HOMEPAGE



Bern

EINBLICK IN DIE SCHATTENWELT DES HOMO FABER

Choreograf Felix Landerer wagt sich an den Erfolgsroman „Homo Faber“ und bringt diesen in Tanzsprache auf die Bühne des Konzert Theaters Bern



Landerer setzt die Frage nach Schuld und Schicksal in den Fokus: Hätte Faber merken müssen, dass seine Geliebte seine Tochter ist? Macht ihn seine Entscheidung zu einem Monster oder zu einem Opfer?


  • "Homo Faber" von Felix Landerer am Konzert Theater Bern Foto © Philipp Zinniker
  • "Homo Faber" von Felix Landerer am Konzert Theater Bern Foto © Philipp Zinniker

Walter Faber glaubt nicht an Zufälle, bis er selbst von schicksalhaften Zufällen eingeholt wird. Faber ist auch in Felix Landerers Uraufführung „Homo Faber“ ein Kopfmensch, der seine Gefühle in den Schatten drängt. Doch Landerer konfrontiert den Protagonisten mit Sinnlichkeit und den Schatten seiner Gefühlswelt. Die unnahbare Figur des Walter Fabers (Vittorio Bertolli) tanzt sich am Konzert Theater Bern zu einem Menschen mit Gefühlen.

Die Geschichte "Homo Faber" greift eine Vielzahl an Themenfeldern auf, blendet zurück und fällt durch 20 verschiedene Spielorte der Handlung auf. Felix Landerer übersetzt den komplexen Roman in eine Tanzsprache. Faber verleiht er eine harte, eckige Tanzsprache, die sich durch emotionale Ereignisse der Geschichte bricht. Der Choreograf setzt auf Situationen im Roman, an welchen Faber auf seine Mitmenschen reagiert und damit auf seine verdrängte Gefühlswelt zurückgeworfen ist. Er setzt einen Spot auf Fabers Innenleben.

Landerer setzt die Frage nach Schuld und Schicksal in den Fokus: Hätte Faber merken müssen, dass seine Geliebte seine Tochter ist? Macht ihn seine Entscheidung zu einem Monster oder zu einem Opfer? Er spiegelt das Innenleben des Protagonisten an einer Art Parallelwelt. "Diese kühle Figur war zu Anfang für mich so unverständlich, dass ich ihm einen Kontrast entgegen gestellt habe“, erzählt Landerer. Der Choreograf schenkt Faber ein Alter Ego in Form von Schattenfiguren, die ihn begleiten, die er unterdrückt oder bekämpft. Die Schatten sind Facetten von Walter Fabers Person. "Ein Schatten tanzt Fabers Emotionen, weitere sind eine Art geistiger Schutz oder auch ein Mechanismus, der ihn bestimmte Dinge verdrängen lässt oder vor dem emotionalen Zusammenbruch schützt.“

Für das Stück hat der deutsche Musiker Christof Littmann eine Musiklandschaft aus mechanischen Geräuschen entwickelt. „Die Musik haben wir an Fabers Welt angepasst“, erklärt Landerer. Sein „Homo Faber“ lotet Grenzen aus, ohne seine choreografische Handschrift aus den Augen zu verlieren. Ein düsterer Tanzabend, den das Ensemble des Konzert Theater Bern zu einem Lichtblick macht.

Veröffentlicht am 20.01.2014, von Sulamith Ehrensperger in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

Dieser Artikel wurde 1671 mal angesehen.



Kommentare zu "Einblick in die Schattenwelt des Homo Faber "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    KINSUN CHAN WIRD TANZCHEF IN ST. GALLEN

    Der Schweiz-Kanadier übernimmt auf die Spielzeit 2019/2020 die Nachfolge von Beate Vollack
    Veröffentlicht am 24.05.2018, von Pressetext


    SPRECHENDE SCHULTERN, SCHREIENDE ELLBOGEN UND FLÜSTERNDE KNIE

    Interview mit Wayne McGregor: Neuer Ballettabend am Bayerischen Staatsballett
    Veröffentlicht am 15.04.2018, von Vesna Mlakar


    STAKEHOLDER IN STRUMPFHOSE ODER BETRIEBSJUBILÄUM AUF DER BÜHNE

    Jason Reilly – ein Interviewportrait von Alexandra Karabelas
    Veröffentlicht am 13.03.2018, von Alexandra Karabelas



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TRUE ROMANCE

    Tanztheaterabend von Hans Henning Paar und Daniel Soulié

    Am Freitag, 18. Mai feiert um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters Münster der Tanztheaterabend »True Romance« von Hans Henning Paar und Daniel Soulié seine Premiere.

    Veröffentlicht am 16.05.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer


    POLITIK KÖNNTE (MAN) TANZEN

    Reflektionen über die diesjährige Tanzplattform im PACT Zollverein in Essen
    Veröffentlicht am 18.03.2018, von Anna Wieczorek

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    KREATIVE ERFAHRUNGEN FÜR DEN NACHWUCHS

    Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung im Münchner Nationaltheater

    Veröffentlicht am 24.04.2018, von Karl-Peter Fürst


    STADTTHEATER MEETS FREIE SZENE

    Ben J. Riepe choreografiert für das Ballett am Rhein

    Veröffentlicht am 29.04.2018, von Marieluise Jeitschko


    ZUM DRITTEN MAL: DIE WELT ZU GAST IN MÜNCHEN

    Munich International Ballet School Gala

    Veröffentlicht am 01.05.2018, von Karl-Peter Fürst


    DIE STIMME DER NATUR

    Jörg Weinöhls letzte Produktion in Graz: „Sommernacht, geträumt“

    Veröffentlicht am 07.05.2018, von Gastbeitrag


    ZIRZENSISCHE HOMMAGE AN PINA BAUSCH

    Adolphe Binder beweist in Wuppertal mit Dimitris Papaioannou einen guten Griff

    Veröffentlicht am 13.05.2018, von Marieluise Jeitschko



    BEI UNS IM SHOP