Die Suche nach dem Glück
„MATHIEU“ von Sebastiano Sing bei imagetanz als Uraufführung im WUK Projektraum
Cat Jimenez mit der Uraufführung von „ruins of a shell“ im studio brut im Rahmen von imagetanz 2026
Auch wenn den Österreicher*innen immer wieder nachsagt wird, dass sie ein spezielles Verhältnis zum Tod haben, so wirkt Cat Jimenezʼ Idee für ihr Begräbnis auf den ersten Moment etwas skurril: Sie möchte nämlich, dass an ihrem Grab Karaoke gesungen wird. Natürlich ganz ohne Druck, wobei sie dann doch gesteht, dass sie aus dem Jenseits Wertungen abgeben wird. Aber sie will, dass sich die Menschen so an sie erinnern. Mit diesem Gedanken beginnt ihre einstündige Solo-Performance „ruins of a shell“. Später wird sie dann das Publikum einladen, gemeinsam mit ihr in Erinnerung an ihre Großmutter Whitney Houstons „The Greatest Love of All“ zu singen. Der Titel dieses Abends entspringt unter anderem dem Gedanken, dass Strände aus zerriebenen Schneckenhäusern und Muscheln bestehen, so dass diese eigentlich ein riesiger Friedhof sind. In weiterer Folge verhandelt sie den Umgang mit Erinnerungen, Verlusten und Trauer – was gegen Ende aber auch in Wut umschlägt.
Mal weich, mal hart
Trotz dieser schweren Themen geht man aber nach dieser Uraufführung nicht bedrückt nach Hause. Das liegt sicherlich daran, dass Cat Jimenez, die auch einen Hintergrund in Modedesign und bildender Kunst hat, großes Augenmerk auf kleine Details legt und dabei von einem tollen Team unterstützt wird. Katharina Reuschel, Wiener Couture-Designerin, kreierte aus einem dunkelblau-schwarz metallisch glänzendem Stoff einen bodenlangen Rock mit passendem Oberteil. Faszinierend ist dabei, dass der Rock steif wirkt, wenn sich Jimenez durch den Raum bewegt, aber weich, wenn sie am Boden sitzt oder liegt. Sveta Schwinn setzt für Jimenez aber auch das Kostüm und den Bühnenraum von Christiane Peschek gekonnt Lichtakzente. Die Komposition von Martin Mitterstieler sorgt für die richtige Stimmung, drängt sich aber nie in den Vordergrund.
Choreografisch liegt der Fokus vor allem auf fließenden Arm- und Handbewegungen. Erst am Ende, wenn aus Trauer Wut wird, ist Jimenezʼ tänzerischer Ursprung in der Freestyle- und Krumpingszene erkennbar. Schön ist an diesem Abend, dass sich Jimenez immer wieder Zeit nimmt für einzelne Momente und ausgiebiges Räuchern. So breitet sich eine Form von Ruhe im Publikum aus. Am Ende viel Applaus für eine bemerkenswerte Performance, die man durchaus als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann.
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