HOMEPAGE



Dresden Hellerau

LABORERGEBNISSE

Das 2. modul-dance-Festival ging in Dresden Hellerau zu Ende



Das 2. modul-dance-Festival stellte an zwei Wochenenden ganze acht Arbeiten vor, vier davon noch in der Entstehungsphase befindlich. Diese Mischung ging tatsächlich auf.


  • "Tim Acy" von Antje Pfundtner Foto © Stephan Floss
  • "Tim Acy" von Antje Pfundtner Foto © Stephan Floss)
  • Patricia Apergis "Planites" (drifters) Foto © Peter Fiebig
  • Patricia Apergis "Planites" (drifters) Foto © Peter Fiebig
  • Patricia Apergis "Planites" (drifters) Foto © Peter Fiebig
  • Patricia Apergis "Planites" (drifters) Foto © Peter Fiebig
  • „FrouFrou“ von Marie-Caroline Hominal Foto © Peter Fiebig
  • „FrouFrou“ von Marie-Caroline Hominal Foto © Peter Fiebig
  • „FrouFrou“ von Marie-Caroline Hominal Foto © Peter Fiebig

Das Europäische Zentrum der Künste Dresden Hellerau versteht sich selbst nicht zuletzt als Keimzelle des kreativen Schaffens. Artists in residence, Experimente, Works in progess. Das 2. modul-dance-Festival stellte an zwei Wochenenden ganze acht Arbeiten vor, vier davon noch in der Entstehungsphase befindlich. Diese Mischung ging tatsächlich auf. Die fertigen Arbeiten, wie Antje Pfundtners wunderbar introspektiv-ironisches Solo „Tim Acy“ oder das verstörende „Siena“ von Marcos Morau / La Veronal (Spanien) standen in deutlichem Kontrast zu den Suchbewegungen, den Prozessen der Auseinandersetzung der noch nicht ausgereiften Stücke. In „FrouFrou“ durfte man beispielsweise Marie-Caroline Hominal (Schweiz) dabei folgen, wie sie versucht, sich am Stoff des Haitianischen Voodoos und dessen Ritualcharakter abzuarbeiten. Viel war dabei noch nicht zu sehen, aber man konnte einen Eindruck gewinnen, wohin die Reise gehen soll. Ihre typischen, illusionslosen Alptraumversatzstücke sind auch hier deutlich.

Der internationale Charakter des Festivals ist dessen großer Vorteil. Das Nebeneinander unterschiedlichster kultureller Einflüsse zeichnet ein Gesamtbild gegenwärtiger Darstellungsformen: Bewegungsvokabular speist sich immer wieder und immer mehr sehr konkret aus allen Kulturkreisen unter Wertschätzung deren individueller Züge. Der Begriff der Globalisierung liegt verführerisch nahe, würde der Komplexität der Arbeiten aber nicht in jedem Fall gerecht. Es ist eine Art psychologisch-kultureller Zugriff, der versucht, eine bestimmte Gesamtheit zu erfassen. Am besten gelingt das Patricia Apergi mit ihrer Aerites Dance Company aus Griechenland. Mit ihrer Uraufführung von „Planites“ liefert sie den definitiven Publikumsliebling des Festivals, indem sie fünf Tänzer, die individueller und unterschiedlicher kaum sein könnten, durch imaginäre urbane Landschaften schickt und sie in der Fremde als emotional Nackte den Witterungen aussetzt. Es ist beeindruckend, mit welcher Kraft und Energie die Tänzer den Raum ausfüllen. Sehr schnell wird deutlich, dass ihr vordergründiges Ziel ist, die Wände des Nancy-Spero-Saals einzureißen. Und das gelingt ihnen mühelos. Diese Getriebenen sind bei aller Stärke aber keinesfalls frei von Angst. Sie flüchten sich immer wieder ineinander, Schutz suchend. Sie schrecken zusammen unter scheinbaren Regentropfen. Oder unter etwas Anderem, das sie unerwartet von oben trifft. Die Reaktion wirkt durch ihren Symbolcharakter. Die Tänzer ziehen dabei durch die Welt in einer Art Durchqueren emotionaler Räume. Sie sind während dessen beieinander, miteinander, aber auch gegeneinander. Männliche Aggressivität findet hier in beeindruckender performativer Umsetzung eine Form von fast konstruktiver Energie.

„Planites“ überzeugt auch nicht zuletzt durch eine sehr sichere Form der dramaturgischen Führung, in der der Zuschauer in keiner Sekunde losgelassen wird. Unter Verwendung einer gesunden Prise Charme ist Patricia Apergi, eine emotional intensive wie ungewöhnlich intime Arbeit gelungen. Die überschwengliche Begeisterung des Publikums zeigte das deutlich.

Für Dresden stellt das modul-dance-Festival eine Besonderheit dar. Dass unbekannte Namen im Tanz nicht die großen Publikumsmassen anziehen, ist verständlich. Trotzdem wünscht man dieser Form des Festivals mehr Neugier und Offenheit. Die Tanzszene Dresdens ist hier bereits seit einigen Jahren auf genau dem richtigen Weg. Und das Publikum für derartige Veranstaltungen existiert definitiv. Vielleicht braucht es einfach nur noch etwas Zeit.

Veröffentlicht am 23.09.2013, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2013/2014

Dieser Artikel wurde 2403 mal angesehen.



Kommentare zu "Laborergebnisse"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    DEMIS VOLPI WIRD BALLETTDIREKTOR UND CHEFCHOREOGRAF DES BALLETTS AM RHEIN

    Zur Spielzeit 2020/21 tritt der Choreograf die Nachfolge von Martin Schläpfer an
    Veröffentlicht am 15.03.2019, von Pressetext


    THOMAS HARTMANN GESTORBEN

    Der ehemalige Direktor des Semperoper Balletts verstarb am 23.02.
    Veröffentlicht am 27.02.2019, von tanznetz.de Redaktion


    MARGUERITE DONLON WIRD BALLETTDIREKTORIN AM THEATER HAGEN

    Die renommierte Choreografin übernimmt ab der Spielzeit 2019/20 die Posten der Ballettdirektorin und Chefchoreografin
    Veröffentlicht am 16.02.2019, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

    Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

    Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    DEMIS VOLPI WIRD BALLETTDIREKTOR UND CHEFCHOREOGRAF DES BALLETTS AM RHEIN

    Zur Spielzeit 2020/21 tritt der Choreograf die Nachfolge von Martin Schläpfer an

    Veröffentlicht am 15.03.2019, von Pressetext


    „I WANT TO STINK AGAIN“

    Uraufführung von Doris Uhlichs „Tank“ im tanzhaus nrw

    Veröffentlicht am 15.03.2019, von Anja K. Arend


    ARCHAISCHE ALLEGORIE

    Europapremiere in Hamburg auf Kampnagel: „Omphalos“ von Damien Jalet mit dem „Center of Contemporary Dance“ (CEPRODAC) aus Mexico City

    Veröffentlicht am 17.03.2019, von Annette Bopp


    FLUCH UND CHANCE DER EVOLUTION

    „Ultimatum“, der neue dreiteilige Abend der Dresden Frankfurt Dance Company

    Veröffentlicht am 11.03.2019, von Boris Michael Gruhl



    BEI UNS IM SHOP