The Winner is … Love
Choreografische Werkstatt 2025 in Mannheim
Zehn Jahre Berufstätigkeit zählen für einen Tänzer, gemessen an der begrenzte Karrieredauer, quasi doppelt. So hat sich Lorenzo Angelini zur Feier seines zehnjährigen Mannheimer Jubiläums etwas ganz Besonderes ausgedacht. Der Absolvent der berühmten Stuttgarter John-Cranko Schule – mit seiner versierten, vielseitigen Technik längst eine sichere Bank im Ensemble des Nationaltheaters – erzählt im Gespräch: „Ich wollte etwas zurückgeben von den Erfahrungen, die mich selbst dankbar und glücklich gemacht haben.“
Im letzten Jahr war die Mannheimer Kompanie intensiv auf Gastspielreisen unterwegs, und im Spiegel der vielfältigen positiven Reaktionen hat sich Lorenzo Angelini die Frage gestellt, was diese Truppe so speziell und besonders macht. Vielleicht ist es die physisch extrem anspruchsvolle Tanzsprache von Tanzdirektor Stephan Thoss, vielleicht die beständige Inspiration und Herausforderung durch die Arbeit mit unterschiedlichen Choreograf*innen, ganz bestimmt aber ein Geist der Offenheit, Experimentierfreude und unbegrenzter Kreativität, der die tägliche Arbeit prägt. So kam er auf die Idee, anderen jungen Profi-Tänzer*innen genau diese Erfahrung weiterzugeben, in Form eines Trainingsprogramms zum Saisonende.
Ein Intensivkurs nicht nur für sondern von Mitgliedern des Ensembles
Solche Sommer-Intensivkurse werden vielerorts angeboten. Der Mannheimer „Summer Intensive“ fällt allerdings dadurch aus dem üblichen Rahmen, dass das gesamte Programm von Mitgliedern des Ensembles selbst gestemmt wird: vom täglichen Techniktraining über das Einstudieren von Repertoire-Ausschnitten bis zum Erarbeiten von neuen Kurz-Choreografien. Alle, einschließlich Stephan Thoss, haben sich mitreißen lassen. Am Ende stellt das Programm nicht nur eine außergewöhnliche Erfahrung für jungen Profis am Beginn ihrer Bühnenkarriere dar, sondern bietet zugleich die Chance für eine künstlerische Standortbestimmung der besonderen Art: „Das sind wir!“
25 junge Tänzer*innen aus zehn Nationen sind der Einladung nach Mannheim gefolgt – von USA und Kanada über Dänemark, Spanien und Frankreich bis nach Georgien. Die Mannheimer Ensemblemitglieder finden sich zugleich in herausfordernden Rollen wieder: bei der Leitung des Trainings, beim Einstudieren von Stücken aus dem Repertoire (Choreografien von Martin Harriague, Andonis Foniadakis und Stephan Thoss) oder beim Choreografieren für ein großes Ensemble. Der Intensivkurs macht seinem Namen alle Ehre – im Mannheimer Tanzhaus ist die gemeinsame Anstrengung förmlich mit Händen zu greifen. Abends, so erzählt es Lorenzo Angelini, fühlt er sich „platt- und unfassbar glücklich“. Vielleicht, so wünscht er sich, bietet dieses Training sogar die Chance, ein neues Ensemblemitglied für die Mannheimer Truppe zu finden.
Nur an einem einzigen Abend hat das Publikum die Gelegenheit, Ergebnisse des „Summer Intensive“ auf der Bühne zu sehen. Die Abschlussvorstellung verspricht dabei ungewöhnliche Einblicke in die tänzerische Arbeit, moderiert von Tanzdramaturgin Susanne Wiedmann. Unter anderem hat sich Stephan Thoss eine besondere Herausforderung ausgedacht, die – wie könnte es anders sein – mit Musik zu tun hat: Man darf gespannt sein.
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