KRITIKEN 2019/2020



München

AUFBRUCHSSTIMMUNG

Ballettmatinée der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München



Caroline Finn bereichert das anspruchsvolle Programm von Klassik bis Moderne mit einer partizipativen Idee, indem sie das Publikum tanzen lässt.


  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna
  • Ballettmatinée Herbst 2019 der Ballettakademie und des Bayerischen Junior Balletts im Nationaltheater München Foto © Ida Zenna

Im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend war diese Matinée am vergangenen Sonntag nach der Pause, als die Choreografin Caroline Finn das gesamte Publikum mit einem partizipativen Tanzexperiment von den Sitzen riss. Finn erteilt dem tanzversessenen und sicherlich tanzvorgebildeten Publikum auf unterhaltsame Weise eine Lektion, bringt ihnen kleine ausdrucksvolle Tanzfiguren auf originelle Weise bei und gibt damit auch Einblick in ihre Arbeitsweise mit den Studierenden. Ihr Trick: Wie beim Erlernen von Vokabeln erhält jede Tanzgeste eine Bezeichnung oder ein Bild, das anschließend in eine bestimmte Abfolge gestellt wird. Eselsbrücken sind da durchaus erwünscht: Ob, "ach, nein" oder "mein Rücken", "Sprint" oder "Jacke an", all diese Bilder helfen, Gesten oder Bewegungen zu kombinieren, wie ein Puzzle zusammenzusetzen.

Das Erhellende: Nach dieser Einstimmung sieht man ihre Choreografie "When she knew" - eine philosophische Rückschau - mit anderen Augen. Die gerade mit dem Publikum einstudierten Gesten oder Figuren werden im Tanzstück erkennbar und leuchten an verschieden Stellen immer wieder auf, wie wiederkehrende Motive in der Musik, was zeigt, wie nah und strukturiert Finn auch musikalisch arbeitet.

Finn lehrt uns aktiv zu sehen und zu hören. Mit akrobatischen Elementen im Stil des Modernen Tanzes und ungewöhnlichen Wendungen tanzt das Bayerische Junior Ballett nach Musik von Savall und Vivaldi. Kontrastierend zur Musik vollführen die TänzerInnen ausdrucksstarke und sanft schwingende Bewegungen, die ihre Entsprechung in Susanne Stehles fließenden Kostümen in leuchtenden Herbstfarben finden – jetzt aber immer schön der Reihe nach...

So verzaubern die Jüngsten der Ballettakademie das Publikum mit ihrem exakten und zugleich erfrischenden und mit Freude dargebotenem Kindertanz aus "Coppélia". Einen Einblick in die Schmiede des National- oder Charaktertanzes vermittelt der Csárdas - ebenfalls aus "Coppélia". Mit Temperament und Präzision tanzt sich die Ballettakademie in die Herzen der ZuschauerInnen, bevor die Jüngsten und ihre jungen Tanztalente mit ihrem dann folgenden Traumwalzer als Walzertraum die Bühne erobern. Musikalisch werden die Tänzerinnen und Tänzer vom "Ensemble Volta" begleitet, einem hochkarätigen Mini-Orchester aus Musikstudierenden der Münchner Musikhochschule, das in unterschiedlichen Besetzungen immer wieder für Tanztheaterprojekte herangezogen wird. Original-Ballettmusik wird vom musikalischen Leiter Mark Podolski für die jeweilige Besetzung arrangiert.

Eine aufsehenerregende Spitzenleistung auf höchstem Niveau liefern Edvinas Jakonis und Risa Yatsuki mit dem "Hochzeits-Pas de Deux" aus "Dornröschen". Ihnen beiden haftet nichts Schülerhaftes mehr an, sie verfügen über die Technik, die für die Ausgestaltung dieser Rollen nötig ist und können somit die Charaktere darstellerisch voll auskosten.

Ein nächster Schritt in der Tanzkarriere ist das Bayerische Junior Ballett, ein Ensemble, das die Lücke zwischen Ausbildung und Beruf schließen soll. Ziel ist es, die AbsolventInnen der Akademie fit für das Berufsleben zu machen. Das bedeutet neben Gastspielreisen, die TänzerInnen mit einem vielfältigen Repertoire auszustatten, das von Klassik über Neoklassik bis hin zum zeitgenössischen Tanz reicht.

Maria Barrios "Eyeblink", und David Russos Bewegungstheater "Start from now" stehen für den Zeitgenössischen Tanz. Maria Barrios verwendet zwar Vivaldis "4 Jahreszeiten", setzt sie aber mit ihren eigenen, emotionalen Jahreszeiten in Beziehung und erzeugt damit Spannung und Entspannung. Auch der Übergang von Russos "Start for now" zum klassischen Werk "Nymphen der Walpurgisnacht" sorgt für Kontraste.

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer, wenn Liška und Broeckx davon sprechen, ihre AbsolventInnen auf den Beruf vorzubereiten. Sie sollen in der Lage sein, jederzeit von Modern auf Klassisch umzuschalten oder umgekehrt, was gleich erfolgreich in dieser Matinée bewiesen wird.

Weitere Vorstellung am: Sonntag, 3.11.19 um 11:00 Uhr im Nationaltheater München.

Veröffentlicht am 31.10.2019, von Sabine Kippenberg in Kritiken 2019/2020

Dieser Artikel wurde 581 mal angesehen.



Kommentare zu "Aufbruchsstimmung"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    FRÜHLINGSMATINEE VON BALLETTAKADEMIE UND JUNIOR COMPANY

    Im Rahmen der BallettFestwoche München zeigte auch der Nachwuchs sein Können

    Zuversichtlich stimmt die diesjährige Bosl-Matinee was die Zukunft des Balletts angeht.

    Veröffentlicht am 13.04.2017, von Karl-Peter Fürst


    JUGENDLICH FRISCH

    Bosl-Matinee an der Bayerischen Staatsoper

    Ivan Liška – sichtlich erholt vom Stress seiner letzten Saison als Ballettdirektor – moderiert die Winter-Matinee der von ihm geleiteten Heinz-Bosl-Stiftung an, mit dabei sind Choreografien von Terence Kohler, David N. Russo und Richard Siegal.

    Veröffentlicht am 29.11.2016, von Malve Gradinger


    VOLLES PROGRAMM UND AUSVERKAUFTES HAUS

    Die Matinée der Heinz-Bosl-Stiftung erweist sich als blendendes Schaufenster für die heranreifende Tanz-Generation

    Die Schüler und Studenten der Ballettakademie wie auch die Junior Company präsentieren ihr Können im Nationaltheater

    Veröffentlicht am 04.12.2013, von Malve Gradinger


    KONSTANZE VERNON

    Ballerina, Ballettdirektorin und Ballettpädagogin

    Veröffentlicht am 03.08.2010, von Patricia Kapp


     

    LEUTE AKTUELL


    VIEL SCHÖNES

    Kevin Haigen zum 65. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.11.2019, von Günter Pick


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR GERT WEIGELT

    Anerkennung für Isabelle Schad und Jo Parkes
    Veröffentlicht am 20.10.2019, von Marieluise Jeitschko


    AUS EINER ANDEREN ZEIT

    Alicia Alonso im Alter von 98 Jahren verstorben
    Veröffentlicht am 18.10.2019, von Günter Pick



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    DER EINDRINGLING – EINE AUTOPSIE

    Gastspiel von Helena Waldmann in der Tafelhalle

    Die Berliner Tanzregisseurin Helena Waldmann hat sich international mit ihren politischen Arbeiten einen Namen gemacht. Nun kommt sie mit ihrem neuen Stück „Der Eindringling – eine Autopsie“ in die Tafelhalle.

    Veröffentlicht am 18.11.2019, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    „NICHT EIN X-BELIEBIGES MODERNES ENSEMBLE“

    Die Intendantin des Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt im Interview
    Veröffentlicht am 27.09.2019, von Miriam Althammer


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR GERT WEIGELT

    Anerkennung für Isabelle Schad und Jo Parkes

    Veröffentlicht am 20.10.2019, von Marieluise Jeitschko


    NUR WER SEINEN KÖRPER GANZ IM GRIFF HAT, DER LERNT ZU FLIEGEN

    Splatter-Ballett „Tanz“ zu Gast an den Münchner Kammerspielen

    Veröffentlicht am 21.10.2019, von Vesna Mlakar


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    DIE SCHERE DER WAHRNEHMUNG

    Die Dresdner go plastic company lädt zu einer kuriosen Performance auf eine Kegelbahn

    Veröffentlicht am 25.10.2019, von Rico Stehfest



    BEI UNS IM SHOP