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EIN FEST DER JUGEND

30 Jahre Deutscher Tanzpreis



Ulrich Roehm nannte die fast fünfstündige Gala zur Verleihung des "Deutschen Jubiläums-Tanzpreises 2013" an sich selbst, den 79-jährigen Initiator dieser Auszeichnung, augenzwinkernd ein "Fest der Jugend".


  • Tanzpreis 2013 für Ulrich Roehm Foto © Ursula Kaufmann
  • Verleihung des "Deutschen Tanzpreises Zukunft 2013" an das Bundesjugendballett Foto © Ursula Kaufmann
  • Jason Reilly, Alicia Amatriain Foto © Ursula Kaufmann
  • Das Bundesjugendballett Foto © Ursula Kaufmann
  • Verleihung des "Deutschen Tanzpreises Zukunft 2013" an das Bundesjugendballett Foto © Ursula Kaufmann
  • Verleihung des Anerkennungspreises an Tobias Ehinger, Foto © Ursula Kaufmann
  • Denis Untila Foto © Ursula Kaufmann
  • Jason Reilly Foto © Ursula Kaufmann
  • Marijn Rademaker Foto © Ursula Kaufmann
  • Kyoka Okuyama,Glauber Mendes Silva Foto © Ursula Kaufmann

In der Tat bestritten das künstlerische Programm am Samstagabend im Essener Aalto-Theater vorwiegend bisherige und aktuelle Preisträger des "Tanzpreises Zukunft". Ganz entgegen der bisherigen Philosophie aber, nach der hier nur Anerkennung erwarten könne, wer sich bereits durch Höchstleistungen bewährt und bewiesen habe, traten zwei erst 16-jährige Eleven der Staatlichen Ballettschule Berlin auf: Kyoko Okuyama und Glauber Mendes Silva tanzten mit hinreißender, fast noch kindlicher Koketterie und staunenswerter Technik den Pas de deux "Flower Festival in Genzano" von Auguste Bournonville. Als Einspringer anstelle von Polina Semionowa hatte Günter Pick sie spontan eingeladen − nach dem Gewinn der Goldmedaille des jungen Paares beim "Tanzolymp" in Berlin vorige Woche. Ein köstliches Stückchen richtiger Bühnenwirklichkeit!

Ein ähnliches "Glück im Unglück" (diverser Absagen) bot der zweifache Auftritt von Alicia Amatriain und Jason Reilly mit Itzik Galilis technisch stupender "Mona Lisa" und Christian Spucks köstlicher Persiflage "Le Grand pas de deux". Ovationen erntete auch Marijn Rademaker mit dem für ihn kreierten Solo "Äffi" von Mario Goecke. Der Holländer löste damit eine alte "Schuld" ein: als er selbst den "Tanzpreis Zukunft", erhielt konnte er wegen einer Verletzung nicht tanzen.

Eher unauffällig mischten sich die neun Mitglieder des diesmal ausgezeichneten "Bundesjugendballetts" (Hamburg) unter die Stars. Farblos blieb der Pas de quatre "Brasilianische Folk Songs" von Thiago Bordin, recht brav begleitet von drei nicht genannten, offensichtlichen Musikstudenten. Keineswegs neu waren natürlich Ausschnitte aus John Neumeiers "Bernstein Dances" von 1998. Was diese neun jungen Berufsanfänger aus aller Welt an Kreativität in der vom Bund als Modellversuch finanzierten Formation wirklich zu bieten haben, konnte leider erst in einer Matinée in der Essener Lichtburg am heutigen Sonntag in Augenschein genommen werden.

Den Auftakt bot das Ballett Dortmund mit Auszügen aus dem dritten Akt von Xin Peng Wangs "Der Traum der roten Kammer". Durchgesetzt hatte diese ungewöhnliche Mitwirkung Tobias Ehinger, Manager des Ballett Dortmund. Er lieferte damit den Beweis, dass er für sein "außergewöhnliches Engagement hinter der Bühne" auch "einen Teil vom Applaus für die Künstler auf der Bühne" verdiene, wie es in der Begründung für den "Anerkennungspreis" für den jungen Manager hieß. Der sympathische 35-jährige Schwabe fühlte sich "sehr, sehr" geehrt. Meist spüre er Gegenwind, hier aber Rückenwind. Er eroberte die Herzen des Publikums im Sturm.

Als hochverdient geehrter Preisträger des "Jubiläums-Tanzpreises 2013" nimmt Ulrich Roehm, "der begnadete Tanzmanager und Lobbyist" − so Laudatorin Dr. Iris-Jana Magdowski, nun Abschied von seinen beruflichen Funktionen. Roehms Nachfolger als Tanzpreis-Organisator, Günter Pick, mahnte die Tanzpädagogen: "Vor zwanzig Jahren war der deutsche Fußball in der Krise − heute ist das anders dank intensiver Nachwuchsarbeit. Auch wir müssen daran arbeiten und deutschen Nachwuchs verstärkt ausbilden, um international mithalten zu können". Pick moderierte das Programm mit einem Minimum an steifer Etikette und einem Maximum an Lässigkeit und Spontaneität. Beim nächsten Mal − am 15. Februar 2014 − werde er die organisatorischen Pannen ausgemerzt haben, versprach der 69-Jährige.

Veröffentlicht am 03.03.2013, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Leute, Tanz im Text

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