOR DER PARISER OPER BENJAMIN MILLEPIED CHOREOGRAPHIERT „DER NUSSKNACKER“ AM BALLETT DORTMUND

Premiere am Sonntag, 18. Oktober 2015, im Opernhaus Dortmund
Veröffentlicht am 26.09.2015, von Pressetext


„DAMALS LEBTE ICH NOCH IM PRÄSENS“

Skoronel Reloaded/Judith Kuckart: „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht“ in der „Wartburg“ Wiesbaden
Veröffentlicht am 20.09.2021, von Gastbeitrag


DIE ENTHÜLLUNG DES SELBST

„Personne“ von Isabelle Schad und Laurent Goldring in der Tanzhalle Wiesenburg
Veröffentlicht am 19.09.2021, von Gastbeitrag



AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



ECTOPIA

Choreographie Richard Siegal 2021, aufgeführt mit SHOOTING INTO THE CORNER (2008-09) von Anish Kapoor

Seit 2015 bringt das Tanztheater neben Stücken aus dem Repertoire von Pina Bausch auch Kreationen verschiedener Gastchoreograph*innen auf die Bühne.

Veröffentlicht am 16.09.2021, von Anzeige

LETZTE KOMMENTARE


INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


ZUSAMMENARBEIT

Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin und Staatsballett Berlin schließen Kooperationsvertrag
Veröffentlicht am 10.07.2021, von Pressetext


EIN SCHWERER VERLUST

Ismael Ivo ist gestorben
Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion

MEISTGELESEN (30 TAGE)


KINDERBRILLE AUFSETZEN!

Tanzplan veröffentlicht "Tanzkind" von Andrea Simon und Achim Reissner

Veröffentlicht am 17.08.2021, von Sabine Kippenberg


ALFONSO PALENCIA WIRD BALLETTDIREKTOR IN BREMERHAVEN

Ab der Spielzeit 2022/2023 tritt der Spanier Alfonso Palencia die Nachfolge von Sergei Vanaev an.

Veröffentlicht am 14.09.2021, von tanznetz.de Redaktion


REISE DURCH DIE MENSCHLICHKEIT

HUMAN – Musik- und Tanzpremiere feiert großen Erfolg in Bremen

Veröffentlicht am 30.08.2021, von Renate Killmann


JÖRG MANNES GEHT ANS THEATER MAGDEBURG

Neuer Intendant Julien Chavaz stellt sein Leitungsteam vor

Veröffentlicht am 26.08.2021, von Pressetext


DIE WEIßEN MIT UNSEREN GEFÜHLEN KONFRONTIEREN

Ein Gespräch vor der Berliner Premiere von „Ubiquitous Assimilation“ der Grupo Oito

Veröffentlicht am 24.08.2021, von Volkmar Draeger



BEI UNS IM SHOP