Stürme der Liebe und des Klimas
Inklusives Tanzfestival am Theater der Uni Regensburg
„Letztlich“, so die Beschreibung zum Tanzstück, „sitzen wir alle im selben Boot“. Aber, könnte man einwenden, nicht alle zur gleichen Zeit und am gleichen Fleck. Beim Festival für inklusiven Tanz, das bereits zum siebten Mal am Theater der Universität stattgefunden hat, drehte sich alles um Wasserwege, Reisen, Unterwegssein und Begegnungen.
Den Anfang machte eine Gruppe, die unter Leitung von Wolfgang Maas „Alles im Fluss“ einstudiert hat, dem Motto des Festivals. Von Schülern des Tanzprojekts des Bischof-Wittmann-Zentrums, Studierenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, von der Lebenshilfe bis hin zu den Herbstzeitlosen, eine Gruppe Älterer, rollen, springen, laufen und spurten 30 Tanzende über die in blaues Licht getauchte Tanzfläche. Es ist ein quirliges Durcheinander, das trotzdem einer inneren Ordnung folgt.
Als von den Seiten feine Stoffbahnen durch den Raum wabern, verknäueln sich die Tanzenden und werden eingewickelt. Die Bahnen schlagen Wellen, durch die Boote und Schiffe kreuzen. Schwimmende bewegen sich darin, tauchen unter, spielen Ball, planschen. Im ruhigeren Hafen pflügen Containerschiffe, werden entladen, verschwinden wieder. Begleitet von mal grooviger, verhaltener oder harter Musik formieren sich immer wieder kleinere oder größere Tanzgruppen.
Über wogende Arme setzen sie dynamische, vielgliedrige Bilder in Gang. Sie bauen sich zwischen gestapelten Kartons (Container) auf und finden zu kraftvollen, synchronen Tanzabläufen. Es ist ein gewaltiges Pensum an Bewegungsabfolgen, Formen und Positionen, das sich die Teilnehmenden merken und über fast eine dreiviertel Stunde in den Gruppen koordinieren müssen. Allein diese Leistung ist überaus bemerkenswert, denn die Mitglieder der Gruppe sind alle Laien. Die faszinierende und nie langatmige Choreografie von Maas erarbeiteten sie sich in ihrer Freizeit und im therapeutisch begleiteten Tanzprojekt.
Ein Spiel mit dem Gegenüber
Darauf wies Maas anfangs in einer persönlich gehaltenen Begrüßung hin. Dabei dankte er sowohl Sponsoren und Förderern, als auch den Therapeutinnen und Wagner Moreira, dem vormaligen Tanzchef am Staatstheater Regensburg. Er hat bei der Konzeption des Tanzstücks „In die Ferne“ mitgewirkt und es mit Maas und der inklusiven Dance-Company Upside Down entwickelt.
Es ist das letzte Stück der zweistündigen Aufführung. Dazwischen stellen Corinna Mindt und Adrian Wenzel von der tanzbar_bremen „R sieht Rot!“ vor. Zwei Menschen begegnen sich darin mit roten Rollkoffern. Sie verhaken sich, hängen fest, lösen sich wieder. Misstrauisch und zugleich neugierig umkreisen sie sich, kommen sich näher. Sie sinken sich in die Arme, tiefe Gefühle brechen auf und werden im Tanz gewitzt, spielerisch und vergnüglich hinterfragt. Es ist ein leichtes und leidenschaftliches Spiel mit dem Gegenüber, der Lust am Leben und dem Aufregenden in jeder neuen Begegnung.
Auf dem Weg „In die Ferne“ sind auch die fünf Tanzenden der Gruppe Upside Down, die sich vor über einem Jahrzehnt gegründet hat. Vergangenes Jahr ist die Gruppe erstmals zur Internationalen Aids-Tanzgala eingeladen worden – und wurde ausgiebig gefeiert. Das erlebt sie auch mit dem neuen Stück, in dem ein dicker roter Faden voneinander wegführt, die Richtung wechselt, aber auch ganz unterschiedliche Schicksale miteinander verbindet. Eine Tänzerin schickt Schiffchen los und führt die einzelnen Reisenden mit ihren Sehnsüchten und Schicksalen am Ende in einem Dampfer zusammen, den sie aus Dreiecken bauen. Wir sitzen eben doch alle in einem Boot.
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