„Im Kühlschrank brennt noch Licht oder Lieben Sie Schlager?“ von Katja Erdmann-Rajski 

Lieder gegen die Einsamkeit

„Im Kühlschrank brennt noch Licht oder Lieben Sie Schlager?“ von Katja Erdmann-Rajski in Stuttgart

Deutscher Schlager und Tanztheater – geht das zusammen? Im Stuttgarter Rotebühlzentrum hat Erdmann-Rajski das Experiment gewagt. Entstanden ist ein melancholisch-heiterer Abend zum Thema Einsamkeit.

Stuttgart, 08/09/2026

Eine Tänzerin im weißen Bademantel sitzt in einer Reihe von leeren Stühlen. Das Aufstehen fällt ihr sichtlich schwer, will der Kopf auch oben bleiben, so sackt der Körper doch immer wieder zusammen. Vor ihr auf dem Boden markiert die Umrisse eines Flügels. Im Hintergrund ein Garderobenständer mit Kostümen – neben einem roten Abendkleid ein schwarzer Smoking mit rotem Einstecktuch. Und dann die Stimme von Udo Jürgens – Auf meinem Tisch ein weißer Bogen/ Merci Cheri/ Ein Lied für alle, die einsam sind/ Im Kühlschrank brennt noch Licht. Allen Texten gemeinsam: das Thema Einsamkeit.

Choreografin und Musikexpertin Katja Erdmann-Rajski hat sich ein Jahr lang mit den Texten und mit den Kompositionen der Evergreens von Schlagerlegende Udo Jürgens beschäftigt. Fünfzehn hat sie ausgewählt und verwebt sie mit klassischer Musik von Franz Schubert und John Tavener. Das schafft eine ganz eigene Klangkulisse und auch immer wieder den nötigen Abstand zu den Songs von Udo Jürgens, die ihre ganz eigene Kraft entfalten. Die beiden Tänzerinnen Sonia Lautenbacher, Kristina Olearnikova lehnen sich mit ihrer Performance sichtlich auf, rennen gegen den Rhythmus an, wälzen sich in Rosenblättern auf dem Korpus des imaginären weißen Flügels – neben weißem Bademantel und rotem Einstecktuch eines der Markenzeichen von Udo Jürgens. Doch die Musik und der Text holt auch sie immer wieder ein. Da wird das rote Abendkleid zum Schrei nach Freiheit bei „Ich war noch niemals in New York“, und bei „Griechischer Wein“ fängt nicht nur das Premierenpublikum an zu klatschen, sondern auch die Tänzerinnen fallen letztlich ein in den klassischen Syrtaki-Schritt.

Und so bleibt dieser Abend über Einsamkeit nicht nur melancholisch, sondern endet auch heiter. Wenn nämlich die per Anzeige gesuchten Udo Jürgens-Fans sich aus dem Publikum erheben, auf den leeren Stühlen auf der Bühne Platz nehmen und armeschwingend beim letzten großen Udo Jürgens-Song mitmachen: „Und immer wieder geht die Sonne auf“ – ein Lied gegen die Einsamkeit und gegen Weltverdrossenheit, ein Lied für die Hoffnung.

Das Tanztheater Katja Erdmann-Rajski liefert mit diesem Abend den Beweis: Tanztheater geht auch mit Schlager und liefert dabei ganz nebenbei eine weitere Hommage an den großen Künstler Udo Jürgens.

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