HOMEPAGE



Oldenburg

TRÄUMEN MUSS MAN LIVE

Renate Killmann im Gespräch mit Antoine Jully



Ein bisschen Farbe, ein bisschen Fantasie möchte der Oldenburger Ballettdirektor in Corona-Zeiten in die Welt bringen. Dabei setzt er auf den Live-Auftritt – und gibt die Hoffnung nicht auf.


  • "Alice im Wunderland" von Antoine Jully; Teele Ude & Samory Flury Foto © Stepan Walzl
  • Antoine Jully Foto © Stephan Walzl

Herr Jully, was bewegt Sie dazu, das Stück "Alice im Wunderland" zu choreografieren, was interessiert Sie an dem Sujet?

Ich verfolge die Idee zu diesem Ballett schon 2-3 Jahre lang. Jetzt war die Zeit reif dafür. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass meine Tochter jetzt acht Jahre alt ist, genau wie die Hauptfigur im Märchen. Auch wollte ich etwas mit Farbe, mit Fantasie machen, "something sweet" … Ich habe viele abstrakte Ballette choreografiert, jetzt hat es mich interessiert, ein Handlungsballett zu kreieren. Auch wollte ich die fantastischen Möglichkeiten dieses Theaters einmal voll ausnutzen: mit Bühnenbild, Technik und fantasievollen Kostümen. Vieles vom Bühnenbild geht auf meine Ideen zurück und die Videoprojektionen habe ich selbst entworfen und animiert.

Alice im Wunderland ist ein populäres, bekanntes Thema, mehrfach verfilmt. Sie wählen dazu ambitionierte Musik von Philip Glass und Alfred Schnittke, wie passt das zusammen?

Die Musik stammt aus meiner Welt! Ich möchte das Niveau, die Qualität meiner Arbeiten hochhalten. Die Farben der Musik dieser beiden Komponisten wechseln im Stück einander ab, die Musik inspiriert mich.

Wie schaffen Sie es, trotz Corona-Bedingungen eine so große Produktion zu erarbeiten? Sind Gruppen- / Ensemble- Szenen möglich? Welche Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen, um proben zu können? Werden Sie alle regelmäßig getestet?

Ja, wir werden alle zwei Mal pro Woche getestet, damit wir so arbeiten können, wie jetzt. Es gibt Ensembles, Duette und auch viele Soli. Die regelmäßige Testung gibt uns Sicherheit, aber dies kostet viel Geld! Der Freundeskreis des Theaters unterstützt uns und bezahlt die Testungen, damit wir weitermachen können. Dafür sind wir sehr dankbar.

Ihre Ballettleitungskolleg*innen wählen in diesen Zeiten auch die Form eines Premieren-Streams, z.B. hat Marco Goecke in Hannover zwei Tanzpremieren online präsentiert. Wie stehen Sie zu dieser Praxis?

Für meine Produktion wäre das keine gute Idee. Dieses Ballett ist für die Live-Präsentation produziert, es braucht die Zuschauer*innen, die das Geschehen mitverfolgen und so aktiv an der Vorstellung teilnehmen. Ich möchte die Hoffnung hochhalten, wir werden live tanzen! Wenn ich jemals etwas für den Stream produziere, dann ist das ein ganz anderes Format, dann muss ich eine extra Filmversion des Balletts kreieren, anders als für die Live-Aufführung. Das wäre dann auch künstlerisch gesehen etwas ganz Anderes.

In den vergangenen Jahren Ihrer Ballettdirektion haben Sie dem Oldenburger
Publikum neben zeitgenössisch arbeitenden Gastchoreograf*innen auch interessante Choreografien der Tanz-Moderne z.B. von Martha Graham und Lar Lubovitch präsentiert und so die Entwicklung des Tanzes erlebbar gemacht. Werden Sie an diesem Konzept festhalten und haben Sie neue Pläne dafür?


Ja, ich werde an diesem Konzept festhalten und habe auch schon neue Ideen dafür. Wir sind in Verhandlungen für ein ganz spannendes Projekt, soviel kann ich jetzt schon sagen. Es ist auch immer wieder eine lohnende Weiterentwicklungsmöglichkeit für die Tänzerinnen und Tänzer, wenn sie eine andere Tanzsprache kennenlernen und für sich erschließen können.

Herr Jully, vielen Dank für dieses Gespräch und den Einblick in Ihre Arbeit.

Veröffentlicht am 12.03.2021, von Renate Killmann in Homepage, Gallery, Leute

Dieser Artikel wurde 966 mal angesehen.



Kommentare zu "Träumen muss man live"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    NEUE WÜRDIGUNG

    BallettCompagnie Oldenburg verleiht erstmalig Förderpreis

    Verleihung im Anschluss an die Vorstellung von ,Alice im Wunderland‘ am 02. Juli 2021

    Veröffentlicht am 30.06.2021, von Pressetext


    FARBENFROH, WITZIG, TEMPOREICH

    Eine überaus unterhaltsame „Alice im Wunderland“ am Oldenburger Staatstheater

    Eine fantasievolle, ideenreiche, witzige Szenenfolge von Antoine Jully, die 75 Minuten lang am Auge des Publikums vorbeifliegt und mit unzähligen Ideen und einer Lust am Skurrilen und am Nonsense das Märchen von Alice mit den Mitteln des Balletts nacherzählt.

    Veröffentlicht am 14.06.2021, von Renate Killmann


    EIN FEUERWERK DES TANZES

    Der Ballettabend „1,5 m“ am Staatstheater Oldenburg

    Nach fast sieben langen Monaten darf die Kompanie von Antoine Jully auf die Bühne des Großen Hauses zurückkehren. Der neue Abend spiegelt schlaglichtartig die Entwicklung des klassischen Balletts über einen Zeitraum von 200 Jahren.

    Veröffentlicht am 06.10.2020, von Renate Killmann


    MEMENTO MORI

    "Vanitas" von Antoine Jully am Oldenburgischen Staatstheater

    Eine großartige tänzerische Leistung des Ensembles, das sich mit vitaler Energie durch den gesamten Abend bewegt. Doch hätte man dem Choreografen Mut gewünscht, den stillen Momenten der Musik mehr Raum zu geben.

    Veröffentlicht am 28.01.2020, von Renate Killmann


    QUANTUM LEAP (UA)/ PIERROT LUNAIRE (UA)/ AN DEN UFERN DES SEES (UA)

    Choreografien von Lester René, Hae-Kyung Lee, Antoine Jully

    Die drei Stücke feiern am 12. Oktober im Großen Haus des Oldenburger Staatstheaters Premiere.

    Veröffentlicht am 11.10.2019, von Pressetext


    QUICKLEBENDIG

    "Die Kunst der Fuge" von Antoine Jully in Oldenburg

    Der französische Choreograf und Ballettdirektor lässt an seinem Haus ein Stück über die letzten musikalischen Werke von Komponisten tanzen.

    Veröffentlicht am 19.06.2019, von Gastbeitrag


    FLUSS UND RHYTHMUS DES LEBENS

    Uraufführung im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters

    Mit den Luca Veggettis „Am Ende unser Schatten“ und Antoine Jullys Interpretation von „Le Sacre du Printemps“ gibt es in Oldenburg erneut einen lohnenswerten Tanztheaterabend, dessen Stücke in ihrer Unterschiedlichkeit gut harmonieren.

    Veröffentlicht am 16.04.2019, von Martina Burandt


    SEHR FRANZÖSISCHES MINGLE-MANGLE

    „Le Paladins“, Comédie-ballet von Jean Philippe Rameau im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters

    Die selten gespielte Comédie-ballet verbindet auf vielschichtige Weise Oper und Tanz und zeigt sich als große Herausforderung für das Oldenburgische Staatstheater.

    Veröffentlicht am 20.02.2019, von Martina Burandt


    ANTOINE JULLY VERLÄNGERT SEINEN VERTRAG AM OLDENBURGISCHEN STAATSTHEATER

    Drei weitere Spielzeiten wird Jully die BallettCompagnie leiten

    Antoine Jully, Ballettdirektor und Chefchoreograf der BallettCompagnie Oldenburg, verlängert seinen Vertrag am Oldenburgischen Staatstheater bis 2022.

    Veröffentlicht am 25.04.2018, von Pressetext


     

    AKTUELLE NEWS


    ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

    30 Jahre Tanzwerkstatt Europa
    Veröffentlicht am 23.07.2021, von Vesna Mlakar


    IVAN ALBORESI BLEIBT

    Der Vertrag des Ballettdirektors wird um 5 Jahre verlängert
    Veröffentlicht am 23.07.2021, von Pressetext


    DANIEL ASCHWANDEN GESTORBEN

    Er starb im Alter von 62 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit
    Veröffentlicht am 14.07.2021, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    LEAP#4 TANZVERMITTLUNG

    Masterclass und Labor zu aktuellen künstlerischen Positionen in der Tanzvermittlung

    In der LEAP Masterclass können Tanzschaffende und Akteur*innen der Tanzvermittlung und der Kulturellen Bildung ihr Spektrum an künstlerischen Arbeitsweisen für das eigene Arbeitsfeld erweitern. In zwei parallel stattfindenden Masterclasses geben die Choreograf*innen Jenny Beyer und Stephanie Thiersch vom 10. – 14. August 2021 an der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid Einblicke in ihre künstlerische Praxis.

    Veröffentlicht am 07.06.2021, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    ZUSAMMENARBEIT

    Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin und Staatsballett Berlin schließen Kooperationsvertrag
    Veröffentlicht am 10.07.2021, von Pressetext


    EIN SCHWERER VERLUST

    Ismael Ivo ist gestorben
    Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    DANIEL ASCHWANDEN GESTORBEN

    Er starb im Alter von 62 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit

    Veröffentlicht am 14.07.2021, von tanznetz.de Redaktion


    MEDITATIVE REISE

    Fotoblog von Dieter Hartwig

    Veröffentlicht am 17.07.2021, von Dieter Hartwig


    LINES & SIGNS

    Die TANZWERKSTATT EUROPA in München wird 30!

    Veröffentlicht am 17.07.2021, von Anzeige


    PERSONALNEUIGKEITEN

    Barbara Matacz und Sarah Abendroth gehen in den Ruhestand

    Veröffentlicht am 14.07.2021, von Pressetext


    TRAGISCHER VERLUST FÜR DIE TANZWELT

    Colleen Scott unerwartet verstorben

    Veröffentlicht am 10.05.2021, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP