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Basel

BASLER BEWEGUNGSLABOR

Das „Dancelab 9“ des Ballett Theater Basel



Buntes Potpourri an künstlerisch-choreografischen Einfällen und Stilen: Das Ensemble des Ballett Theater Basel zeigt unter dem Thema "Shift" zum neunten Mal eigene choreografische Arbeiten auf der Kleinen Bühne.


  • "Night Shift" von Javier Rodríguez Cobos; Lisa Horten-Skilbrei Foto © Werner Tschan
  • "Night Shift" von Javier Rodríguez Cobos; Annabelle Peintre Foto © Werner Tschan
  • "Chrysalis" von Alba Carbonell Castillo Foto © Werner Tschan
  • "Chrysalis" von Alba Carbonell Castillo; Andrea Tortosa Vidal und Max Zachrisson Foto © Werner Tschan
  • "Shift Happens" von Jorge García Pérez Foto © Werner Tschan
  • "Shift Happens" von Jorge García Pérez; Anthony Ramiandrisoa und Sidney Elizabeth Turtschi Foto © Werner Tschan
  • "Axolotl" von Debora Maiques Marin; Piran Scott und Diego Benito Gutierrez Foto © Werner Tschan
  • "Axolotl" von Debora Maiques Marin; Piran Scott und Diego Benito Gutierrez Foto © Werner Tschan
  • "er" von Frank Fannar Pedersen; Javier Rodríguez Cobos Foto © Werner Tschan
  • "er" von Frank Fannar Pedersen; Andrea Tortosa Vidal Foto © Werner Tschan

Ein ganz besonderer Pflichttermin, oft die letzte Premiere der Saison und meistens Höhepunkt der Spielzeit an Theaterhäusern sind die Abende, an denen die TänzerInnen zeigen, was sie choreografisch drauf haben. Am Theater Basel heißt dieses Programm „Dancelab“, findet 2018 zum neunten Mal statt und ist ein buntes Potpourri an künstlerisch-choreografischen Einfällen und Stilen. Zum Thema „Shift“ präsentieren fünf TänzerInnen des Ballett Theater Basel ihre Kreationen. Das gesamte Haus hat am Ende der Spielzeit nochmals all seine Kräfte gesammelt und einen wundervollen Tanzabend auf die Beine gestellt.

Javier Rodríguez Cobos entsendet in seinem futuristischen „Night Shift“ seine beiden Kolleginnen Lisa Horten-Skilbrei und Annabelle Peintre in eine tänzerische Auseinandersetzung mit der Langeweile während der Arbeit. Sie sind dabei komplett in Weiß gekleidet, bewegen sich roboterhaft durch einen Plastikraum und verrenken sich bis aufs Äußerste. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein hervorragender Auftakt des „Dancelab 9“. Cobos erarbeitete am Theater Basel in der aktuellen Spielzeit bereits die Choreografie für das spartenübergreifende Projekt „Das Ende von Eddy“. Mit „Night Shift“ zeigt er erneut, dass er eine besondere, künstlerisch-choreografische Vision hat.

Ganz anders als „Night Shift“ sind die beiden bewegenden und profunden Choreografien „Chrysalis“ von Alba Carbonell Castillo und „Shift Happens“ von Jorge García Pérez. Sie bearbeiten eine urmenschliche Problematik: Veränderung. Castillo ist seit 2012 in Basel engagiert und choreografiert seitdem. Für „Chrysalis“ schickt sie die TänzerInnen in immer neuen Bewegungskonstellationen über die leere Bühne. Die riesigen, von der Decke hängenden Glühbirnen fungieren als Requisite, Hindernis und Tanzpartner zugleich. Ein schönes Bild, geht es doch um die Selbstreflexion des Menschen die bestenfalls mit einer Einsicht, einem Licht das aufgeht, verbunden ist. Da ist der Übergang zu Pérez‘ Arbeit fließend beschäftigt er sich doch ebenfalls mit der Veränderung und der theoretischen Bewegung von Ansichten. Der Mensch und das, wonach und wie er lebt, ist nicht statisch, geschweige denn einfach. Deswegen ist „Shift Happens“ passenderweise eine der dynamischsten und komplexesten Stücke des Abends.

Für den Humor beim diesjährigen „Dancelab 9“ sorgen die beiden Ensemblemitglieder Debora Maiques Marin und Frank Fannar Pedersen. In Marins „Axolotl“, das sich im groben Sinne um den Schwanzlurch, im engen jedoch um die menschliche Transformation und Metamorphose dreht, stellt Diego Benito Gutierrez sein komödiantisches Schauspieltalent unter Beweis. Mit seinem Kollegen Piran Scott ertanzt er sich ein neues Selbstbewusstein, fernab von erdrückenden Erwartungen. Und in Pedersens „er“ zaubert Javier Rodríguez Cobos zu Beginn viele Tricks aus etlichen Hüten, um dann mit dem Ensemble die Bühne zu erobern. Sie begeben sich auf die Suche nach Identitäten, der Gegenwart und wollen den Augenblick leben. Das tun sie voller Elan und Begeisterung; das steckt an.

Und so endet dieses Basler Bewegungslabor, das den TänzerInnen Raum für ihre choreografischen Experimente gibt. Die Themen der Arbeiten offenbaren dabei das, womit sie sich beschäftigen: Veränderung und Sein. Und sich zu diesen überaus großen Themen künstlerisch zu positionieren, ist dem Ballett Theater Basel ganz wunderbar gelungen.

Veröffentlicht am 29.05.2018, von Natalie Broschat in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/2018, Tanz im Text

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Kommentare zu "Basler Bewegungslabor"



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