Auf dem Narrenschiff
Ein Fotoblog von Dieter Hartwig über Toula Limnaios' „la nef des fols“
Auch für mich ist es ein großes Geschenk, dass im Rahmen des Festivals „30 Jahre cie. toula limnaios“ frühe Werke von den derzeitigen Kompaniemitgliedern wieder aufgeführt werden. Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, die Produktion „les possédés“ sowohl bei der Generalprobe als Fotograf als auch zwei Tage später die 2009 entstandene Choreografie als Zuschauer zu erleben.
Schon 2009 hat mich das schlichte Bühnenbild fasziniert. Grüner Tanzboden, schmale lange Gardinenstreifen von der Decke bis zum Boden, vorne am rechten Bühnenrand ein schwarzer Bottich (mit Wasser gefüllt), darüber hängt eine schwarze Jacke. Die Fenster der Halle sind nicht verdunkelt, im Gegenteil, bei der Eingangsszene wird die Bühne von außen mit Scheinwerfern beleuchtet. Schatten der großen Bäume werden auf die Wände der historischen Turnhalle projiziert.
Beim Einlass stehen vier verschleierte Personen auf der Bühne. Warten geduldig, bis die letzten Zuschauer*innen ihren Platz eingenommen haben. Dann wird es rasant: Eine Frau mit Pistole, ein Mann läuft um sein Leben, wird gestoppt, erhält Befehle, gerät in brutale, aggressive und zärtliche Situationen. Inzwischen entledigen sich die restlichen Tänzer*innen ihrer Schleier und die Gruppe formiert sich von einem zum anderen Moment rasant um. Zeigefinger richten sich auf eigene Körperteile und auf andere Personen. Im nächsten Augenblick sind die Tänzer*innen schon wieder wo ganz anders. Dies sind Momente, wo ich mit der Kamera nicht nachgekommen bin, kaum sehe ich eine Situation, schon ist sie wieder verschwunden und an einer anderen Stelle bildet sich ein neues Paar/Gruppe – und es wird wieder „gezeigt“.
Aufregend die Musik. Die vier Tänzerinnen und zwei Tänzer bilden eine Gruppe, immer wieder formiert sich die Gruppe um. Auf einmal sind zwei Pistolen im Spiel. Eine Tänzerin mit drei Sonnenbrillen auf der Nase und Stirn erscheint mit Schusswaffe. Dann wird es ruhig, nacheinander werden die Gesichter weiß geschminkt. Die Gruppenkonstellation ändert sich permanent, der Blick immer auf das Publikum gerichtet.
Ein Tänzer wird von der Gruppe bis auf die Unterhose ausgezogen. Eine Tänzerin badet ihre langen Haare im großen Bottich mit Wasser, und dann beginnt das Spiel, die Haare schlagen immer wieder aus diversen Richtungen auf den nackten Körper des Tänzers ein. Ein rasender Applaus schließt den Abend und ehrt das gesamte Ensemble.
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