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Dresden

HOLZ, TANZ, POESIE

TanzNetzDresden präsentiert die Märzausgabe der Linie 08 in Hellerau



Nicole Meier, Marita Matzk, Irene Schröder und Thomas Gläßer präsentieren die Märzausgabe von Linie 08 in Hellerau


  • Marita Matzk in "FORT" Foto © Peter Fiebig
  • Irene Schröder und Thomas Gläßer in „Über kurz oder lang“ Foto © Peter Fiebig
  • Irene Schröder in „Über kurz oder lang“ Foto © Peter Fiebig

Erst werden Kanthölzer aufgestellt. Sie nimmt die kürzeren, er die langen, denn sie ist die Kleinere von Beiden. Sie misst sich an den Hölzern: „welcher Balken passt zu mir?“ Er sitzt und sieht zu. Hölzer kann man auch auf dem Kopf balancieren und dazu angestrengt ins Publikum sehen: sieht denn keiner, dass wir uns hier was dabei denken? Das wäre ja auch das mindeste, aber ob das wirklich jemanden interessieren muss, ist eine andere Frage die sich rasch stellt.

Dann ist die Anordnung der Hölzer verändert, die beiden Darsteller gehen durch den Raum, das hat so ungefähr den Charme einer Workshop-Übung im Fach darstellendes Spiel. Dazu gibt´s immer mal akustische Akzente, erst zugespielt, dann auch live am Klavier angeschlagen. Sie legt ein Muster aus den Hölzern, das lässt sich anheben und leicht bewegen, bevor alles zerbricht. Aus TanzNetz wird HolzNetz. „Über kurz oder lang“ ist der Titel, das wollen wir im Hinblick auf TanzNetzDresden so nicht hoffen, die Sache mit dem Holz und mit dem Zerbrechen. Wer nicht tanzen kann oder will hat Konzepte, Irene Schröder und Thomas Gläßer, denen wir diesen Beitrag in der Märzausgabe von Linie 08 in Hellerau verdanken, appellieren mit Holzscheiten an unser Gehirn, das auf Symmetrie und Proportion gepolt ist.

„A. top secret“ heißt Nicole Meiers kurzes Solo von den carrot dancers, das sie zu Arvo Pärts „Salve Regina“ in eigener Choreografie tanzt. Die Tänzerin im grünen Kostüm von Nora Bräuer-Tiesler agiert vor einer Videozuspielung von Maik Blaum, in der die Kamera behutsam über Körperlandschaften schweift. Auch der Tanz ist von angemessener Behutsamkeit und stellt eine stille Korrespondenz zur in schwarz-weiß gehaltenen Körperlandschaft her, die am Ende kurz Farbe bekommt, während das Grün am Körper der Tänzerin weniger wird. Eine Momentaufnahme aus Tanz und fernem Klang und geheimnisvollem Bild.

Für Marita Matzk ist es schon ein Markenzeichen, dass sie ihre Soli als „work_in_progress“ vorstellt. Beim nächsten Mal, im nächsten Raum, wird ihr neuestes Stück „FORT“ sicher ganz anders die inneren und die realen Räume ihrer Reise erkunden. Sie fragt danach, wieweit man manchmal fortgehen müsse um einem Ziel näher zu kommen. Da ist die Tänzerin zunächst unter uns im Publikum. Sie trägt ihr Licht am Körper, kleine Lampen, zunächst am Arm, dann auch am Fuß und zum Schluss am Kopf, als wäre ihr ein Licht aufgegangen. Wenn sie so mit dem eigenen Licht und Schatten in der Bewegung Bilder entstehen lässt, die im Moment des Entstehens auch schon wieder vergehen, dann nimmt sie uns mit auf einen Weg, der vom Sehen zur Wahrnehmung führt.

Manchmal entzieht sich die Tänzerin auch unseren Blicken, oder man müsste sich verrenken, aber so paradox es klingt, unsichtbar ist sie nicht. Sie begibt sich unter das Podium auf dem wir sitzen und scheint auf der Suche nach jenem Raum zu sein, der noch unerforscht ist. Dann, mehr als nur ein Effekt, öffnet sich eine große Tür hinter der Tanzfläche im weißen Dalcrozesaal des Festspielhauses und ein weiterer Raum wird in gleißendem Licht sichtbar. Dahin entschwindet die Tänzerin und wieder sehen wir nur, je nach Blickwinkel, einen Arm, eine Hand, einen Fuß von ihr, das Licht auf dem Gesicht. Dazu, mitunter kaum vernehmbar, elektronische Klänge von João Pais, deren subtile Korrespondenz zur flüchtigen Wahrnehmung des Tanzes den poetischen Eindruck dieser von Heide Lazarus dramaturgisch betreuten Arbeit so eigenständig wie angemessen betont.

Veröffentlicht am 09.03.2013, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Kritiken 2012/2013, Tanz im Text

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