HOMEPAGE



München

ZUSAMMEN SEHEN SIE SEHR GUT AUS

„Juliet & Romeo“ von Trajal Harrell als Tanztheater-Performance in den Münchner Kammerspielen



Eine fulminante Premiere nur mit männlichen Darstellern nach Motiven der weltberühmten, Shakespeare‘schen Liebesgeschichte von Julia Capulet und Romeo Montague.


  • JULIET & ROMEO von Trajal Harrell Foto © Orpheas Emirzas
  • JULIET & ROMEO von Trajal Harrell Foto © Orpheas Emirzas
  • JULIET & ROMEO von Trajal Harrell Foto © Orpheas Emirzas
  • JULIET & ROMEO von Trajal Harrell Foto © Orpheas Emirzas
  • JULIET & ROMEO von Trajal Harrell Foto © Orpheas Emirzas

„The others will be here soon. // Die Anderen sollten bald hier sein.“, sagt Trajal Harrell zu Beginn. Und obwohl Julia in diesem Stück an erster Stelle genannt wird, sind nur Männer auf der Bühne zu sehen. Sie positionieren sich am vorderen Bühnenrand. Die Capulets und die Montagues. Überaus weiblich, sexy und schwungvoll voguen die Acht über die Bühne und lassen das Publikum ob ihrer weiblichen Männlichkeit (oder andersherum) staunen. Pop, Pop, immer wieder Pop. Aus den Lautsprechern und in den Körpern der Männer. Sie posieren um die Wette, um die Gunst der Zuschauer. Voguen soll begeistern und beeindrucken. Dieser Stil ist ein bekanntes Element im Oevre des amerikanischen Choreografen Trajal Harrell, der sich nicht nur in seiner Serie „Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church“ eingehend damit beschäftigte. In seiner letzten Arbeit „Caen Amour“ interessierte ihn vor allem der sensuelle und erotische Aspekt von Tanz. Nun bringt er in „Juliet & Romeo“ zwei Disziplinen zusammen: Theater und Tanz, Text und Bewegung, Schauspieler und Tänzer.

Personifiziert wird diese Vereinung durch seine acht wundervollen Protagonisten: Allesamt junge, hübsche, aufstrebende Künstler. Max Krause, Cecil Loresand, Jeremy Nedd, Benjamin Radjaipour, Damian Rebgetz, Ondrej Vidlar sowie William Cooper, der eine Tanzausbildung an der Ballettakademie der Hochschule für Musik und Theater München erhielt und nun auch an der Otto Falckenberg Schule Schauspiel studiert. Und natürlich Thomas Hauser, Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, der vollkommen im Butohtanz in einer tragischen Szene aufgeht, bis sie schlagartig zu Ende ist, er in die neue umschaltet und absolut beherrscht Shakespeare’schen Text darbietet.

Es sind allesamt abstrahierte, teils zusammenhanglose Szenen, aus denen sich das Stück zusammensetzt. Die Geschichte dieser Tragödie kennt man, weswegen Abstraktion und Fragmentierung möglich sind. Und wie immer ist Trajal Harrell Teil seiner Choreografien. In „Juliet & Romeo“ sitzt er als Amme der Julia am linken Bühnenrand, leidet und fühlt die zum Leben erweckte Geschichte mit. Im übertragenen Sinne formen sich seine künstlerischen Visionen vor dem Auge der Zuschauer. Manchmal greift er ein und tanzt einen Kommentar oder zieht das Kleid, die Rolle der Julia, einem anderen an. So wechseln die Darsteller die Figuren, ausgedrückt durch Kostüme, ganz egal, welches Geschlecht auch darunter zu finden ist.

Viele Tode werden auf der Bühne gestorben: Tybalt, Romeo und Julia. Doch geboren wird dadurch etwas anderes. Teils Totentanz, teils klassisches nur von Männern gespieltes Shakespeare-Theater, zeitgenössisch um Tanz, Show und Performance ergänzt. Das Bühnenbild, zwei in den Boden eingelassene, beleuchtete Gemälde, symbolisiert die Gräber der beiden verfeindeten Familien.

„Die armen Opfer unsrer Zwistigkeiten!“, sagen die Capulets im Originaltext zu den Montagues, als sie ihre beiden Sprösslinge tot auffinden. Tragisch ist der Tod der beiden Liebenden, doch positiv die daraus resultierende Versöhnung der verfeindeten Familien. Die Versöhnung der beiden Familien ist in „Juliet & Romeo“ die Vereinigung von Tanz und Sprechtheater. Und zusammen sehen sie sehr gut aus.

Veröffentlicht am 26.10.2017, von Natalie Broschat in Homepage, Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 1706 mal angesehen.



Kommentare zu "Zusammen sehen sie sehr gut aus"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    FREUNDLICHER RÜCKBLICK, VERHALTENER AUSBLICK UND EINE ÜBERRASCHUNG

    25 Jahre „Tanz im August“ in Berlin

    tanznetz.de-Korrespondent Boris Michael Gruhl berichtet ausführlich von der Eröffnung des Berliner Festivals.

    Veröffentlicht am 19.08.2013, von Boris Michael Gruhl


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    DIE MAGIE DER ERINNERUNG

    "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver für tanzmainz
    Veröffentlicht am 28.05.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VOLLER LEBENDIGKEIT

    Die Wiederaufnahme von „Raymonda“ an der Bayerischen Staatsoper
    Veröffentlicht am 25.05.2018, von Karl-Peter Fürst


    ULM MOVES!

    3. Ulmer Tanzfestival vom 7.-17 Juni 2018
    Veröffentlicht am 25.05.2018, von Anzeige



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    NEUE STÜCKE DES TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

    Die Proben haben begonnen - SAVE THE DATES!

    12. Mai Uraufführung Neues Stück I Kreation von Dimitris Papaioannou und 02. Juni Uraufführung Neues Stück II Kreation von Alan Lucien Øyen

    Veröffentlicht am 03.03.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


    POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

    Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
    Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    SEHNSUCHTSVOLLER HERZSCHMERZ

    "True Romance" von Hans Henning Paar und Daniel Soulié am Theater Münster

    Veröffentlicht am 19.05.2018, von Marieluise Jeitschko


    GALA WIEDER EIN RAUSCHENDES TANZFEST

    TanzArt ostwest in Gießen

    Veröffentlicht am 22.05.2018, von Dagmar Klein


    WUNDERVOLLES JETZT

    "After Trio A" von Andrea Božić und “The Dry Piece” von Keren Levi

    Veröffentlicht am 17.05.2018, von Natalie Broschat


    KINSUN CHAN WIRD TANZCHEF IN ST. GALLEN

    Der Schweiz-Kanadier übernimmt auf die Spielzeit 2019/2020 die Nachfolge von Beate Vollack

    Veröffentlicht am 24.05.2018, von Pressetext


    SOMMERNACHTSTRÄUME IN DER KIRCHE?

    Mit dem Ballett der Theater Plauen-Zwickau geht das wunderbar.

    Veröffentlicht am 22.05.2018, von Boris Michael Gruhl



    BEI UNS IM SHOP